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10.01.2020

Venture Capital für Gründungs- & Wachstumsfinanzierung

Der Erfolg innovativer und technologiebasierter Gründungen steht und fällt mit einem barrierefreien Zugang zu Wagniskapital und privaten Investoren. Ein Überblick zu aktuellen Venture Capital-Finanzierungslösungen für Gründungs- und Wachstumsphasen.

Wagniskapital für Unternehmensgründungen und Wachstumsfinanzierung

Zu den klassischen Finanzierungslösungen für innovative Geschäftsideen zählen alle Förderinstrumente zur Gründungsfinanzierung, die BMWI und Förderbanken anbieten mit besonderer Hervorhebung des ERP-Innovationskredits. Darüber hinaus unterstützen BMWi und Förderbanken Wachstumsprozesse in etablierten Unternehmen mit Darlehen und Zuschüssen zur Unternehmensfinanzierung. Die Dritte Säule bilden Finanzierungslösungen, die deutschen Gründern und Unternehmern Zugang zu Wagniskapital eröffnen sollen.

Um das volle Potential besonders kostenintensiver technologiebasierter Gründungen auszuschöpfen und gegenüber einer prinzipiell kapitalstärker agierenden Investorenklientel in USA und Asien ein Gegengewicht zu bilden, reichen die aktuellen Bemühungen der Bundesregierung einschließlich der infrastrukturellen Gegebenheiten in Deutschland nicht aus, mahnen Kritiker. Schon jetzt werden besonders kapital- und ressourcenintensive Marktreifephasen deutscher StartUps (Later-Stage-Funding) maßgeblich durch ausländische Investoren gefördert.

Der deutsche StartUp Monitor 2019 machte zuletzt eine ähnlich kritische Einschätzung der Venture Capital Möglichkeiten durch die StartUp Unternehmen selbst deutlich. Diese strebten zwar mehrheitlich in den Markt privater Beteiligungsmöglichkeiten, nur ein geringer Anteil jedoch auch erfolgreich.

Das KfW German Venture Capital Barometer spielte den Ball wiederum zurück. In einem prinzipiell gemischten Fazit zur aktuellen Lage des Venture Capital Marktes in Deutschland riefen die Analysten Gründer u.a. zu realistischen Einstiegsbewertungen auf, um die Erwartungen ihrer Investoren auch erfüllen zu können.

In Teil I unseres Finanzierungsschwerpunkts geben wir interessierten Gründern und Unternehmern nun einen Überblick der aktuellen Förderinstrumente des BMWi zur Bereitstellung von Wagniskapital für innovative Gründungsvorhaben. Teil 2 wird sich im Anschluss einer Übersicht privater VC-Fonds und Business Angels im deutschsprachigen Raum widmen.

Gründungsfinanzierung mit Venture Capital Finanzierungslösungen

EXIST

Das Förderprogramm EXIST - Existenzgründung aus der Wissenschaft unterstützt Hochschulabsolventen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende durch verschiedene Fördermöglichkeiten bei der Vorbereitung von technologieorientierten und wissensbasierten Existenzgründungen mit insgesamt drei Programmlinien. Ab dem Haushaltsjahr 2019 wurden die Mittel für das Förderprogramm EXIST mehr als verdoppelt, sodass nun außerdem mehr Gründungsvorhaben gefördert werden können.

High-Tech Gründerfonds

Der High-Tech Gründerfonds, kurz HTGF, wurde auf Initiative des BMWi 2005 gegründet. Spezialisiert auf technologiebasierte Startups in der Seed-Phase, investiert der HTGF Risikokapital in junge Technologieunternehmen, die vielversprechende Forschungsergebnisse unternehmerisch umsetzen. Zu den Investoren des HTGF gehören das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, die KfW Bankengruppe sowie 32 namenhafte Wirtschaftskonzerne, darunter u.a. Bosch, Daimler, SAP oder RWE. Der HTGF ist laut BMWi Deutschlands aktivster und größter Frühphaseninvestor mit der Zielgruppe junge, innovative Hightech-StartUps aller Branchen. Bis zu 3 Mio. EUR können im High-Tech-Gründerfonds generiert werden. Im Gegenzug erwerben die Investoren Geschäftsanteile ohne Unternehmensbewertung.

INVEST - Zuschuss für Wagniskapital

Das INVEST Förderprogramm ist zweigeteilt. Business Angels können einerseits für ihre Investments in innovative Startups einen Erwerbszuschuss in Höhe von 20 % der investierten Summe erhalten, wenn sie sich mit mindestens 10.000 Euro Wagniskapital an StartUps beteiligen. Darüber hinaus können natürliche Personen einen Exitzuschuss erhalten, wenn sie ihre Anteile veräußern. Dieser beträgt pauschal 25 % des Veräußerungsgewinns und deckt die ungefähre Steuerlast auf den Veräußerungsgewinn ab. Voraussetzung ist, dass die Anteile mindestens drei Jahre gehalten werden müssen. Beide Zuschüsse sind für den Investor steuerfrei. Die förderfähige Investitionssumme pro Investor beträgt maximal 500.000 EUR pro Jahr. Pro Unternehmen können maximal 3 Mio. EUR pro Jahr in förderfähige Beteiligungen fließen. Die Beteiligungen können als natürliche Personen oder über eine Beteiligungsgesellschaft (GmbH oder UG, dann jedoch nicht als Exitzuschuss) erfolgen. 

German Accelerator

Der German Accelerator ist ein Austauschprogramm für innovative StartUps, die ihre Expertise und Netzwerke an internationalen Knotenpunkten ausbauen wollen. Der „German Accelerator Tech (GA Tech)“ ist hierfür an den Standorten Silicon Valley und New York aktiv und adressiert Startups aus den Bereichen IKT sowie Anwenderbranchen (Medien, Finanzen, Cleantech u. a.) mit einem dreimonatigen Vor-Ort-Aufenthalt. Die Zielgruppe des „German Accelerator Life Sciences (GALS)“ sind Unternehmen aus den Bereichen Life Sciences und Medizintechnik. Im Rahmen eines individualisierten Aufenthalts in Boston ermöglicht das Programm pro Jahr ca. 40 – 60 Startups einen Aufenthalt in den USA zur Erweiterung ihres Know-how. Im März 2018 öffnete der jüngste German Accelerator in Singapur (GASEA). Der GASEA soll seine Kontakte in der ASEAN Region und perspektivisch in Ostasien ausbauen und gemäß Programmrichtlinie ca. 20 StartUps pro Jahr den internationalen Austausch ermöglichen.

Wachstumsfinanzierung mit Venture Capital Finanzierungslösungen

ERP/EIF-Dachfonds

Der ERP/EIF-Dachfonds beteiligt sich an Venture-Capital-Fonds, die in Technologieunternehmen in ihrer frühen Entwicklungsphase investieren oder Anschlussfinanzierungen für Technologieunternehmen in der Früh- oder Wachstumsphase bereitstellen. Das durchschnittliche Investitionsvolumen liegt zwischen 20 Mio. EUR bis max. 60 Mio. EUR. Ein Teil der Mittel fließt in den European Angels Fund (EAF).

European Angels Fund (EAF)

Der European Angels Fund arbeitet seinerseits mit ausgewählten und erfahrenen Business Angels zusammen und erhöht die Finanzkraft der Investoren als Co-Finanzierer für Investitionen in Gründungs-, Früh- und Wachstumsphasen innovativer Unternehmen. Die Höhe der Beteiligung richtet sich nach der individuell beabsichtigten Investitionssumme des Business Angels und liegt im Durchschnitt zwischen 250.000 EUR und 5 Mio. EUR.

Venture Capital-Fonds coparion

Der Venture Capital-Fonds coparion investiert Risikokapital in innovative Technologieunternehmen in der StartUp- und frühen Wachstumsphase. Kleine innovative Technologieunternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit Betriebssitz in Deutschland profitieren von der Förderung. Finanziert wird coparion durch das ERP-Sondervermögen, die KfW Capital und die Europäische Investitionsbank (EIB).

ERP/EIF/Länder-Mezzanin-Dachfonds

Der ERP/EIF/Länder-Mezzanin-Dachfonds beteiligt sich an privaten professionellen Mezzanin-Fonds (einschließlich Venture-Debt-Fonds), die wesentlich in den deutschen Mittelstand und jüngere Wachstumsunternehmen investieren. Das durchschnittliche Investitionsvolumen liegt zwischen 10 Mio. EUR und 20 Mio. EUR und schöpft aus einem Maximalvolumen von zunächst 200 Mio. EUR.

KfW Capital

Die KfW Capital investiert in einer Größenordnung bis max. 25 Mio. EUR in ausgewählte Wagniskapital-Fonds in Deutschland und Europa, die sich an jungen wachstumsorientierten Technologieunternehmen beteiligen. Als 100%ige Tochter der KfW Bankengruppe wurde sie eigens zu diesem Zweck 2018 gegründet. KfW Capital beteiligt sich im Auftrag und im Risiko des ERP-Sondervermögens. Ziel ist es, das Wagniskapitalangebot für technologieorientierte Start-ups und junge Unternehmen in der Wachstumsphase in Deutschland zu verbessern und dazu beizutragen, die eingangs beschriebene Kapitalangebotslücke in der StartUp- und Wachstumsphase zu schließen. Ab 2020 strebt die KfW Capital ein Investitionsvolumen von 180 Mio. EUR p. a. an.

Vielleicht werden es tatsächliche goldene Zwanziger für innovative Gründer in Deutschland, denn in den kommenden zehn Jahren plant die KfW Capital einen Ausbau ihres Zusagevolumens in Höhe von rund zwei Milliarden EUR. Dadurch soll die Qualität der Beteiligungsfinanzierung insgesamt erhöht sowie Finanzierungslücken geschlossen werden. Ob dies ausreicht, um der Abwanderung vielversprechender Unternehmen entgegenzuwirken, bleibt zu beobachten.

Venture Capital: Weiterführende Informationen zur Wagniskapitalfinanzierung des BMWi

Auf der Homepage des BMWi finden Sie detaillierte Informationen zu den genannten Finanzierungslösungen einschließlich Kontakt zum jeweiligen Projektverantwortlichen. 

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Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Content Creator für die Social StartUp-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig. Seit 2019 recherchiert die studierte Kulturwissenschaftlerin für dich alle Fakten und Zusammenhänge, die du in deinem Tagesgeschäft brauchst.