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15.01.2020

So eröffnen Sie gut vorbereitet ein Franchise in der Schweiz

Attraktive steuerliche Bedingungen und eine hohe Lebensqualität sprechen für die Schweiz als Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Der Franchisemarkt bietet interessierten Gründern sowie Unternehmen mit Expansionswunsch lukrative Einstiegsmöglichkeiten. Wir zeigen, welche Besonderheiten für eine Franchisegründung in der Schweiz gelten und geben einen Überblick relevanter Anlaufstellen.

Schweizer Eidgenossenschaft

Der Schweizer Wirtschaftsraum in Zahlen und Fakten

  1. In der Schweiz lebten 2019 8,57 Millionen Einwohner. Der Ausländeranteil unter ihnen ist mit mehr als 25% einer der höchsten innerhalb Europas. 
  2. Die Lebenserwartung in der Schweiz ist eine der höchsten der Welt. Im Jahr 2018 galt für Männer eine Lebenserwartung von 81,7 Jahren sowie für Frauen eine Lebenserwartung von 85,4 Jahren.
  3. Die Schweiz besteht aus sieben Großregionen mit einer jeweils in unterschiedlicher Zahl unterstellten Kantonen. 
  4. Die schweizerische Eidgenossenschaft hat gemäß ihrer Verfassung vier Landessprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Als Amtssprachen gelten grundsätzlich Deutsch, Französisch und Italienisch. Für Personen, deren Muttersprache Rätoromanisch ist, gilt diese jedoch ebenfalls als Amtssprache.
  5. Die Schweizer Währung ist der Schweizer Franken, der in 100 Rappen unterteilt ist.
  6. Die Steuerbelastungen natürlicher und juristischer Personen in der Schweiz zählen zu den niedrigsten innerhalb Europas. Direkte Steuern  (Einkommenssteuer, Gewinnsteuer von Unternehmen) variieren je nach Kanton und Gemeinden.
  7. Die Schweiz hat den niedrigsten Mehrwertsteuersatz in Europa. 8% werden mehrheitlich auf Güter und Dienstleistungen erhoben, für Beherbergungsdienstleistungen ist der MwSt.-Satz auf 3,8% festgelegt, für alltägliche Güter auf 2,5%.
  8. Der Dienstleistungssektor hat mit rund 74% den größten Anteil am BIP der Schweiz. Die Industrie kommt auf ca. 25%, die übrigen 1% entfallen auf die Landwirtschaft.
  9. Die große Mehrheit der Schweizer Firmen (über 99%) sind kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern.
  10. In der Geschäftsführung kleiner und mittlerer Schweizer Familienunternehmen sind sehr häufig ausländische Fach- und Führungskräfte tätig. 

Franchise eröffnen in der Schweiz: Besonderheiten, Chancen und Risiken

Franchising ist eine beliebte Form der Selbständigkeit und bietet im Vergleich zur Gründung mit eigenem Konzept zahlreiche Vorteile für den Franchisenehmer. Vor einem Eintritt in den Schweizer Franchisemarkt sollten interessierte Franchisenehmer und Franchisegeber jedoch einige Besonderheiten und Vor Ort-Gegebenheiten berücksichtigen:

Besonderheiten, Chancen und Risiken für Franchisenehmer in der Schweiz

  1. Im Bewusstsein der Schweizer Gesellschaft sind die Vorteile von Franchising als kostengünstigere und risikoärmere Gründung und Expansion noch nicht sehr stark verankert. Unter interessierten Gründern gilt eine Selbständigkeit als Franchisenehmer weniger als ernstzunehmende Karrieremöglichkeit. Dies kann für Franchisenehmer aus dem angrenzenden D-A-CH-Raum wiederum von Vorteil sein, denn Unternehmen, die in die Schweiz als Franchise oder Lizenzsystem expandieren wollen, haben Probleme geeignete Partner zu finden.
  2. Kehrseite der Medaille: Das fehlende positive Image von Franchising sowohl in Gesellschaft, als auch Wirtschaft und Politik kann Franchisenehmer in der Gründungsfinanzierung vor besondere Härten stellen.
  3. Im Zuge der Gründung müssen Sie je nach Konzept außerdem immer bedenken, dass Sie bereits in Ihrem Businessplan unter Markt und Wettbewerb Besonderheiten der Standortwahl adressieren. Nur knapp mehr als 8 Millionen Menschen leben in der Schweiz in mehrheitlich mittelgroßen bis kleinen Städten oder in zersiedelter Gemeindenstruktur. Die größte und finanzstärkste Stadt ist Zürich mit gerade einmal knapp über 415.000 Einwohnern. In der Schweizer Bundesstadt Bern sind es nicht einmal 134.000 Einwohner (laut Statista im Jahr 2018 konkret 133.883 Einwohner). Wenn Sie also an Ihrem Standort auf ein großes Einzugsgebiet angewiesen sind, kann Sie das vor besondere Schwierigkeiten stellen.

Besonderheiten, Chancen und Risiken für Franchisegeber in der Schweiz

  1. Die Schweiz ist ein attraktiver Wirtschafts- und Lebensraum, der gemessen an seiner Struktur und Gegebenheiten besonders geeignet ist für Franchise-Systeme aus der Dienstleitungsbranche, dem Handel oder in Tourismus affinen Geschäftsfeldern wie der Gastronomie, Freizeit & Events oder Fitness und Beauty.
  2. Besonders beachten müssen ausländische Unternehmen, dass Ihr Franchisekonzept der praktizierten Mehrsprachigkeit in der Schweiz gerecht wird. Die kulturelle und sprachliche Vielfalt in den einzelnen Regionen und Kantonen sowie deren im Alltag teils fließender Übergang wird Anpassungen Ihres Konzeptes erfordern, um etablierten Ansprüchen gerecht zu werden und eine maximale Ertragskapazität zu gewährleisten.
  3. Wie bereits erwähnt findet Franchising als Form der Selbständigkeit unter den Schweizern bei weitem nicht die  gleiche positive Resonanz wie z.B. in Deutschland. Das kann bei der Suche nach geeigneten Franchisenehmern vor Ort zu Schwierigkeiten führen bzw. erfordert Ihrerseits verstärkte Aufklärungsarbeit in Form eines proaktiven Marketings. Nutzen Sie außerdem das Netzwerk ansässiger Interessengemeinschaften mit Beratungsmöglichkeiten durch auf den Themenkomplex Franchising spezialisierte Fachanwälte.

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Erste Anlaufstellen für Franchisenehmer und Franchisegeber

Sowohl interessierte Gründer, die ein Franchise in der Schweiz eröffnen wollen, als auch Unternehmen, die als Franchisgeber in die Schweiz expandieren wollen, erhalten beim Schweizer Franchiseverband Informationen zu besonderen Vorort-Gegebenheiten sowie Kontakt zur jeweiligen Zielgruppe. Der Verband sitzt in Zürich und vertritt beide Interessengruppen - Franchisenehmer und Franchisegeber. Hier können Sie außerdem vorab unverbindlich einen Test "Fit to buy" ( für Franchisenehmer) bzw. den Test "Fit to sell" (für Franchisegeber) absolvieren, der Sie mit wesentlichen Elementen und Anforderungen einer Franchisepartnerschaft konfrontiert und Ihre Bereitschaft/Vermögen testet, mit diesen erfolgreich umzugehen.

Interessierte Franchisegeber können nach Entschluss für eine Mitgliedschaft gegen Zahlung einer gestaffelten Jahresgebühr weitere individuelle Leistungen nutzen und sich mit den Verbandsmitgliedern vernetzen. Frei zugänglich finden Sie außerdem eine Liste relevanter Rechtsanwälte und Berater mit Arbeitsschwerpunkt Franchising, die Sie vor Ort konsultieren können.

Interessierte Franchisenehmer erhalten darüber hinaus im Schweizer Format von FranchisePortal einen guten ersten Überblick zu etablierten Franchise Systemen am Schweizer Markt.

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Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.