04.09.2014

Crowdfunding hebt ab: eine Plattform für Fluglinien

Über die Plattform Ablrate betreiben regionale Fluglinien Crowdfunding für Flugzeuge.

Crowdfunding als alternative Finanzierungsform findet in immer mehr Geschäftsfeldern Eingang. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Mikroinvestments für künstlerische Projekte oder um Anfangsfinanzierungen für Startups. Das Beispiel der britischen Plattform Ablrate, über die Flugzeuge für regionale Flugunternehmen finanziert werden, zeigt das immer größere Spektrum der Möglichkeiten.

Mit den teils spektakulären Finanzierungserfolgen, die durch Crowdfunding-Kampagnen in den letzten Monaten zustande kamen, scheint die alternative Finanzierungsmethode auch für Geschäftsbereiche attraktiv zu werden, die sowohl was den Umfang der Finanzierungen als die angesprochene Zielgruppe betrifft, bis vor kurzem für Crowdfunding noch nicht in Betracht kamen. Dass Fluggesellschaften den Erwerb ihrer Maschinen über Crowdfunding teilfinanzieren könnten, ist da sicher schon einigermaßen spektakulär, doch, damit nicht genug, gibt es dafür mit Ablrate sogar eine eigene Plattform.

Der Bedarf für eine solche Crowdfunding-Plattform ergibt sich aus den Schwierigkeiten regionaler Flugunternehmen, den Kauf von Flugzeugen zu finanzieren. Banken stellen großen Fluggesellschaften zwar bereitwillig Finanzierungen zur Verfügung, kleine Flugzeuge, wie sie von regionalen Unternehmen eingesetzt werden finden oft weder Kredite noch Investoren. Deshalb biete sich hier ein idealer Markt für Crowdfunding, so die Betreiber von Ablrate

Initiator von Ablrate ist David Bradley-Ward, ein britischer Flugzeug-Konstrukteur, der eine Leasingfirma für Flugzeuge betreibt. 2013 war es ihm einmal nicht gelungen, die Finanzierung für den Kauf eines Flugzeugs über Banken zu erhalten. Für ihn der Anlass über Alternativen nachzudenken, was ihn ziemlich schnell dazu führte, es mit equity-based Crowdfunding zu probieren. Für die erste Kampagne zum Kauf einer Propellermaschine mit 50 Sitzplätzen für die staatliche kolumbianische Fluglinie SATERA wurde ein Fundinglimit von 100.000 Pfund (etwa 125.000 Euro) gesetzt, das am 03.September erreicht war.

An der Kampagne beteiligten sich 37 Investoren. Diese relativ geringe Zahl zeigt, im Rückschluss auf die sich daraus ergebenen hohen Einzelsummen der Investments, dass sich das Angebot von Ablrate eher an Geschäftskunden richtet, an Finanzinstitute, Investmentfirmen und vermögende Privatpersonen. Die Investoren stellen ihr Kapital für das Crowdfunding in Form eines mit 10% verzinsten Krediteszur Verfügung, der vom Initiator der Kampagne zurückzuzahlen ist. Die Plattform finanziert sich durch Gebühren, die auf die Vermittlung des Kredites erhoben werden.

Das über Crowdfunding eingesammelte Kapital soll in erster Linie dazu dienen, die Eigenkapitalbasis der Flugesellschaften zu stärken, damit die Ausgangsbasis für Bankkredite verbessert wird, über die man die volle Kaufsumme der Flugzeuge finanziert. Equity-based Crowdfunding ist von Ablrate also als Teil eines Mezzanine-Kapital-Konzeptes gedacht, bei dem die Kreditnehmer auch auf andere Wege der Finanzierung zurückgreifen. So wird ein Teil der Finanzierungssumme von Investoren abgesichert, bei der ersten Kampagne geschah das zum Beispiel durch die britische Leasing Firma Phoenix Aircraft Investments. So kamen von den als Fundingschwelle gesetzten 100.000 Pfund lediglich 34.000 Pfund durch Investoren über die Plattform zustande.

Für die Zukunft ist unklar, welche Rolle Crowdfunding in der Flugzeugbranche spielen wird und ob bei einem Erfolg des Projektes sogar eine Ausweitung über den Nischenmarkt der regionalen Fluggesellschaften hinaus möglich ist. Unabhängig davon zeugt das Konzept von einer immer weiter fortschreitenden Professionalisierung und Spezialisierung der alternativen Finanzierungsmethode. Längst schon geht es beim Crowdfunding nicht mehr nur um Mikroinvestitionen durch eine Crowd von technikbegeisterten Laien.

Über den Autor

Stephan Leistner

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