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17.08.2020

Corona-Hilfen: Kommt die Hilfe tatsächlich an?

Sind die Corona-Hilfen der Bundesregierung ein effektives Kriseninstrument? Welche Hilfen haben Unternehmer bereits erhalten und wo üben sie Kritik? Das BMWi zieht ein erstes positives Fazit seiner Bemühungen für KMU in Deutschland. Vertreter der Wirtschaft bilanzieren zurückhaltender.

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Kommt die Corona-Soforthilfe tatsächlich an?

In welcher Höhe wurden Corona-Hilfen bereits bewilligt?

Die Bundesregierung hat kürzlich eine Zwischenbilanz zur Wirksamkeit der Corona-Hilfen veröffentlicht. Demnach wurden Stand KW 33/20 Hilfen im Volumen von insgesamt 66,4 Milliarden Euro bewilligt. Bei diesem Betrag handele es sich zudem um ein Mindestvolumen, das tatsächlich höher ausfallen könne, da zum Zeitpunkt der Erhebung nicht für alle Bundesländer die aktuellsten Daten vorlagen.

Welche Hilfen haben KMU in der Krise bislang konkret erhalten?

Die bewilligten Mittel im Corona-Schutzschirm setzen sich zusammen aus:

  1. KfW-Sonderprogramm mit KfW-Kreditlinien für Gründer und Bestandsunternehmen (42,5 Milliarden Euro),
  2. Soforthilfen für kleine Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler (14,3 Milliarden Euro),
  3. Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (6,0 Milliarden Euro) sowie
  4. Bürgschaften der Bürgschaftsbanken (789 Millionen Euro) und Großbürgschaften (2,7 Milliarden Euro).

Wie kommen die Überbrückungshilfen an?

Im Rahmen des im Juli gestarteten Überbrückungshilfeprogramms für kleine und mittelständische Unternehmen wurden darüber hinaus bislang ca. 27.400 Anträge im Volumen von rund 550 Millionen Euro gestellt und rund 109 Millionen Euro bewilligt. Noch bis zum 30. September 2020 kann dein Steuerberater auf der zentralen Antragsplattform des Bundes für dich den Antrag auf Überbrückungshilfe stellen

Wie schnell und effizient ist der KfW-Schnellkredit?

Ein gemischteres Fazit zur Durschlagkraft des staatlichen Krisenmanagement zieht Finanzdientsleister FinCompare in einer aktuellen Studie zur "Verteilung der Corona-Hilfskredite auf die Gesamtheit der deutschen Unternehmen"

„Die bürokratischen Hürden sind eine Katastrophe, sie sind der Grund warum nur ein Prozent der Unternehmer die Corona-Kredite beantragt haben. Wir merken in Gesprächen mit Unternehmern gleich, dass der Bedarf an Fördermitteln massiv vorhanden ist, die Politik aber nicht gelernt hat, dem Mittelstand die richtigen Hilfen bereitzustellen.“

(Stephan Heller, Gründer und Geschäftsführer von FinCompare)

Die absolute Anzahl von knapp 80.000 Corona-Kreditanträgen in rund 130 Tagen beeindrucke laut FinCompare zwar auf den ersten Blick, relativiere sich jedoch bei genauerer Analyse deutlich. Denn bis Juli hätten nur 1,01% der deutschen Unternehmer einen Corona-Kredit beantragt. Das entspricht nur etwa jedem hundertsten Unternehmer. 

Der KfW-Schnellkredit als wirkmächtiges und unbürokratisches Instrument könne von fast 90% der Unternehmer (6,6 Millionen) eben nicht in Anspruch genommen werden, denn nur Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern sind antragsberechtigt. Der Großteil aller kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) falle damit durchs Raster.

"Knapp 90 Prozent der deutschen Unternehmen und Selbstständigen haben gerade nicht mehr als 10 Mitarbeiter. Sie sind damit faktisch von dem Kreditprogramm ausgeschlossen, das genau für sie bestimmt sein sollte.“ (Stephan Heller, Gründer und Geschäftsführer von FinCompare)

Das Versprechen von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, in der Corona-Krise mit dem KfW-Schnellkredit einen "weiteren umfassenden Schutzschirm für unsere mittelständische Wirtschaft" zu spannen, sehen die Autoren damit nicht erfüllt. 

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Überbrückungshilfe für KMU: Jetzt Antrag stellen

Bis zum 30. September 2020 kann dein Steuerberater auf der zentralen Antragsplattform des Bundes für dich einen Antrag auf Überbrückungshilfe stellen. Die Bundesregierung hat die Frist zur Antragstellung noch einmal verlängert. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Voraussetzungen für KMU sowie den Link zur Registrierung findest du hier.

ERP-Mittelstandsförderung: Zinsgünstig finanzieren

Zinsgünstige Finanzierungen und Beteiligungskapital - Das neue ERP-Wirtschaftsplangesetz 2021 unterstützt KMU mit 7,9 Milliarden Euro Fördervolumen. KMU sollen auch 2021 in Wachstum und Innovation investieren, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Als Gründer und Unternehmer profitierst du branchenübergreifend von zinsgünstigen Finanzierungsangeboten.

Corona Bürgschaften: Wann bin ich förderfähig?

Der Begriff "wirtschaftlich gesundes" Unternehmen spielt in der Bewilligung einer Bürgschaft eine entscheidende Rolle. Wer gilt als wirtschaftlich gesund in einer Krisensituation? Wir erläutern die grundlegende Voraussetzung für deinen Antrag.

Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Content Creator für die Social StartUp-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig. Seit 2019 recherchiert die studierte Kulturwissenschaftlerin für dich alle Fakten und Zusammenhänge, die du in deinem Tagesgeschäft brauchst.