GbR – Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ist eine Personengesellschaft und lässt sich sehr leicht und unbürokratisch gründen. Sie gründet sich sogar fast „automatisch“, wenn mindestens zwei Personen sich geschäftlich zu demselben Zweck zusammentun und nach außen agieren. 2016 wurden in Deutschland 5,3 Prozent der Unternehmen als GbR gegründet.

Wenige Anmeldeformalitäten

Die Schwelle, damit eine GbR entsteht, ist sehr niedrig. Sie kann sogar mündlich und ohne Gesellschaftervertrag ins Leben gerufen werden. Allerdings ist es sehr ratsam, einen solchen Vertrag zu schließen, zum Beispiel indem sie eine Vorlage für einen GbR-Vertrag für ihre Zwecke anpassen. Denn hier werden wichtige Fragen geregelt wie etwa die Art der Entscheidungsfindung, wer die GbR nach außen vertreten darf, wie Gewinne und Verluste verteilt werden, was die Gesellschafter verdienen, wie der Austritt eines Gesellschafters aus der GbR geregelt ist und andere wichtige Fragen.

Wer mit einer GbR ein Gewerbe betreiben will, muss das beim örtlichen Gewerbe- oder Ordnungsamt anmelden. In der Regel informieren die Gewerbeämter das Finanzamt und gegebenenfalls die Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer, die sich dann automatisch bei den Gesellschaftern melden.

Wenn sich Freiberufler zu einer GbR zusammenschließen, müssen sie lediglich beim Finanzamt eine Steuernummer für die Gesellschaft beantragen und über eventuell anfallende Genehmigungen verfügen. Diese hängen vom jeweiligen Beruf ab, Ärzte und Rechtsanwälte unterliegen hier beispielsweise anderen Regelungen als freiberufliche Coaches.

Keine Eintragung ins Handelsregister

Wer seine Geschäfte als GbR betreibt, kann sich nicht ins Handelsregister als Kaufmann eintragen lassen. Ab einer Eintragung ins Handelsregister ist es nicht mehr möglich, als GbR zu agieren und die Gesellschafter müssten sich die Rechtsform der Offenen Handelsgesellschaft (OHG) geben.

Kein Mindestkapital notwendig, geringe bis keine Gründungskosten

Ein Mindestkapital ist zur Gründung einer GbR nicht notwendig. Allerdings können die Gesellschafter Geld, Immobilien oder Wertgegenstände in die GbR einbringen. Weitere Gründungskosten fallen nur in Form von eventuellen anwaltlichen Beratungskosten rund um einen GbR-Vertrag und bei der Anmeldung eines Gewerbes an. Da die GbR nicht ins Handelsregister eingetragen werden kann, entstehen auch keine Kosten für eine Anmeldung beim Amtsgericht.

Gesellschafter haften mit gesamtem Betriebs- und Privatvermögen

Für alle Verbindlichkeiten und Schulden, die in der GbR entstehen, haften die Gesellschafter sowohl mit dem Betriebs- als auch mit dem Privatvermögen. In Verträgen mit Dritten kann zwar eine Haftungsbeschränkung vereinbart werden, allein durch eine interne Vereinbarung zwischen den Gesellschaftern jedoch nicht.

Steuern, die bei einer GbR anfallen

Jede GbR führt für Lieferungen und Leistungen, die sie in Anspruch nimmt, Umsatzsteuern ab. Diese beträgt je nach Art der Lieferung oder Leistung 19 oder 7 Prozent.

Wenn Sie mit Ihrer GbR ein Gewerbe betreiben, dann zahlt Ihr Betrieb Gewerbesteuer. Bei Freiberuflern fällt diese naturgemäß nicht an. Stattdessen sind hier die jeweiligen Gesellschafter einkommensteuerpflichtig. In diesem Fall ist es nicht das Unternehmen, das die Einkommensteuer oder abgibt, sondern die Gesellschafter müssen jeweils ihren Anteil des Gewinns versteuern.

Innere Organisation einer GbR

Für eine GbR sind grundsätzlich keine besonderen Gesellschaftsorgane nötig. Jeder Gesellschafter kann die Geschäfte führen und das Unternehmen nach Außen vertreten. Allerdings können die Gesellschafter im Gesellschaftsvertrag regeln, wer welche Kompetenzen erhält.

Keine aufwendige Buchführung nötig

Die Buchführung einer GbR ist vergleichsweise einfach, denn es ist lediglich die Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) verpflichtend. Dabei werden die Betriebseinnahmen den Ausgaben gegenübergestellt. Wenn die GbR Mitarbeiter beschäftigt, fällt zudem die Lohnbuchhaltung an. Außerdem kann eine GbR auch freiwillig eine Bilanz aufstellen.

Freie Wahl der Unternehmensbezeichnung

Grundsätzlich kann der Name einer GbR frei gewählt werden, so lange der Name nicht irreführend ist und Unterscheidungskraft besitzt. Die GbR kann also einen Namen tragen, der Hinweise auf die Branche oder Tätigkeit gibt. Ein reiner Phantasiename ist aber auch erlaubt. Dass der Name der GbR die Namen der Gesellschafter enthält, ist üblich – aber kein gesetzlich vorgeschriebenes Muss. Wo Vor- und Nachnamen der Gesellschafter, der Sitz der GbR sowie die Bezeichnung „GbR“ niemals fehlen dürfen ist jedoch die Geschäftskorrespondenz, also Briefe, das Impressum auf der Webseite oder Rechnungen.

Wofür eignet sich die Rechtsform GbR?

Die GbR ist eine geeignete Rechtsform für unkomplizierte gemeinsame Geschäftsvorhaben. Häufig gründen sich Kleingewerbe, Praxisgemeinschaften und Büros freier Berufe wie Anwälte, Ärzte oder Architekten als GbR. Typisch für die GbR ist das persönliche Verhältnis und das Vertrauen der Gesellschafter zueinander. Oft gibt es eine starke Bindung zwischen den Gesellschaftern als Personen und der Geschäftstätigkeit.

Die GbR eignet sich außerdem besonders für kurz- oder mittelfristige Geschäftsvorhaben mit gleichberechtigten Partnern. Auch wachstumsorientierte Gründungen geben sich in der erweiterten Vorgründungsphase vor der Umwandlung in eine GmbH oder eine kleine AG nicht selten die Rechtsform der GbR.

Vorteile der GbR – unbürokratisch und flexibel

Für die Gründung der GbR braucht man nicht zwingend Stammkapital und es gibt wenig Formalia bei der Gründung. Bei Banken wird die GbR oft als besonders kreditwürdig angesehen, da die Rechtsform eng an einzelne Personen und deren persönliche Haftung geknüpft ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass die GbR recht flexibel ist, die Kompetenzen der Gesellschafter können je nach Bedarf im Gesellschaftsvertrag festgelegt werden.

Nachteil der GbR – hohes Haftungsrisiko

Eines der größten Risiken der GbR ist, dass die Gesellschafter neben dem Betriebsvermögen mit ihrem Privatvermögen haften. Für Fehler, die der Co-Gesellschafter macht, müssen die anderen gegebenenfalls in vollem Umfang mit haften. Bei einer Spielart der Offenen Handelsgesellschaft (OHG), der Kommanditgesellschaft (KG) dagegen kann die Haftung auf einen Teil der Gesellschafter, auf die sogenannten Komplementäre beschränkt werden. Wenn das Geschäftsvolumen groß ist oder Sie Kapital einwerben wollen, dann bietet sich alternativ zur GbR die Rechtsformen GmbH an oder kleine AG an.

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Rechtsformen für Unternehmen |  unternehmenswelt.de
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Je nach Rechtsform, in der Sie Ihr Unternehmen gründen, unterscheiden sich Gründungskosten, Anmeldeformalitäten, Mindestkapital, Haftung, Besteuerung, innere Organisation, Buchführung und Kapitalbeschaffung
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