06.12.2019

Rechtsformen im Kleingewerbe

Ihr unkomplizierter Weg in die Selbständigkeit als Einzelunternehmer oder Gründungsteam

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Für Gründer im Nebenerwerb oder mit wenig Eigenkapital ist eine Gründung als Kleingewerbe ein unkomplizierter Start in die Selbständigkeit mit attraktiven Vorteilen von vereinfachten Buchführungspflichten, Freibeträgen bei der Gewerbesteuer bis hin zur möglichen Nutzung der Kleinunternehmerregelung. Wir geben Ihnen einen Überblick möglicher Rechtsformen im Kleingewerbe.

Erfolgreich Gründen im Team

Was ist ein Kleingewerbe?

§ 1 Abs. 2 HGB spricht von einem Kleingewerbe, wenn „das Unternehmen nach Art und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert”.

Diese allgemeine Formulierung bedeutet im Kern, dass sowohl Einzelunternehmer als auch partnerschaftlich agierende Gründerteams, sofern sie als “natürliche Personen” im Zusammenschluss einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) kooperieren, nicht unter das Handelsrecht gefasst werden. Sie müssen Ihr Unternehmen also nicht ins Handelsregister eintragen lassen und auch die Gewerbeanmeldung ergeht in der Regel positiv und augenblicklich beim Erstbesuch des zuständigen Gewerbeamts. Je nachdem in welcher Branche Sie gründen, können jedoch Auflagen an Ihre selbständige Tätigkeit geknüpft sein. Erkundigen Sie sich hierfür im Vorfeld bei Ihrer örtlichen Industrie- und Handelskammer über persönliche und fachliche Befähigungen, die Sie vorweisen müssen. Wollen Sie in einem Meisterberuf gründen, gelten ebenfalls ab 2020 veränderte Bedingungen, die Sie beachten sollten.

Die Vorteile eines Kleingewerbes im Überblick:

  1. einfache Buchführung durch EÜR
  2. keine Bilanzierung erforderlich
  3. keine Inventur erforderlich
  4. keine Jahresabgrenzungen von Forderungen und Verbindlichkeiten
  5. keine Veröffentlichung des Jahresabschlusses

Eine Einschränkung, die Kleingewerbetreibende bei der Gründung hinnehmen müssen, liegt in ihrer “natürlichen Person” begründet. Das bedeutet, dass Sie im Geschäftsalltag statt einer Firmenbezeichnung Ihren Namen führen müssen. Spielraum bietet der Gesetzgeber, indem er sogenannte “Geschäftsbezeichnungen“ oder „Etablissementsbezeichnungen“ ergänzend zum vollen Namen erlaubt. Dies können z.B. Branchenbezeichnungen sein, aber auch Fantasienamen sind erlaubt,

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Kleingewerbe vs. Kleinunternehmer: Der kleine Unterschied

Die Begriffe “Kleingewerbe” und “Kleinunternehmer” bezeichnen nicht wie häufig verwechselt den gleichen Sachverhalt. Kleingewerbetreibende sind maßgeblich aufgrund eines eingeschränkten Geschäftsumfangs definiert. Kleingewerbetreibende sind keine Kaufleute im Sinne des HGB. Sie unterliegen nicht den Bestimmungen des Handelsgesetzbuches oder anderen kaufmännischen Sondervorschriften. Kleingewerbetreibende zählen auch nicht zu den Freiberuflern.

Kleinunternehmer hingegen können sowohl Gewerbetreibende, als auch Selbstständige und Freiberufler sein. Lediglich ihr Umsatz entscheidet, ob Sie als Kleinunternehmer zählen und damit von der Umsatzsteuer befreit sind.

Eine begriffliche Übereinstimmung liegt nur dann vor, wenn beide Bedingungen erfüllt sind - eingeschränkter Geschäftsumfang und die Einhaltung der Umsatzbemessungsgrenze von aktuell 17.500 EUR im Vorjahr und voraussichtlich nicht mehr als 50.000 EUR im Folgejahr. (Hinweis: Ab 1. Januar 2020 wird der Freibetrag erhöht auf dann 22.000 EUR im Vorjahr bei gleichbleibend geltend 50.000 EUR Umsatz im Folgejahr.)

Mehr Informationen zur Kleinunternehmerregelung

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Kleingewerbe vs. Freiberufler: In diesen Fällen zahlen Sie keine Gewerbesteuer

Bedenken Sie vor der Gründung, ob Sie zu einem der Freien Berufe oder der Ähnlichen Berufe zählen. Selbständige Ärzte, Rechtsanwälte, Journalisten, Hebammen, Informatiker oder Yogalehrer u.a. müssen kein Gewerbe anmelden und auch keine Gewerbesteuer zahlen. Außerdem sind sie von der kaufmännischen Buchführungspflicht entbunden. Neben den Katalogberufen und der Liste der Ähnlichen Berufe, benennen § 6 Gewerbeordnung und § 18 Einkommensteuergesetz die freiberuflichen Tätigkeiten.

Bin ich Gewerbetreibender oder Freiberufler?

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Rechtsformen im Kleingewerbe: Anmeldung, Steuern und Haftung

Je nachdem, ob Sie einzeln oder im Team gründen, empfehlen sich unterschiedliche Rechtsformen:

1. Gründung als Einzelunternehmer

Wenn Sie als Sologründer nichts anderes explizit festlegen, starten Sie Ihre Selbständigkeit automatisch als Einzelunternehmer. Hierfür reicht die Gewerbeanmeldung aus. Ein Eintrag ins Handelsregister ist nicht erforderlich, ebenso wenig das Vorhandensein von Gründungskapital. Zu beachten ist die enge Verknüpfung Ihrer Person mit Ihrem Unternehmen. Für sämtliche Verpflichtungen, die Sie als Einzelunternehmer eingehen sowie für Schäden, die Sie im Rahmen Ihrer Geschäftstätigkeit u.U. verursachen, haften Sie uneingeschränkt mit Ihrem gesamten Privatvermögen. Diesen Faktor können Sie umgehen, allerdings nicht ohne Preis. Es gilt prinzipiell: Entweder Haftungsfreiheit mit genügend Startkapital oder volle Haftung ohne Kapitaleinlage.

Als Einzelunternehmer können Sie alternativ auch die Unternehmergesellschaft (UG) gründen. Hier sind Sie von einer persönlichen Haftung befreit und können schon mit 1 EUR Startkapital gründen. Allerdings müssen Sie nach der Gründung Rücklagen in Höhe von mindestens 25 % des Jahresüberschusses bilden und zwar solange bis das Mindeststammkapital von 25.000 EUR erreicht ist. Nachteil dieser alternativen Rechtsform: Die UG zählt zum Handelsgewerbe, muss ins Handelsregister eingetragen werden und eine doppelte Buchführung leisten. 

2. Gründung im Team

Wollen Sie gemeinsam im Team gründen, dann ist bei einem Zusammenschluss natürlicher Personen die analoge Rechtsform zum Einzelunternehmer die der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Alle Teilhaber einer GbR haften ebenfalls mit ihrem gesamten Privatvermögen und zwar insgesamt und füreinander, ganz gleich, ob Sie einen Fehler verursacht haben oder Ihr Partner. Die GbR muss nicht ins Handelsregister eingetragen werden und erfordert kein Mindestkapital. Es ist vom Gesetzgeber zwar nicht vorgeschrieben, die Abfassung eines Gesellschaftsvertrags ist für die Gründung einer GbR dennoch angeraten. Sollten Sie dies nicht tun, finden die im Bürgerlichen Gesetzbuch ab § 705 ff. gefassten Bestimmungen zum Gesellschaftsvertrag ihre Anwendung.

Alternativ ist die GmbH die haftungsbeschränkte, aber gleichzeitig kostenintensive Alternative bei ebenfalls doppelter Buchführungspflicht.

Wenn Sie - einzeln oder im Team - als Kleingewerbetreibende einen Jahresumsatz von aktuell weniger als 17.500 EUR erwirtschaften (ab 1. Januar 2020 22.000 EUR) fallen Sie unter die Kleinunternehmerregelung und müssen keine Umsatzsteuer, Gewerbesteuer oder andere Unternehmenssteuern zahlen. Ihre Abgaben zur Einkommensteuer werden regulär gemäß § 15 EStG Einkommensteuer abgeführt.

Wenn Sie zu Beginn Ihrer Geschäftstätigkeit auf Regelbesteuerung optieren oder die Kleinunternehmergrenze überschreiten, müssen Sie im Jahr Ihrer Gründung eine monatliche Umsatzsteuervoranmeldung leisten und einmal im Jahr eine Umsatzsteuererklärung abgeben. Die Umsatzsteuer muss dann auch auf Ihren Rechnungen ausgewiesen sein.

Weitere steuerliche Pflichten treten ein, sobald Ihr jährlicher Gewinn über dem Freibetrag von 24.500 EUR liegt. Dann sind Sie außerdem zur Zahlung der Gewerbesteuer verpflichtet.

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Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.

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