UG | Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)

Die Rechtsform der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) (UG) ist eine gründungsfreundliche Variante der GmbH. Ab einem Mindestkapital von einem Euro besteht die Möglichkeit der Existenzgründung in dieser Rechtsform, die deswegen umgangssprachlich auch Mini-GmbH oder 1-Euro-GmbH genannt wird.

Diese Form der Kapitalgesellschaft existiert seit 2008 und hat sich als Alternative zur britischen Rechtsform Limited seitdem gut etabliert. 2016 wählten 3,7 Prozent der Gründer die UG als Rechtsform.

Anmeldeformalitäten: Notar, Handelsregister und weitere

Bei der Gründung einer Unternehmergesellschaft erstellen die Gesellschafter einen Gesellschaftsvertrag, der folgende Punkte enthalten muss: Sitz und Firma der Gesellschaft, Geschäftsbereich des Unternehmens, Höhe der Stammeinlage und der Anteil an der Stammanlage pro Gesellschafter. Es ist zu empfehlen, bei der Gründung auch eine Geschäftsordnung zu erlassen und die Geschäftsführer zu bestellen. Der Gesellschaftsvertrag, der gegebenenfalls mit anwaltlicher Hilfe an die Bedürfnisse der Gründer angepasst werden sollte, muss notariell beglaubigt werden.

Alternativ zu einem an die eigenen Bedürfnisse angepassten Gesellschaftsvertrag sieht das Gesetz ein Musterprotokoll vor, das die Gründung einfacher Unternehmergesellschaften deutlich leichter und preiswerter macht.

Auch der Eintrag ins Handelsregister ist notwendig. Diesen veranlasst der Notar, indem er den beurkundeten Gesellschaftsvertrag und weitere Unterlagen an das zuständige Amtsgericht sendet.

In der Phase zwischen notarieller Beglaubigung des Gesellschaftsvertrags und der Eintragung ins Handelsregister ist die UG in Gründung noch nicht voll rechtsfähig und die Gründer haften, wenn sie Geschäfte tätigen, noch mit ihrem persönlichen Vermögen.

Nach der Eintragung ins Handelsregister geht das Finanzamt von selbst auf die Gründer zu und fordert die Unterlagen zur steuerlichen Erfassung der Unternehmergesellschaft an. Dazu gehört auch die Gewerbeanmeldung, denn die UG ist wie die GmbH grundsätzlich ein Gewerbebetrieb. Auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder der Handwerkskammer (HWK) ist die neu gegründete Unternehmergesellschaft als Mitglied anzumelden.

Mindestkapital: 1 Euro, Gründungskosten zwischen 300 und 800 Euro

Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) kann unter Verwendung eines vorgegebenen Musterprotokolls gegründet werden.

Unter anderem dadurch ist die Unternehmergesellschaft eine vergleichsweise preiswerte Variante, die eigene Geschäftsidee haftungsbeschränkt umzusetzen. Bei Verwendung des Musterprotokolls haben Gründer außerdem keinen großen Zeitaufwand hinsichtlich der Formulierungen der Vertragswerke.

Aufgrund der geringen Kapitaleinlage sind die Kosten für die Beglaubigung durch den Notar geringer als bei der GmbH und belaufen sich auf etwa 300 bis 400 Euro. Falls ein individueller Gesellschaftervertrag aufgesetzt wird und damit anwaltliche Beratung notwendig ist, belaufen sich die Kosten auf etwa 800 Euro.

Das Mindestkapital, mit dem man eine UG gründen kann, beträgt 1 Euro. Zu empfehlen ist aber eine höhere Summe, denn schließlich ist das Stammkapital die Geschäftsgrundlage der Gesellschaft. Im Businessplan  sollte benannt werden, wie hoch der Kapitalbedarf der Gesellschaft sein wird. Falls die UG mit zu wenig Kapital gegründet wird, besteht die Gefahr, dass sie schnell von Insolvenz bedroht ist.

Im Gegensatz zur GmbH können keine Sacheinlagen wie etwa Grundstücke oder Fahrzeuge in die Unternehmergesellschaft eingebracht werden, sondern ausschließlich Bareinlagen.

Ansparen von Kapital ist Pflicht

Da man die UG im Gegensatz zur „großen Variante“ GmbH mit nur einem Euro Stammkapital gründen kann, gilt eine klare Regelung zum Ansparen von Kapital. Ein Viertel des UG-Jahresgewinns muss als Eigenkapitalrücklage zurückgelegt werden. Das gilt, bis mindestens 25.000 Euro Stammkapital erreicht sind. Hat die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) diese Schwelle der Mindesteinlage für die „große“ GmbH erreicht, kann sie in eine klassische GmbH umgewandelt werden, muss sie aber nicht.

Haftung bis zur Höhe des Stammkapitals

Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) unterliegt den Haftungsgrundsätzen des GmbH-Gesetzes. Damit haftet die UG nur mit dem Vermögen des Unternehmens, was für Gründer gegenüber den Rechtsformen Einzelunternehmen und Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ein großer Vorteil ist. Das persönliche Vermögen der Gesellschafter in der UG bleibt im Ernstfall unangetastet.

Als Ausnahme gilt die Gründungsphase, solange die UG noch nicht im Handelsregister eingetragen ist. Gründer, die in dieser Phase schon Geschäfte tätigen, haften auch mit ihrem persönlichen Vermögen. Wer mit der Geschäftstätigkeit die Eintragung beim Amtsgericht abwartet, ist hier auf der sicheren Seite.

Außerdem haften Gesellschafter bei persönlichen Krediten oder Bürgschaften mit ihrem Privatvermögen. Unter bestimmten Umständen haften auch Geschäftsführer persönlich. Nämlich dann, wenn Sie ihren Pflichten nicht ordnungsgemäß nachkommen oder wenn sie ihre Befugnisse missbrauchen. Wer als Geschäftsführer die eigenen Rechte und Pflichten gut kennt sowie die eigene Arbeit gut dokumentiert, minimiert das Risiko der Haftung mit dem Privatvermögen.

Diese Steuern fallen für die UG an

Die UG ist verpflichtet, folgende Steuern und Abgaben zu leisten: Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer und Solidaritätszuschlag. Für Lieferungen und Leistungen, die sie in Anspruch nimmt, führt die Unternehmergesellschaft Umsatzsteuer ab. Diese beträgt je nach Art der Lieferung oder Leistung 19 oder sieben Prozent. Für Angestellte in der UG fällt die Lohnsteuer an.

Das Gehalt von Geschäftsführern und die Gewinnanteile von Gesellschaftern müssen in den Einkommensteuererklärungen der jeweiligen Personen angegeben werden. Die Gewinnausschüttungen an Gesellschafter werden mit der Kapitalertragssteuer belegt.

Innere Organisation der UG: Gesellschafter und Geschäftsführer

In der UG als Sonderform der GmbH existieren ebenfalls die Rollen als Gesellschafter und Geschäftsführer. Die Gesellschafter können mehrere Personen oder auch nur eine Person sein. Sie bringen das Kapital ein und fällen in der Gesellschafterversammlung grundlegende Entscheidung für die UG. Vertretungsberechtigt für die UG ist der Geschäftsführer. Wie bei der GmbH existiert auch hier die Variante der Ein-Personen-UG, bei der der Gesellschafter gleichzeitig Geschäftsführer ist.

Doppelte Buchführung auch in der UG notwendig

Wie im Handelsgesetzbuch für die GmbH festgelet, so gilt auch für die UG: Doppelte Buchführung und das Erstellen einer Jahresbilanz gehört zu den Pflichten der Unternehmergesellschaft.

Name der UG – Zusatz „haftungsbeschränkt“ ist Pflicht

Da die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) unter das Handelsrecht fällt, betreibt sie ihre Geschäfte unter einer Firma. Dieser Name ist im Handelsregister eingetragen und unter ihm tritt die UG im Geschäftsverkehr auf. Der Zusatz (haftungsbeschränkt) ist dabei Pflicht.

Gründer haben die Wahl zwischen einer Namensfirma wie Grete Behringer UG (haftungsbeschränkt), einer Phantasiefirma wie Blue Sky Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) oder einer Sachfirma wie Italienische Feinkost UG (haftungsbeschränkt).

Auch eine Kombination der verschiedenen Arten von Bezeichnungen ist möglich, jedoch muss auch hier unbedingt der Zusatz Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) enthalten und die Verwechselung mit anderen Firmen ausgeschlossen sein.

Vorteile der UG: Haftungsbeschränkung bei verringertem Mindestkapital

Die Unternehmergesellschaft bietet genau wie die klassische GmbH für den Unternehmer die Möglichkeit, seine Haftung auf das Vermögen der Gesellschaft zu beschränken. Für Existengründer ist diese Rechtsform deshalb eine sehr gute Alternative zur Gründung eines Einzelunternehmens bzw. einer GbR.

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) in die Rechtsform der klassischen GmbH umgewandelt werden kann, sobald die Schwelle für die Mindestkapitaleinlage in Höhe von 25.000 Euro erreicht ist. Damit können die Gründer der UG in den Genuss des guten Rufs der klassischen GmbH kommen.

Häufig wählen Dienstleister, die nicht viel Kapital einsetzen müssen, die Rechtsform der Unternehmergesellschaft. Für kleine gewerbliche Unternehmen, die ihre Haftung beschränken wollen, ist sie eine gute Alternative zur GmbH.

Nachteil der UG: Weniger angesehen als die GmbH

Wenn jemand eine UG führt, dann gibt schon die Rechtsform den Geschäftspartnern das Signal, dass das Unternehmen nur eine geringe Kapitalausstattung besitzt. Das kann das Ansehen des Unternehmerns bei Gläubigern oder Lieferanten mindern. Bis die Ansparsumme von 25.000 Euro erreicht ist, können zudem nicht die vollen Überschüsse der Unternehmergesellschaft ausgeschüttet werden.

Hier finden Sie detaillierte Informationen zu weiteren Rechtsformen

Rechtsformen für Unternehmen |  unternehmenswelt.de
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Je nach Rechtsform, in der Sie Ihr Unternehmen gründen, unterscheiden sich Gründungskosten, Anmeldeformalitäten, Mindestkapital, Haftung, Besteuerung, innere Organisation, Buchführung und Kapitalbeschaffung
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