30.09.2021

Immobilien: Blase oder Chance

Die Preise für Häuser und Eigentumswohnungen, ebenso die für Bauleistungen, wie auch die Fördermittel zum energetischen Sanieren von Gebäuden sind auf ein Rekordhoch geklettert. Dabei ist es egal ob Metropole oder ländliche Region. Die Chancen im Bereich der Bau- und Immobilienwirtschaft sind riesig. Auch wenn es ein paar Hindernisse gibt.

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Immobilien: Blase oder Chance

Immobilienpreise steigen im ersten Halbjahr über 10 Prozent

Die Preise für Wohnimmobilien sind im Frühjahr dieses Jahres nochmals stark gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt lag der sogenannte Häuserpreisindex von April bis Juni um 10,9 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals. Damit war es der stärkste Anstieg seit dem Beginn der Erfassung im Jahr 2000.

In Metropolregionen verteuerten sich die Wohnimmobilien besonders stark. In folgenden Metropolen kosteten Ein- und Zweifamilienhäuser im Schnitt 14,7 Prozent mehr als noch im Vorjahresquartal:

  • Berlin
  • Hamburg
  • München
  • Köln
  • Frankfurt
  • Stuttgart
  • Düsseldorf

Eigentumswohnungen stiegen dort um 12,9 Prozent. Dabei sind in den Zahlen die Nebenkosten eines Immobilienkaufs wie etwa die Maklerkosten noch gar nicht enthalten.

Preisanstieg neben Metropolen auch auf dem Land

Aber auch in den ländlichen Regionen zahlten Immobilienkäufer deutlich mehr als im zweiten Quartal des vergangenen Jahres. So verteuerten sich in ländlichen Kreisen Häuser um 11,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und Wohnungen um 9,2 Prozent.

Auch der Preisindex für Bauland hat sich weiter verteuert und liegt mittlerweile über doppelt so hoch als noch im Jahr 2010.

Bundesregierung stockt Förderung von Gebäudesanierung auf

Neben der billigen Geldschwemme durch die Europäische Zentralbank wird das Treiben auf dem Immobilienmarkt auch durch diverse Fördermittel angeheizt.

Als eine ihrer letzten Massnahme stellte die alte Bundesregierung für 2021 nochmal insgesamt 11,5 Milliarden Euro für die energetische Gebäudesanierung zur Verfügung. Der Grund, allein bis Mitte September wurden 10,6 Milliarden Euro Fördergelder bewilligt. Im Gesamtjahr 2021 rechnete das verantwortliche Bundeswirtschaftsministerium mit Bewilligungen von über 15 Milliarden Euro. Eventuell sogar mit bis zu 18 Milliarden Euro.

Zusätzlich stellte die alte Bundesregierung für 2022 noch eine Milliarde Euro für den klimagerechten sozialen Wohnungsbau bereit. Damit sollen energetisch hochwertige Sozialwohnungen neu gebaut oder schon bestehende Sozialwohnungen energetisch saniert werden.

Laut KfW-Reporting haben die Fördermittel zur Gebäudesanierung auch einen gewissen Konjunkturimpuls. So wurden allein durch die Förderung für energieeffizientes Bauen und Sanieren im Jahr 2020 rund 83 Milliarden Euro Investitionen ausgelöst. Davon profitierten natürlich auch Unternehmen, wodurch wohl 900.000 Arbeitsplätze für ein Jahr gesichert werden konnten.

Bauhauptgewerbe mit positiven Zahlen

Die Fördermilliarden spiegeln sich auch in den Ergebniszahlen des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie wieder.

Demnach stieg der baugewerbliche Umsatz im Bauhauptgewerbe um 4,5 Prozent. Da es aufgrund der auslaufenden Mehrwertsteuersenkung bis zum Dezember Vorzieheffekte gab, konnte die Bauwirtschaft allein im letzten Monat 2020 ein Umsatzplus von 20 Prozent erzielen.

Nach einem auch wetterbedingten Umsatzrückgang im ersten Quartal 2021 mit einem Umsatzrückgang von 9,4 Prozent, hat sich die Bauproduktuion ab April wieder stabilisiert. So gab es gegenüber dem Vorjahreszeitraum bis Juli ein nominales Umsatzplus von 2,3 Prozent, welches auch auf die deutliche Erhöhung der Baupreise zurückzuführen ist.

Kräftiger Preisanstieg für Bauleistungen

Der Preis für Leistungen des Bauhauptgewerbes legte nach Angaben des Verbandes im Januar 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,9 Prozent zu. Im Juli diesen Jahres verzeichnete man dann schon einen Preisansteig von 5,9 Prozent. 

Die seit April zu verzeichnenden Baupreissteigerungen werden mit dem starken Anstieg vieler Baumaterialpreise in Verbindung gebracht. So verteuerten sich Produkte aus Holz, Metall oder Kunststoff seit Jahresbeginn deutlich. Erzeugerpreisindizes stiegen sei Januar etwa bei Bauholz um 109 Prozent, bei Betonstahl um 52 Prozent, bei Dämmplatten und Bitumen um gleichsam 34 Prozent.

Auch betreffen die globalen Lieferengpässe die Baubranche. Demnach berichteten 38 Prozent der befragte Bauunternehmen dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München im August 2021 über eine Behinderung der Produktion durch Materialknappheit. Auch wenn dieser Höchstwert vom Juni mit 46 Prozent unterschritten wurde, bremst die Materialknappheit die  Produktion im Bauhauptgewerbe weiter und drückt entsprechend auch auf die Preise.

Auftragslage in der Baubranche weiter positiv

Die Aufträge im Baugewerbe sind im ersten Quartal 2021 laut Verband um nominal 2,6 Prozent gestiegen. Im zweiten Quartal wuchsen die Order auf 6,4 Prozent. So das der Auftragsbestand Ende Juni bei 63,1 Milliarden Euro mit einem Plus von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr lag. Nachfrageseitig ist die baukonjunkturelle Entwicklung damit abgesichert.

Entsprechend entwickelte sich auch die Beschäftigung im Bauhauptgewerbe positiv. Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten verzeichneten von Januar bis Juli eine Zunahme gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 2,8 Prozent. Entsprechend sollten die Unternehmen die prognistizierte, weiter ansteigende Nachfrage abarbeiten können.

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Über den Autor
René Wendler

René Wendler

René hat die letzten 20 Jahre erfolgreich Geschäftsmodelle zur Betreuung von Gründern und Unternehmer aufgebaut. Damals wie heute adressiert er gemeinsam mit seinem Team Solo-Selbstständige und Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern, welche weder die mediale noch politische Aufmerksamkeit haben, obwohl sie 95% aller Unternehmen in Deutschland stellen und 60% aller Arbeitsplätze absichern. Daraus entstanden ist auch unternehmenswelt.de, die mittlerweile größte Anlaufstelle für Gründer und Unternehmer in der D/A/CH Region mit über 500.000 Mitgliedern.

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