09.01.2020

Checkliste Café eröffnen: Verwirklichen Sie Ihren Traum in 3 Schritten

Rechtliche Anforderungen, Businessplan und Finanzierung im Überblick

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Um mit dem eigenen Café erfolgreich zu sein, ist ein solider Businessplan einschließlich Finanzkalkulation unerlässlich. Denn die Anzahl der neu eröffneten Cafés in Deutschland ist in den vergangenen Jahren laut DEHOGA Branchenverband kontinuierlich gestiegen und damit die Zahl Ihrer Mitbewerber. Mit unserer Checkliste nehmen Sie alle Hürden auf dem Weg zum erfolgreichen Gastgeber.

Selbständig mit dem eigenen Café

3-Punkte Checkbox zur Eröffnung eines Cafés

1. Gründerprofil:

  • Erfülle ich alle persönlichen und rechtlichen Anforderungen?

2. Businessplan:

  • Ist mein Businessplan vollständig und fehlerfrei?

3. Finanzplan:

  • Kann ich mein Gründungsvorhaben finanzieren?

Gründerprofil: Erfülle ich alle persönlichen und rechtlichen Anforderungen?

1. Gaststättenkonzession beantragen

Als selbständiger Cafébetreiber führen Sie gemäß § 1 Gaststättengesetz ein Gaststättengewerbe und unterliegen damit weiterhin  mit §2 Gaststättengesetz einer behördlichen Erlaubnispflicht. Um diese zu erhalten, müssen ebenfalls im Vorfeld weitere Genehmigungen und Unbedenklichkeitsbescheinigungen eingeholt und danach beim Ordnungsamt vorgelegt werden. Erst im Anschluss an eine erteilte Konzession können Sie dann Ihr Gewerbe beim zuständigen Gewerbeamt anmelden.

Folgende Unterlagen sollen Ihre fachliche und persönliche Kompetenz belegen und sind für den Antrag auf eine Gaststättenkonzession vorzulegen:

  • ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Auszug aus dem Gewerbezentralregister (erteilt durch Einwohnermeldeamt oder online durch das Bundesamt für Justiz)
  • Unbedenklichkeitsbescheinigung erteilt durch das Finanzamt
  • Bescheinigung des Gesundheitsamts über die Erstbelehrung nach § 43 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz
  • Gaststättenunterrichtung der Industrie- und Handelskammer (IHK) sofern Sie über keine gastronomische Ausbildung verfügen, die noch nicht zu lange zurückliegt; Erkundigen Sie sich nach den in Ihrem Bundesland jeweils geltenden Bedingungen.
  • Miet-, Pacht- oder Kaufvertrag Ihrer Standort-Immobilie (Freigabe des Grundrisses durch das zuständige Bauaufsichtsamt muss beigefügt werden; Beachten Sie die für den Ausschank alkoholischer Getränke geltende grundsätzliche Toilettenpflicht mit den dafür vorgesehenen baulichen Vorschriften (nach Geschlechtern getrennt; Vorräume mit Waschbecken) bereits bei Standortwahl und spätestens bei Renovierungsarbeiten.
  • Sollte Ihr Café über einen Außenbereich verfügen, müssen Sie hierfür einmalig eine erweiterte Gaststättenerlaubnis beantragen und für jede kommende Saison eine neue Sondernutzungserlaubnis.

Achten Sie auf Vollständigkeit Ihrer Unterlagen und Einhaltung baulicher Anforderungen, um keinen Anlass für Versagungsgründe (§4 GastG) zu geben.

2. Rechtsform wählen

Welche Rechtsform Sie für Ihr Gewerbe auswählen, hängt von vielen Faktoren ab. Es gibt keine für die Gründung eines Gastgewerbes vorgeschriebene Rechtsform. Sie haben prinzipiell die Wahl zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften, die hinsichtlich Gründungs- und Verwaltungskosten, aber auch bezüglich Haftungsfragen und steuerlichem Aufwand stark unterscheiden. Wichtige Fragen, die Sie zunächst beantworten müssen, um die für Sie passende Rechtsform auszuwählen sind u.a.:

  1. Gründe ich allein oder im Team?
  2. Habe ich genügend Eigenkapital, um die Mindesteinlage für eine GmbH zu leisten?
  3. Will ich mit meinem Privatvermögen haften oder soll die Haftung auf das Unternehmen beschränkt sein?
  4. Wie hoch dürfen buchhalterischer Aufwand und Kosten ausfallen?

Häufig agieren Gründer in gastronomischen Gewerben als Einzelunternehmer oder im Zusammenschluss als GbR

3. Gewerbe anmelden

Nach erfolgreich erteilter Gaststättenkonzession und gewählter Rechtsform können Sie Ihr Gewerbe anmelden. Die Erteilung einer SteuerID durch das Finanzamt erfolgt im Austausch der Behörden automatisch.

4. Mitarbeiter anmelden

Sobald Ihr Team wächst und Sie Mitarbeiter beschäftigen, müssen Sie Ihr Unternehmen bei der Agentur für Arbeit dem Sozialversicherungsträger gegenüber kenntlich machen. Hierfür stellen Sie online den Antrag auf Erteilung einer Betriebsnummer.

Gleiches gilt für die gesetzliche Unfallversicherung. Damit Ihre Mitarbeiter versichert sind, müssen Sie Ihr Unternehmen bei der zuständigen Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) anmelden.

5. GEZ/GEMA-Gebührenpflicht beachten

Wer als Gastronom durch Erstgeräte, Leinwandprojektionen oder Internetdienste Radio oder Fernsehprogramme nutzt, ist GEZ-Gebührenpflichtig. Die tatsächliche Beitragshöhe richtet sich nach der Anzahl laufender Betriebe und der Zahl der Beschäftigten. Erkundigen Sie sich nach den für Ihr Café geltenden Bedingungen.

Lizenzrechte sichert sich außerdem die GEMA. Wenn Sie also Musik abspielen, bedarf dies einer Genehmigung gegen Zahlung einer Lizenzgebühr. Diese fällt unterschiedlich aus je nach Art der Nutzung und Größe des gastronomischen Unternehmens. Erkundigen Sie sich im Online-Kundencenter nach den für Sie möglichen Tarifoptionen.

6. Auszeichnugspflichten beachten

Als Cafébetreiber unterliegen Sie außerdem den Vorschriften der Preisangabenverordnung (PAngV). Dss bedeutet, dass Sie u.a. Ihr gesamtes Angebot preislich in der Form geltender Endpreise auszeichnen müssen (z.B. inklusive Mehrwertsteuer). Desweiteren muss ein Preisverzeichnis als Aushang der Getränke- und Speisekarte im Eingangsbereich gut sichtbar angebracht werden.

7. Aushangpflichten beachten

In Ihrem Café müssen Sie weitere verschiedene Aushangpflichten für gastronomische Betriebe beachten. Dies bedeutet die frei zugängliche Bereitstellung folgender Gesetze und Vorschriften für Ihre Mitarbeiter:

  • Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
  • Arbeitsstättenverordnung
  • Arbeitszeitgesetz
  • Arbeitsgerichtgesetz
  • Betriebsvereinbarungen
  • Jugendschutzgesetz
  • Jugendarbeitsschutzgesetz (verpflichtend für Betriebe mit mindestens einem jugendlichen Angestellten)
  • Mutterschutzgesetz (verpflichtend für Betriebe, die mindestens 3 Frauen beschäftigen)
  • Zutreffende Vorschriften der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe
  • Zutreffende Unfallverhütungsvorschriften

Businessplan: Ist mein Businessplan vollständig und fehlerfrei?

So zahlreich gastronomische Gründungen in den vergangenen Jahren erfolgt sind, so kurzlebig ist häufig deren Verweildauer am Markt. Das wissen insbesondere Banken und Finanzierungspartner, die Sie, sofern Investitionssumme und Eigenkapital nicht mindestens deckungsgleich sind, zweifellos von Ihrer Idee überzeugen müssen.

Erstes Ausweisdokument hierfür ist Ihr Businessplan. Vermeiden Sie häufige Fehler in der Erstellung Ihres Businessplans und achten Sie auf Schlüssigkeit und Vollständigkeit aller Angaben.

Ale wichtigen Informationen für Ihren Businessplan im Überblick

Businessplan für Gastronomie - kostenfreie Vorlage inkl. Finanzplan
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Finanzplan: Kann ich mein Gründungsvorhaben finanzieren?

Für sämtliche Gründungskosten, die für behördliche Genehmigungen, Maklercourtage etc. anfallen sowie für weitere Investitionskosten in eine behördengerechte Ausstattung Ihrer Gewerbefläche zuzüglich Betriebsmittel und Wareneinsatz müssen je nach Umfang ein Betrag von 60.000 EUR bis 80.000 EUR vorkalkuliert werden. Die Kosten für die erteilte Gaststättenkonzession schwanken je nach Kommune zwischen einigen hundert und einigen tausend Euro in Abhängigkeit vom indivudellen Umfang des zu betreibenden Gewerbes. Darüber hinaus müssen je nach gewählter Rechtsform im Zweifelsfall Notariatskosten und der Eintrag ins Handelsregister einkalkuliert werden. 

Gründer in der Gastronomie können die ganze Bandbreite branchendiverser Gründungsfinanzierung nutzen, die BMWi und Förderbanken bereithalten. Darüber hinaus adressieren zahlreiche private Finanzierungspartner kleine und mittlere Unternehmensgründungen mit passgenauen Finanzierungslösungen. 

Überlegen Sie außerdem, an welchen Stellen Kosteneinsparungen möglich sind. Dies kann z.B. das geförderte Leasing von Betriebsmitteln sein oder auch die Anschaffung gebrauchter Einrichtungsgegenstände.

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Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.

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