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Studie des IfM-Bonn: Gründungsaktivität ausländischer Bürger steigt.

Aus einer neuen Studie des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn geht hervor, dass sich die Anzahl der Gründungen von Ausländern in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht hat. Da der Trend bei den Gründungen von Deutschen in den letzten Jahren eher rückläufig ist, beleben die Ausländer somit das Gründungsgeschehen. Als Grund wird die Zuwanderung aus den neuen Mitgliedsstaaten der EU genannt.

In den letzten Jahren gab es in Deutschland eine negative Entwicklung der Zahl von Existenzgründungen durch deutsche Staatsbürger. Eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM Bonn) zeigt nun, welche große Bedeutung Ausländer für das Gründungsgeschehen in Deutschland haben. Dadurch, dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr Bürger ausländischer Staaten selbstständig machten, gaben sie der deutschen Wirtschaft einen wichtigen Impuls und belebten das Gewerbe.

Während die Gründungstätigkeit deutscher Staatsbürger weiterhin rückläufig ist, steigt die Zahl von Gründungen durch ausländische Staatsbürger in Deutschland stetig an. Bereits seit 2003 besteht ein stabiler Trend, wodurch sich der Anteil von Ausländern unter den gewerblichen Gründern im Jahr 2013 auf mittlerweile 42,7% erhöht hat. Seit 2005 hat sich der Anteil, ausgehend von 18,8%, mehr als verdoppelt. Den höchsten Ausländeranteil gibt es in der Branche Baugewerbe sowie in Handel und Gastgewerbe. Auf diese drei Wirtschaftszweige entfallen insgesamt gut 75% aller der Gründungen von Ausländern.

Das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn führt diesen starken Anstieg zum Teil auf die bis 2011 noch fehlende Arbeitnehmerfreizügigkeit der Bürger östlicher EU-Staaten wie Tschechien, Slowakei, Slowenien, Polen, Ungarn und die baltischen Staaten zurück, die dadurch gezwungen waren eine selbstständige Tätigkeit zu ergreifen, wenn sie in Deutschland arbeiten wollten. Rumänische und bulgarische Staatsbürger besaßen noch bis Ende 2013 nicht die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit.

Interessant ist, dass sich aus den Zahlen ergibt, dass das Bild der Gründungsaktivität der ausländischen Mitbürger heterogen ist, denn sowohl die Zahl der Existenzgründungen von Nichteuropäern als auch die von Gründern aus europäischen Staaten, die schon länger in der EU sind, sank, darin der gleichen negativen Tendenz folgend, wie die der Deutschen. Legt man zugrunde, dass in den vergangenen Jahren tatsächlich das Fehlen der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit für den Anstieg der Existenzgründungen ausländischer Bürger in Deutschland hauptverantwortlich war, muss man bei anhaltendem Negativtrend bei den Existenzgründungen in Deutschland befürchten, dass sich das Gründungsverhalten jener Bürger osteuropäischer Staaten mit dem Erwerb der vollen Berechtigungen dieser negativen Tendenz angleicht.

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Stephan Leistner