OHG – Offene Handelsgesellschaft

Die Rechtsform offene Handelsgesellschaft (OHG) zählt zu den Personengesellschaften. Mindestens zwei natürliche oder juristische Personen können zusammen eine OHG gründen. Ihr Zweck ist ein Handelsgewerbe und sie muss ins Handelsregister eingetragen werden. Häufig wandeln sich gewerbliche GbR zu einer OHG um, wenn der Geschäftsumfang zunimmt.

Einige Anmeldeformalitäten

Obwohl nicht verpflichtend, empfiehlt es sich, zur Gründung einer OHG einen Gesellschaftsvertrag zu schließen. In ihm regeln die Gesellschafter, die einzelne Kaufleute oder Gesellschaften sein können, alle wichtigen Fragen wie beispielsweise den Zweck der OHG, die Art der Geschäftsführung und Vertretung, die Gewinn- und Verlustverteilung, die Art der Übertragung von Gesellschaftsanteilen, die Bedingungen beim Ausscheiden von einzelnen Gesellschaftern sowie Bedingungen zur Auflösung der OHG.

Vom Notar muss ein OHG-Gesellschaftsvertrag nur beglaubigt werden, wenn Gesellschafter Grundstücke in die OHG einbringen. Spätestens für die verpflichtende Eintragung der OHG ins Handelsregister ist ein Notar allerdings notwendig.

Da nur Gewerbetreibende und keine Freiberufler die Rechtsform OHG wählen können, ist eine Anmeldung beim örtlichen Gewerbeamt in jedem Fall notwendig. In der Regel informieren die Gewerbeämter das Finanzamt und die Industrie- und Handelskammer (IHK) bzw. Handwerkskammer (HWK), die sich dann automatisch bei den Gesellschaftern melden.

Kein Mindestkapital, überschaubare Gründungskosten

Wer eine OHG gründet, muss kein Mindestkapital in die Gesellschaft einbringen. Dennoch sind als Geschäftsgrundlage Bar- oder Sacheinlagen in die OHG möglich, die im Gesellschaftsvertrag festgehalten werden sollten.

Wenn Sie sich entscheiden, einen Gesellschaftsvertrag abzuschließen, sollten Sie den auch auf Ihre OHG zuschneiden. Dafür können Beratungskosten für einen Anwalt oder Steuerberater anfallen.

Außerdem sind für die Gewerbeanmeldung und den Eintrag ins Handelsregister Gebühren zu zahlen. Insgesamt sollten Sie für die Gründungskosten einen mittleren dreistelligen Betrag einplanen.

OHG-Gesellschafter haften mit Betriebs- und Privatvermögen

Wie bei der GbR haften für alle Verbindlichkeiten und Schulden, die in der OHG entstehen, die Gesellschafter uneingeschränkt. Und zwar sowohl mit dem Betriebs- als auch mit dem Privatvermögen.

Diese uneingeschränkte Haftung ist einerseits der Grund dafür, dass die OHG als Rechtsform bei Banken als kreditwürdig angesehen wird. Andererseits rührt hierher auch die abnehmende Beliebtheit bei Gründern, die nicht selten auf haftungsbeschränkte Unternehmensformen wie die GmbH oder die Unternehmergesellschaft (UG) ausweichen.

Steuern: Zwischen OHG und Gesellschaftern aufgeteilt

Jede OHG führt für Lieferungen und Leistungen, die sie in Anspruch nimmt, Umsatzsteuern ab. Diese beträgt je nach Art der Lieferung oder Leistung 19 oder 7 Prozent. Da nur Gewerbebetriebe OHG sein können, fällt auch die Gewerbesteuer an. Falls es Angestellte gibt, zahlt die Gesellschaft Lohnsteuer.

Auf ihre jeweiligen Gewinnanteile entrichten die Gesellschafter einzeln Einkommensteuer.

Innere Organisation und äußere Vertretung der OHG

Wie die GbR verfügt die OHG über keine besonderen Organe. Die Gesellschafter sind grundsätzlich befugt, die Geschäfte der OHG zu führen und in ihrem Namen zu handeln. Allerdings können im Gesellschaftsvertrag Regelungen getroffen werden, die davon abweichen und beispielsweise einzelne Gesellschafter von der Vertretungsbefugnis ausschließen. Außerdem kann ein Prokurist bestellt werden, der die OHG nach Außen vertreten darf.

Über das Gesellschaftsvermögen können die Gesellschafter nur gemeinsam verfügen.

Kaufmännische Buchführung ist ein Muss

Als kaufmännisches Unternehmen ist die OHG zur doppelten Buchführung verpflichtet. Dazu gehört sowohl der Jahresabschluss als auch eine Gewinn- und Verlustrechnung.

Name der OHG

Die OHG tritt unter einer Firma im Geschäftsverkehr auf und wird unter diesem Namen auch ins Handelsregister eingetragen. Diese Bezeichnung kann Personennamen, den Unternehmensgegenstand oder auch einen Phantasienamen enthalten. Gründer können auch Kombinationen dieser Elemente wählen.

Der Zusatz OHG ist in jedem Fall erforderlich. Wichtig ist außerdem, dass die Firma eindeutig und nicht irreführend ist. Außerdem muss bei der Namensgebung eine Verwechslungen mit anderen Firmen vermieden werden.

Vorteile der OHG – Handelsregistereintrag, Kreditwürdigkeit, kein Mindestkapital

Da Banken, Lieferanten und Verbände teilweise einen Handelsregistereintrag fordern, ist die OHG gegenüber der GbR vorteilhaft. Darüber hinaus wird die OHG von Banken oft als besonders kreditwürdig eingestuft, weil die Gesellschafter persönlich und uneingeschränkt für etwaige Forderungen haften. Vorteilhaft ist außerdem, dass zum Gründen kein Mindestkapital notwendig ist und die OHG recht flexibel geführt werden kann.

Nachteile der OHG – persönliche Haftung, starke Bindung an Personen, aufwendige Buchführung

Einige Nachteile haben die GbR und die OHG gemeinsam. Dass die Gesellschafter persönlich haften, schreckt Gründer zum Teil von dieser Rechtsform ab. Wie die GbR ist auch die OHG stark an Personen gebunden, so dass ein hohes Maß an Vertrauen zwischen ihnen herrschen muss. Denn schließlich können die Gesellschafter die OHG jeweils einzeln vertreten. Falls es Streitigkeiten zwischen ihnen gibt, ist schnell auch die Gesellschaft an sich gefährdet. Im Unterschied zur GbR ist außerdem die Buchführung einer OHG aufwendiger.

Für wen ist die OHG geeignet

Für mehrere Kaufleute, die zusammen einen kleinen oder mittelständischen Betrieb gründen, der auf Dauer angelegt ist und keine hohen Haftungsrisiken birgt, ist die OHG eine geeignete Rechtsform. Freiberufler können keine OHG gründen.

Oft entstehen OHG aus GbR, wenn ein bestimmter Umsatz überschritten wird und die GbR nicht mehr als Kleingewerbe gelten kann. In diesem Fall geschieht der Wechsel der Gesellschaftsform sogar automatisch und es folgt der verpflichtende Eintrag ins Handelsregister.

Für Gründungen ist die OHG eher untypisch. 2016 wählten nur 0,3 Prozent der Existenzgründer die Rechtsform OHG für ihr Unternehmen. Offenbar ist für gewerbliche Gründungen mit wenig Kapital die UG oder GmbH mit ihrer Haftungsbeschränkung attraktiver.

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Je nach Rechtsform, in der Sie Ihr Unternehmen gründen, unterscheiden sich Gründungskosten, Anmeldeformalitäten, Mindestkapital, Haftung, Besteuerung, innere Organisation, Buchführung und Kapitalbeschaffung
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