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Hyperledger: Whom will you trust with your trust network?

Hyperledger wurde 2016 mit einer technischen und organisatorischen Governance-Struktur und 30 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen. Im Mai 2016 wurde Brian Behlendorf, Mitbegründer der Apache Software Foundation, zum Executive Director im Verwaltungsrat der Organisation ernannt. Mittlerweile zählt das Hyperledger Konsortium mehr als 250 prominente Mitglieder, darunter Intel, IBM, SAP, Bosch oder Daimler. Wir stellen Ihnen das Hyperledger Netzwerk und einige seiner Anwendungen vor.

Trust Network
  • Hyperledger ist in seinen jeweiligen Ausführungen ein durch Konsens validiertes dezentrales P2P-Netzwerk, das unterschiedlich zielführende Smart Contracts auszuführen imstande ist.
  • Im Zusammenspiel mit weiteren unterstützenden Technologien kann dieses System genutzt werden, um eine neue Generation von Transaktionsanwendungen zu erstellen, die im Kern Vertrauen, Verantwortlichkeit und Transparenz erzeugen und gleichzeitig Geschäftsprozesse und rechtliche Einschränkungen rationalisieren sollen.
  • Hyperledger versteht sich als ein Betriebssystem für Marktplätze, Datenaustausch-Netzwerke, Mikro-Währungen und dezentrale digitale Communities.
  • Hyperledger Frameworks, Tool Kits und Libraries werden genutzt, um komplexe dezentrale Netzwerke im Unternehmenskontext zu entwickeln.
  • Einsatzmöglichkeiten sind das Finanzwesen, Logistik, Verwaltung, Identitätsmanagement oder das Internet of Things.

Die Hyperledger Organisation als ein Dachprojekt der Linux Foundation besteht aus mehr als 250 Mitgliedern, die sich aus den Branchen Finanzen, Bankwesen, Internet der Dinge, Logistik und Fabrikation rekrutieren. 

Zu den treibenden Kräften hinter Hyperledger zählen neben IBM und Intel unter anderem Fujitsu, Oracle, SAP, VMware, Cisco, Red Hat, Bosch, Samsung, SAP und Daimler.

Die Linux Foundation selbst widmet sich dem Aufbau nachhaltiger Ökosysteme in Verbindung mit Open-Source-Projekten, um die entsprechende Technologieentwicklung zu beschleunigen und die Akzeptanz in der Industrie zu erhöhen. Sie wurde im Jahr 2000 gegründet und hat eine beispielhafte Entwicklung gemacht. Mehr als 80% der neu verkauften Smartphones verwenden Android, das auf dem Linux-Systemkern basiert. Alle Top 500 Supercomputer der Welt laufen unter der Linux Software. Die meisten globalen Märkte nutzen Linux, einschließlich der New Yorker Börse, der NASDAQ, der Londoner Börse und der Börse Tokio.

Die immer wieder geforderte und aktuell vielerorts noch bezweifelte Marktreife der Blockchain-Technologie will Hyperledger durch seinen Open Source Ansatz erreichen. Nur eine kollaborative Softwareentwicklung könne die Transparenz, Langlebigkeit, Interoperabilität und einen gleichbleibenden Support gewährleisten, die erforderlich sind, damit Blockchain-Technologien eine allgemeine kommerzielle Akzeptanz erhalten.

Genau dies will die Hyperledger - Community aus Softwareentwicklern erreichen.

Im Wesentlichen konzentriert sich Hyperledger als Organisation auf:

  • die Unterstützung der Entwicklung von Open Source-Frameworks für DLT- basierte Transaktionssysteme im unternehmerischen Kontext
  • die Bereitstellung einer neutralen, offenen und von der Gemeinde gesteuerten Infrastruktur unterstützt durch technische und geschäftliche Governance
  • den Aufbau technischer Communities zur Entwicklung von Blockchain- und Shared-Ledger-POCs, Use Cases, Field Trails und Deployments
  • die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Marktchancen für Blockchain-Technologie
  • den Ausbau des “Community of Communities” Toolkit-Ansatz mit vielen Plattformen und Frameworks

Hyperledger Fabric  und Hyperledger Sawtooth waren die ersten Projekte, die Hyperledger auf den Weg gebracht hat. Hyperledger Fabric ist ein für Unternehmen zugelassenes DLT-Framework für verteilte Hauptbücher, das Modularität, Vielseitigkeit und Datenschutzoptionen bietet.

Sawtooth und Fabric sind so konzipiert, dass Benutzer den Konsensus-Algorithmus für ihr Blockchain-Netzwerk auswählen können. Es gelten entweder die Byzantinische Fehlertoleranz (wie z.B im Stellar-Netzwerk und hier ausführlich erklärt) oder der Nachweis der verstrichenen Zeit (PoET) Bei letzterem gilt, dass jeder Teilnehmer im Blockchain-Netzwerk im Rahmen eines Auswahlverfahrens eine zufällige Zeitspanne wartet. PoET stammt von Intel und basiert auf einem speziellen CPU-Befehlssatz namens Intel Software Guard Extensions (SGX). Dieser erzeugt eine vertrauenswürdige Laufzeitumgebung (Trusted Execution Environment/TEE), innerhalb derer das Auswahlverfahren ausgeführt wird. Der ebenso zufällig ermittelte “Gewinner” ist gleichzeitiger Blockvalidator. PoET ist augenscheinlich energieeffizienter als aufwendiges Errechnen kryptographischer Rätsel wie bei PoW (Bitcoin).

Erst Anfang September hat Hyperledger in Zusammenarbeit mit ConsenSys Hyperledger Besu als jüngstes DLT-Gemeinschaftsprojekt entwickelt und steht nunmehr insgesamt 15 Netzwerk-Frameworks und Bibliotheken vor. Hyperledger Besu ist ein Open-Source-Ethereum-Client, der unter der Apache 2.0-Lizenz entwickelt und in Java geschrieben wurde. Hyperledger Besu kann u.a. im öffentlichen Netzwerk von Ethereum ausgeführt werden.

Zu den weiteren Hyperledger Frameworks zählen u.a.

Hyperledger Indy:

  • dezentralisierte Identitätenverwaltung

Hyperledger Grid:

  • eine Sammlung von Frameworks und Bibliotheken zur Erstellung von Blockchain-Lösungen für die Versorgungskette auf der Basis von WebAssembly

Darüber hinaus stellt Hyperledger seiner Entwickler-Community Tool-Kits und Bibliotheken zur Verfügung:

Hyperledger Aries

  • ein gemeinsames, wiederverwendbares und interoperables Toolkit für Initiativen und Lösungen, die auf die Erstellung, Übermittlung und Speicherung überprüfbarer digitaler Anmeldeinformationen ausgerichtet sind

Hyperledger Composer

  • ein Tool für die Zusammenarbeit beim Aufbau von Blockchain-Geschäftsnetzwerken, das die Entwicklung intelligenter Verträge und deren Bereitstellung in einem verteilten Hauptbuch beschleunigt

Hyperledger Cello

  • On-Demand-Bereitstellungsmodell "as-a-Service" innerhalb eines Blockchain-Ökosystems, um den Aufwand für das Erstellen, Verwalten und Beenden von Blockchains zu verringern

Hyperledger Ursa

  • eine kryptografische Bibliothek, mit der Entwickler das Duplizieren anderer kryptografischer Arbeiten vermeiden sollen und damit zu einer erhöhten Sicherheit beitragen können

Hyperledger Transact ist ein erst im Juni 2019 gemeinsam mit Intel und IBM entwickeltes Tool, das die Kompatibilität von Blockchain-Netzwerken erhöhen will, indem es eine Standardschnittstelle oder eine gemeinsam genutzte Softwarebibliothek bereitstellt, welche die Ausführung intelligenter Verträge verbessert. Diese Anwendung ist für jegliche Branchen im B2B-Geschäft nützlich, zB. im internationalen Bankengeschäft oder innerhalb von Lieferketten.

Gemeinsam mit IOTA und unter dem Dach von LF Edge entwickelt Hyperledger aktuell ein offenes, interoperables Framework für Edge-Computing. Edge-Computing ist die Grundlage für eine offene verteilte IT-Infrastruktur, die das IoT erst möglich macht. Edge-Computing nutzt verschiedene Technologien wie Sensornetze, mobile Datenerfassung, mobile Signaturanalyse, Peer-to-Peer- sowie Ad-hoc-Vernetzung. Im Gegensatz zum Cloud Computing werden beim Edge Computing die Daten dort verarbeitet, wo sie generiert werden, an der Netzwerkperipherie ohne dass Übertragungen an ein Rechenzentrum notwendig sind. Dadurch sind Datenverarbeitungen in Echtzeit möglich, wie sie im IoT und hier z.B. ganz konkret im Bereich des Autonomen Fahrens unerlässlich sind. So verwundert es nicht, dass Ethereum-Mitgründer und ConsenSys CEO Joseph Lubin sowie Executive Director Hyperledger, Brian Behlendorf u.a. zu den treibenden Kräften hinter MOBI (Mobility Open Blockchain Initiative) zählen. 

Das Hyperledger Greenhouse Prinzip

Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.