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06.05.2016

Unternehmerstory: MyTherapy Gründer Sebastian Gaede im Interview

Sebastian Gaede, Gründer von MyTherapy erzählt in seiner Unternehmerstory, wie die Idee zu seiner Gesundheits-App entstanden ist und wie er die Zukunft des Gesundheitsmanagement sieht. Warum gerade die Gründung im Digital Health Markt für ihn so reizvoll ist und was er sich für die Unternehmerlandschaft in Deutschland wünscht, verrät er im Interview mit Unternehmenswelt.

MyTherapy Gruender Sebastian Gaede

Hallo Herr Gaede, stellen Sie sich und MyTherapy doch kurz vor!

Ich bin Sebastian Gaede, Gründer und Geschäftsführer von MyTherapy. MyTherapy ist eine Gesundheits-App, die an die Medikamenteneinnahme erinnert und mit der Nutzer ihre Werte, wie Blutdruck oder Blutzucker, dokumentieren können. Kurz: Sie ist Medikamentenwecker und Gesundheitstagebuch in einem.

Wie ist die Idee zu MyTherapy entstanden und wie haben Sie sich als Team zusammengefunden?

Das war eine Verkettung von Zufällen: Auf einem Projekt kamen Philipp Legge, Julian Weddige und ich mit dem Problem der Nicht-Adhärenz in Berührung und waren schockiert: Alleine in Europa sterben jährlich 200.000 Menschen früher als nötig aufgrund nicht oder falsch genommener Medikamente. Wir haben begonnen, das Thema mit unseren Familien zu diskutieren. Dabei haben wir gesehen, dass bei fast jedem regelmäßig etwas bei der Medikamenteneinnahme schiefgeht. Die Entwicklung von MyTherapy sahen wir als unsere Chance, hier einen nachhaltigen Unterschied zu machen – nicht nur für unsere Familien, sondern für Millionen von Menschen. Dass wir dabei zugleich vermeidbare Kosten im Gesundheitssystem einsparen konnten, hat uns zusätzlich fasziniert.

Wie funktioniert MyTherapy und wen sprechen Sie damit an?

Viele Menschen in Deutschland sind auf die regelmäßige Einnahme ihrer Medikamente angewiesen. Oft bleibt es aber nicht nur bei einem Medikament. Laut Forsa-Umfrage muss sogar jeder Vierte drei oder mehr Medikamente einnehmen. Da fällt es schwer, den Überblick zu behalten und Medikamente werden vergessen – das kann fatale Folgen haben. Mit MyTherapy haben die Nutzer ihre Medikamente wieder im Griff und den Überblick über ihre Werte. MyTherapy erinnert den Nutzer pünktlich an seine Medikamente und an Messungen wie Blutdruck oder das Gewicht. Die Aufgaben kann er wie in einer To-Do-Liste einfach abhaken. Der integrierte Gesundheitsbericht dokumentiert die Messwerte und Symptome eines ganzen Monats und eignet sich für das nächste Arzt-Patienten-Gespräch.

Das Gute an MyTherapy ist: Es funktioniert für alle Medikamente und alle Erkrankungen. Egal ob der Nutzer ein Medikament für sein Diabetes einnehmen oder seine Werte wegen seines Asthmas dokumentieren muss. MyTherapy kann von jedem genutzt werden.

MyTherapy ist kostenlos. Wie finanzieren Sie sich?

Mit MyTherapy wollen wir so viele Menschen wie möglich bei der regelmäßigen Einnahme ihrer Medikamente unterstützen. Dafür ist und bleibt MyTherapy kostenlos. Um das zu ermöglichen, kooperieren wir mit Partnern, wie z.B. Pharmaherstellern und Kliniken, denen die verordnungsgemäße Einnahme von Medikamenten ebenfalls wichtig ist. Auf personenbezogene Daten erhalten selbstverständlich weder unsere Partner noch andere Dritte Zugriff.

Stichwort: Digital Health: Wie sieht der Markt für Gesundheitsmanagement in zehn Jahren aus?

In den letzten Jahren ist der Funken bereits von den Gesundheitsbewussten zu den chronisch Kranken übergesprungen. Diese große Bevölkerungsgruppe beginnt gerade massiv, digitale Unterstützungsangebote zu nutzen – und trägt diese damit auch zunehmend zum Arzt. Angebote wie MyTherapy lösen zugleich ein Problem von Patienten, Ärzten, und dem Gesundheitssystem als Ganzes. Diese Kompatibilität der Interessen wird dafür sorgen, dass digitaler Therapie-Support in 10 Jahren absoluter Standard ist.

Wie sehe Ihre berufliche Laufbahn aus, wenn Sie smartpatient nicht gegründet hätten?

Vielleicht wäre ich der Strategieberatung treu geblieben. Früher oder später hätte mich aber wohl das Bedürfnis, etwas gesellschaftlich Sinnvolles und wirtschaftlich Tragfähiges nachhaltig aufzubauen, zur nächsten Gründungsidee getrieben. Wer diese Art der Herausforderung sucht, findet sie nirgends so gut, wie im Digital Health Markt.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Arbeitsalltag aus?

Typischerweise bin ich um 8:00 im Büro. Um 9:30 haben wir einen kurzen gemeinsamen Kick-Off, in dem alle Kollegen kurz ihre Ziele für den Tag mit dem Team teilen. Der Tag verteilt sich dann meist auf Termine und die zugehörige Vor- und Nachbereitung. Nach 18:00 versuche ich, aufgelaufene E-Mails etc. abzuarbeiten und die abendliche Ruhe für konzeptionelles Arbeiten zu nutzen. Die bei mir recht zahlreichen Reisetage sehen natürlich anders aus.

Was würden Sie sich für die Unternehmerlandschaft in Deutschland wünschen?

Egal ob Handwerksbetrieb oder Startup, Unternehmer übernehmen viel Verantwortung: Sie schaffen Arbeitsplätze, sie gehen ins Risiko und meist schlafen sie zumindest phasenweise schlecht. Durch den Startup-Boom ist Unternehmertum in den letzten Jahren in Teilen der Gesellschaft visibler geworden. Ich würde mir wünschen, dass diese Visibilität weiter zunimmt und die gesellschaftliche Rolle stärker thematisiert wird. Sowohl in Form von Anerkennung, als auch als Erwartungshaltung an verantwortungsvolles Unternehmertum. Denn für dauerhafte Innovation und Wachstum brauchen wir noch viel mehr Unternehmer in Deutschland.

Was sind die 3 wichtigsten Tipps, die Sie anderen Unternehmern mit auf den Weg geben möchten? Wie führt man erfolgreich ein Unternehmen?

Ich glaube nicht, dass es „die“ richtige Art gibt, ein Unternehmen zu führen: Führungsstil und -techniken müssen immer zu Unternehmer und Unternehmen passen. Die 3 wichtigsten Tipps für Unternehmer sind aus meiner Sicht 1. Fokussierung 2. Fokussierung und 3. Fokussierung. Gerade Startups müssen sehr schnell ihre Hypothesen und ihr Geschäftsmodell validieren. Ohne Fokussierung ist das Geld vor der entscheidenden Erkenntnis aufgebraucht.

Eine letzte Frage zum Schluss: MyTherapy, wo geht der Weg hin? Was sind die nächsten Schritte für die kommenden 12 Monate?

MyTherapy ist der beste Therapiebegleiter für alle Menschen, die regelmäßig Medikamente nehmen müssen. Der Weg geht zunehmend zur Nutzung von MyTherapy im Arzt-Patientengespräch. Dies für Arzt und Patient noch einfacher und alltagstauglicher zu machen ist einer unserer diesjährigen Entwicklungsschwerpunkte. Unser zweiter Schwerpunkt liegt auf der zunehmenden Internationalisierung, sowohl unserer Partnerschaften als auch unserer Nutzerbasis.

Wir danken Ihnen für das offene Interview, Herr Gaede und wünschen Ihnen mit MyTherapy weiterhin viel Erfolg.

So erreichen Sie MyTherapy

www.mytherapyapp.com

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Über den Autor
Janine Friebel

Janine Friebel

Janine Friebel wurde 1983 geboren und studierte in Magdeburg Internationales Management. Als Key Account Managerin einer Leipziger Online Marketing Agentur hat sie über mehrere Jahre zahlreiche Kunden im Online Marketing betreut und beraten. Jetzt verantwortet sie das Marketing für die Zandura GmbH und kümmert sich um die Vermarktung der Inhalte auf unternehmenswelt.de.