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09.09.2020

Selbstständigkeit planen: Einzelunternehmen gründen

Du willst dich selbstständig machen und ein Einzelunternehmen gründen? Hier findest du wichtige Tipps für die Planung deiner Selbstständigkeit. Wer allein gründet, genießt als Inhaber eines Einzelunternehmens zahlreiche Vorteile. Doch die Wahl des Einzelunternehmens als Rechtsform birgt auch Risiken.

Kostenfreier Businessplan für Gründer

Entspannt gründen als Inhaber eines Einzelunternehmens

Was ist ein Einzelunternehmen?

Jede selbstständig ausgeübte Tätigkeit bedarf einer juristischen Einordnung, die Rechte und Pflichten des Gründers definiert. Wenn du dich selbstständig machen möchtest, hast du die Wahl zwischen verschiedenen Rechtsformen. Diese lassen sich grundsätzlich in Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften gliedern.

Das Einzelunternehmen zählt zu den Personengesellschaften. Wählst du bei Gründung deines Unternehmens nicht explizit eine andere Rechtsform, firmierst du automatisch als Einzelunternehmen. Das Einzelunternehmen ist rechtlich im Handelsgesetzbuch (HGB §§ 1-104) geregelt.

Selbstständige Handwerker, Gründer in den Freien Berufen, Solopreneure zahlreicher Branchen sowie selbstständige Landwirte können ein Einzelunternehmen führen.

Welche Voraussetzungen müssen Gründer erfüllen, die ein Einzelunternehmen gründen?

Die einzige kardinale Voraussetzung, um ein Einzelunternehmen zu gründen, ist die alleinige Ausübung der Tätigkeit. Daher ist es für sämtliche Branchen eine sehr unkomplizierte Gründungsvariante. 

Was sind die Vorteile der Gründung eines Einzelunternehmens?

Wer ein Einzelunternehmen gründet, benötigt kein Mindestkapital. Das Einzelunternehmen ist deshalb eine sehr kostengünstige und unbürokratische Gründungsvariante. Es reicht die Anzeige deiner Tätigkeit, je nach Berufszweig beim Gewerbeamt (alle gewerblichen Tätigkeiten) oder Finanzamt (Freie Berufe sowie Berufsbilder, die das Partnerschaftsgesellschaftsgesetz (PartGG) auflistet) bzw. die zuzügliche Eintragung in der Handwerksrolle.

Die Natur der Sache will es, dass du als Inhaber eines Einzelunternehmens keine schwierigen Abstimmungen mit weiteren Partnern treffen musst - Du bist nur dir selbst verantwortlich. Das bedeutet maximale unternehmerische Freiheit.

Einzelunternehmen gründen: Gibt es Nachteile?

Mitgehangen, mitgefangen? Nicht so als Gründer und Inhaber eines Einzelunternehmen. Volle unternehmerische Verantwortung bedeutet im Umkehrschluss gleichzeitig maximale Haftung und das mit Firmen- und! Privatvermögen. Diesen Nachteil einer Gründung als Einzelunternehmen kannst du nur durch Gründung einer Kapitalgesellschaft z.B. als GmbH oder UG (haftungsbeschränkt) ausgleichen. Die besonders kostengünstige Gründungsvariante UG mit nur einem Euro Mindestkapital kannst du bequem als Ein-Personen-UG gründen, bei der der Gesellschafter gleichzeitig Geschäftsführer ist. Beachte hier allerdings zugleich die Forderung weiteres Stammkapital zu bilden. Dafür musst du ein Viertel des UG-Jahresgewinns als Eigenkapitalrücklage zurücklegen. Das gilt, bis mindestens 25.000 Euro Stammkapital erreicht sind. Ist diese Schwelle der Mindesteinlage für eine „große“ GmbH erreicht, kannst du die UG in eine klassische GmbH umwandeln, musst es aber nicht.

Welche Rechtsformen können Gründer nutzen, die allein gründen?

Für Solopreneure, also Gründer, die sich ohne Partner selbstständig machen, stehen unterschiedliche Rechtsformen zur Auswahl. Je nach persönlicher Voraussetzung, Tätigkeitsfeld und Geschäftsumfang kannst du dich zwischen diesen sehr häufig verwendeten Varianten entscheiden:

Das Einzelunternehmen als Eingetragener Kaufmann

Eine häufig gewählte Variante des Einzelunternehmens ist der eingetragene Kaufmann. Als Kaufmann gilt gemäß § 1 I HGB "wer ein Handelsgewerbe betreibt".

§ 1 II HGB präzisiert Handelsgewerbe in Summe als "jeden Gewerbebetrieb, es sei denn, daß das Unternehmen nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert."

Wie definiert sich ein "in kaufmännischer Weise eingerichteter Geschäftsbetrieb"?

Es gibt keine gesetzliche Festschreibung spezifischer Kenngrößen, die festlegen, wann genau du als eingetragener Kaufmann den strengen Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) unterliegst und deinen Gewerbebetrieb in das Handelsregister eintragen musst. 

Als Orientierung dienen zunächst die Bereiche Angebotsbreite bzw. die Vielzahl deiner Dienstleistungen, dein Umsatzvolumen, ob und wieviele Beschäftigte du hast und vielleicht sogar Fillialen unterhältst. 

Je umfangreicher dein Gewerbebetrieb, umso höher der buchhalterische Aufwand, den du betreiben musst, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass du als eben dieser Kaufmann einen im Sinne des HGB "in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb" führst.

Praxistipp: Als Indizien für die Tätigkeit als Eingetragener Kaufmann gelten u.a. folgende Richtwerte:

  1. Dein Jahresumsatz beträgt mehr als 500.000 Euro.
  2. Abzüglich deiner Kosten kannst du einen Gewinn von mehr als 50.000 Euro im Jahressteuerzeitraum erwarten.
  3. Du beschäftigst mehr als 10 Mitarbeiter und diese länger als 6 Monate (Gilt für alle seit dem 01.01.2004 beschäftigten Arbeitnehmer, die als solche in den Geltungsbereich des Kündigungsschutzgesetzes fallen; vgl. § 23 Kündigungsschutzgesetz (KSchG) 

Freiberufler und Selbstständigkeit

Selbstständige können auch freiberuflich tätig sein. Freiberufler bist du, wenn du einen der Freien Berufe qualifiziert und selbstständig ausüben darfst. Dazu zählen Physiotherapeuten, Steuerberater, Architekten genauso wie selbstständige Designer, Journalisten oder Yogalehrer.

Als Freiberufler musst du kein Gewerbe anmelden, sondern erhältst vom Finanzamt nach einer einfachen Meldung deine Steuernummer. Stolpersteine kann es bei anlaufendem Geschäftsbetrieb aber auch für Freiberufler geben.

Freiberufler mit Online-Shop?: Vorsicht bei "gemischten Tätigkeiten"

In der Regel sind Freiberufler aufgrund der Art ihrer Selbstständigkeit - freiberuflich und nicht gewerblich - von der Gewerbesteuer befreit. In der Praxis ergeben sich häufig jedoch hybride Geschäftsmodelle, die vor dem Finanzamt besonders beurteilt und besteuert werden können. Sobald du als Yogalehrer z.B. Smoothies verkaufst, kann schon eine "gemischte Tätigkeit" vorliegen, die im Fall nachträglicher Betriebsprüfungen durch das Finanzamt teuer werden kann. Wenn du als Freiberufler gründen willst, findest du In unserem Überblick die wichtigsten Antworten zu Qualifizierung, Zulassung, Rechts- und Steuerfragen der freiberuflichen Selbstständigkeit.

Kleingewerbetreibende vs. Kleinunternehmer: Ein wichtiger Unterschied

Ein Kleingewerbe gründen - logisch - als Kleinunternehmer? Diesen häufigen Irrtum begehen viele Gründer, die z.B. nebenberuflich gründen wollen. Bei einem Kleingewerbe handelt es sich um keine eigenständige Rechtsform. Im Unterschied zum oben beschriebenen "in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb" des eingetragenen Kaufmanns ist ein Kleingewerbe das genaue Gegenteil davon.

Kein Handelsregistereintrag, keine doppelte Buchführung

Als Kleingewerbetreibender kannst du ein Einzelunternehmen führen, das "nach Art und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb (gerade) nicht erfordert."

Kleingewerbetreibende müssen ihr Unternehmen anders als Kaufleute nicht ins Handelsregister eintragen lassen, profitieren von vereinfachten Buchhaltungspflichten und auch die Gewerbeanmeldung ergeht in der Regel positiv bei Erstbesuch des zuständigen Gewerbeamts. 

Die Kleinunternehmerregelung wiederum ist ein Begriff aus dem Steuerrecht. Damit du die Kleinunternehmerregelung nutzen kannst, muss du zunächst beim Finanzamt einen Antrag stellen. Die Kleinunternehmerregelung kannst du nutzen, wenn du im Nebenerwerb gründest oder unisono als Unternehmer mit Einkünften im Rahmen der für Kleinunternehmer relevanten Umsatzgrenzen. Deshalb musst du deine Einnahmen stets im Blick behalten, denn die Umsatzgrenze für Kleinunternehmer darf nicht überschritten werden.

Weniger als 22.000 EUR im Vorjahr, nicht mehr als 50.000 EUR im laufenden Jahr

Die Regelung findet Anwendung, sofern dein Umsatz im Vorjahr die Grenze von 22.000 Euro nicht überstiegen hat (prospektiver Schätzwert bei Neugründungen) und sofern dein erwarteter Gewinn im laufenden Jahr voraussichtlich nicht höher als 50.000 Euro ausfallen wird

Kleinunternehmer müssen keine Umsatzsteuer abführen und auch keine monatliche Umsatzsteuervoranmeldung an das Finanzamt übermitteln. Gegenüber Privatkunden genießen Selbstständige, Einzelunternehmern und Freiberufler, die unter die Kleinunternehmerregelung fallen, dadurch einen Wettbewerbsvorteil. Bei ihnen ist Brutto gleich Netto. Im B2B-Umfeld kommt dieser Vorteil nicht zum Tragen, da deine Business-Kunden selbst großzügige Abschreibungsmöglichkeiten nutzen können.

Selbstständigkeit planen als Solopreneur

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Businessplan Finanzplan: Diese Punkte müssen enthalten sein

Entscheidend für die Bewilligung deines Kreditantrags ist ein schlüssiger Finanzplan. Wir zeigen dir, welche fünf Punkte dein Finanzplan unbedingt enthalten muss und welche häufigen Fehler du vermeiden solltest. Gerade kleine Unternehmen berichten immer noch von großen Schwierigkeiten bei der Kreditvergabe. Mit unserer Checkliste behältst du den Überblick.

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Die Kleinunternehmerregelung

Kleinunternehmer sind von der Umsatzsteuer befreit, dürfen aber auch keinen Vorsteuerabzug geltend machen. Die Rechtsform ist egal! Ausschlaggebend ist die Einhaltung einer regelmäßigen jährlichen Umsatzgrenze. Brutto gleich Netto! Kleinunternehmer mit überwiegend Privatkunden genießen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Unternehmern mit Regelbesteuerung. Wir räumen mit den größten Mythen, Widersprüchen und Fragen rund um die Kleinunternehmerregelung auf.

Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Content Creator für die Social StartUp-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig. Seit 2019 recherchiert die studierte Kulturwissenschaftlerin für dich alle Fakten und Zusammenhänge, die du in deinem Tagesgeschäft brauchst.