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02.07.2014

Selbstständigkeit im Handwerk: Das Meister-Bafög wird immer beliebter.

Der Meistertitel ist für eine Existenzgründung im Handwerk oft unerlässlich. Neben hohem zeitlichem Aufwand ist eine Qualifikation zum Meister auch mit hohen Kosten verbunden. Um den Weg in die Selbstständigkeit zu unterstützen gibt es das Förderinstrument des "Meister-Bafögs". Die aktuellen Zahlen zeigen für das Jahr 2013 eine zunehmende Beliebtheit des Fördermittels.

Wer sich im Handwerk selbstständig machen möchte, kommt um einen Meistertitel oft nicht herum. Neben einem hohen zeitlichen Aufwand, können hier auch die Kosten der Meisterausbildung eine Hemmschwelle zur Existenzgründung darstellen. Um die gründungswilligen Handwerker zu fördern, aber auch um berufliche Qualifikationen in Industrie- und Handelsberufen zu ermöglichen, gibt es die staatliche Förderung durch das "Meister-Bafög". Im Jahr 2013 wurden insgesamt 171.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Fortbildungen zur Meisterqualifikation durch das Meister-Bafög unterstützt. Die Zahl der Geförderten stieg damit um 1,8% gegenüber dem Jahr 2012. Das bedeutet nunmehr den sechsten Anstieg in Folge.

Seit 1996 existiert das Förderprogramm mit der Zielsetzung potentiellen Existenzgründern einen Anreiz zu bieten, nach erfolgreichem Abschluss der Fortbildung den Schritt in die Selbstständigkeit im Handwerkzu wagen und Arbeitsplätze zu schaffen. Darüber hinaus soll die Fortbildungsmotivation des Fachkräftenachwuchses gestärkt werden. Gefördert werden durch das Meister-Bafög sowohl Vollzeit- wie auch Teilzeit­maßnahmen zur Fortbildung. Die Förderung kann dabei sowohl in Zuschüssen als auch in optionalen Darlehensanteilen bestehen, die zinsgünstig zurückgezahlt werden können. Die Fördermittel erstrecken sich dabei sowohl auf Prüfungs- und Lehrgangsgebühren als auch auf Beiträge zum Lebensunterhalt. Geregelt ist das Meister-Bafög durch das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) Das Gesetz regelt einen individuellen Rechtsanspruch auf Förderung von beruflichen Aufstiegsfortbildungen, das heisst von Meisterkursen oder anderen auf einen vergleichbaren Fortbildungsabschluss vorbereitenden Lehrgängen.

Aus den Zahlen des statistischen Bundesamtes geht nun hervor, dass sich das Förderinstrument immer größerer Beliebtheit erfreut. Die Förderzusagen umfassten im Jahr 2013 rund 576 Millionen Euro. Das sind 5,5 Prozent mehr als im Jahr 2012. Von den Förderleistungen entfielen dabei rund 390 Millionen Euro auf Darlehen und 186 Millionen Euro auf Zuschüsse. Die Geförderten erhielten Zuschüsse zur Finanzierung der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren (81 Millionen Euro), für den Lebensunterhalt (96 Millionen Euro), für den Kindererhöhungsbetrag (7 Millionen Euro) und zur Kinderbetreuung (knapp 1 Million Euro). Dabei haben sich 58% der Geförderten in Teilzeit und 42% in Vollzeit fortgebildet.

Der Anteil der Fortbildungsmaßnahmen im Handwerksbereich, wo der Anteil derer, die eine Existenzgründung anstreben, besonders hoch ist, beträgt dabei 28%. Maßnahmen in Industrie und Handel kommen zusammen auf einen Anteil von 50%. Positiv ist auch der hohe Anteil junger Geförderter. Mit 34% stellen Personen zwischen 20 und 25 Jahren den größten Anteil. Ein weiterer positiver Trend ist der Anstieg der Zahl der geförderten Frauen. Er betrug 2013 ca. 54.000, was im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme um 0.7% darstellt. Ob sich die anhaltend positive Tendenz auch auf das Gründungsgeschehen in Deutschland positiv auswirken wird, bleibt abzuwarten. Wenn sich aus den steigenden Zahlen bei der Inanspruchnahme des Meister-Bafögs, auf eine positive Tendenz bei den Gründungen im Handwerk schließen lässt, ist jedoch auf eine weiterhin steigende Anzahl von Handwerksbetrieben in Deutschland zu hoffen.

Über den Autor

Stephan Leistner