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28.01.2012

Selbstständigkeit liegt weiterhin im Trend

Die Zahl der Selbständigen hat sich in Deutschland zwischen 1991 und 2009 um 40% von 3 Mio. auf 4,2 Mio. erhöht. Grund für diese Entwicklung sind vor allem die Nachholprozesse in Ostdeutschland, der Strukturwandel in Richtung Dienstleistungssektor sowie eine hohe Gründungsbereitschaft unter den Akademikern. Das meldet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin.

Die Zahl der Selbständigen hat sich in Deutschland zwischen 1991 und 2009 um 40% von 3 Mio. auf 4,2 Mio. erhöht. Grund für diese Entwicklung sind vor allem die Nachholprozesse in Ostdeutschland, der Strukturwandel in Richtung Dienstleistungssektor sowie eine hohe Gründungsbereitschaft unter den Akademikern. Das meldet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin.

Insgesamt waren im Jahr 2009 rund 11% der erwerbsfähigen Personen unternehmerisch tätig, im Jahr 1991 lag dieser Anteil noch bei 8%. DIW-Experte Alexander Kritikos spricht von einer unternehmerischen Kultur, welche sich in den vergangenen 20 Jahren verstärkt etablieren konnte. Grund hierfür ist nicht zuletzt die Positivmeldungen aus der Gründerszene: Das mit der Selbständigkeit verbundene Risiko lohnt sich oft: „Vielen Gründern gelingt es, ihre Einkommenssituation zu verbessern“, so Kritikos. Bereits nach drei Jahren hätten 38% der Gründer ein höheres Einkommen als zuvor in abhängiger Beschäftigung, nur 17% haben ein geringeres Einkommen.

Das Expertenteam des DIW hat die Entwicklung der Selbständigkeit und das Gründungsgeschehen der letzten 20 Jahre anhand der amtlichen Daten des Mikrozensus untersucht. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung in Ostdeutschland: 15 Jahre nach dem Zusammenbruch des Sozialismus sind die neuen Bundesländer bei der Selbständigenquote an den westdeutschen Ländern vorbeigezogen, insbesondere weil die Neigung zur Existenzgründung in Ostdeutschland seit dem Jahr 1997 höher ist als im Westen. In der Folge war im Jahr 2009 die Zahl der Selbständigen in Ostdeutschland mit 870 000 nahezu doppelt so hoch wie im Jahr 1991, dem Ausgangsjahr der Erhebung.

Der allgemeine Strukturwandel in Richtung Dienstleistungsgesellschaft ist im Gründungsgeschehen besonders deutlich zu beobachten. So finden 60% der Existenzgründungen heute in diesem Sektor statt. Auf Handel und Gastgewerbe entfällt dagegen nur mehr etwa jede fünfte Gründung. Auch im Verarbeitenden Gewerbe sanken die Zahl der Gründungen und der Anteil an den Selbständigen.

Neben den vergleichsweise geringen Einstiegshürden im Dienstleistungssektor macht sich vor allem der enorme Anstieg der Selbständigen unter den Hochschulabsolventen bemerkbar. Unter den Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss ist die Selbständigenquote im Untersuchungszeitraum von 12% auf 18% gestiegen. „Beinahe jeder fünfte Akademiker ist derzeit unternehmerisch aktiv“, so DIW-Forschungsprofessor Michael Fritsch. Seit einem Jahrzehnt holen auch die Frauen auf: Mittlerweile ist beinahe jeder dritte Selbständige eine Frau, und knapp 42% aller Gründungen werden von Frauen getätigt. Die Studie stellt auch die Diskussion um Kümmerexistenzen in der Selbständigkeit in ein neues Licht: Der Anteil der Geringverdiener ist unter den Selbständigen wesentlich kleiner als unter den abhängig Beschäftigten. So verdienten unter den Angestellten im Jahr 2010 rund 35% weniger als 1100 Euro unter den Selbständigen waren dies nur 27%.

Die vollständige Studie wird auf der Webseite des DIW veröffentlicht.

Über den Autor

Verena Freese