02.10.2019

SprinD: Was kann die neue Agentur für Sprunginnovationen?

Es war keine Kleinigkeit, die Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Forschungsministerin Anja Karliczek am 18. September bekanntgaben. Die mit rund 1 Milliarde Euro Fördervolumen ausgestattete Agentur für Sprunginnovationen wird künftig am Standort Leipzig ihre Arbeit aufnehmen. Die hier beschäftigten Innovationsmanager sollen Innovationen aus Deutschland, die das Potenzial haben, Branchen zu verändern, zum Durchbruch verhelfen. Damit will der Bund den deutschen Mittelstand und hiesige Hidden Champions gegen die bislang dominierenden Innovateure USA und China stärken. Wie Sie mit Ihrer Idee künftig große Sprünge setzen, erläutern wir Ihnen anhand der Inhalte des Innovationsprogramms.

Sprunginnovationen in Deutschland stärken

Eine Sprunginnovation zeichnet sich aus durch

  1. eine radikale technologische Neuheit und/ oder
  2. ein hohes Potenzial für eine marktverändernde Wirkung

Das staatliche Interesse an einer Einführung eines Förderinstruments für Sprunginnovationen ist groß:

  • bislang kommen disruptive Innovationen bzw. Sprunginnovationen, die sich durch neue marktverändernde Geschäftsmodelle oder radikale technologische Neuerungen auszeichnen, aus anderen Staaten wie den USA oder China
  • zur Gruppe der zehn wertvollsten Unternehmen zählen Technologiekonzerne, die ausschließlich aus diesen beiden Staaten kommen
  • traditionelle Branchen mit deutschen Markt- und Innovationsführern (Hidden Champions) werden zunehmend durch Unternehmen aus dem Ausland auf der Basis disruptiver Technologien oder Geschäftsmodelle herausgefordert

Mithilfe der nun gegründeten Agentur für Sprunginnovationen sollen in Deutschland verwertete Sprunginnovationen zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum, zur Schaffung neuer hochwertiger Arbeitsplätze und zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

Die Förderung von Forschergemeinschaften, Gründern und StartUps mit disruptiven Innovationspotenzial soll im Kern eine neue Wertschöpfung in Deutschland sicherstellen durch

  • die Entwicklung hochinnovativer Produkte, Prozesse und Dienstleistungen und daraus folgend
  • die Erschließung neuer Hochtechnologiefelder, Märkte, Branchen und neuer Geschäftsmodelle für die deutsche Wirtschaft

Da bahnbrechende Entwicklungen bzw. Sprunginnovationen nicht nur von kapitalstarken etablierten Unternehmen generiert werden, sondern im Einzellabor oder KMU ist ein staatlicher Unterstützungsbedarf in Form der Agentur für Sprunginnovationen den Initiatoren ein besonderes Anliegen. 

Die Hauptaufgabe der Agentur wird darin bestehen

  • hochinnovative Ideen zu neuen Produkten und Dienstleistungen mit marktveränderndem Potential zu entwickeln,
  • zur Anwendungsreife zu bringen und
  • sie an potentielle Verwerter oder Investoren zu vermitteln, bevor internationale Wettbewerber die Idee aufgreifen können.

Die Identifikation und Förderung von Forschungsideen mit Sprunginnovationspotential steht im Fokus der Agentur und ihrer befristet angestellten Innovationsmanager. Diese sollen aus Sicht der Gesellschaft bzw. der potenziellen Anwender/ Nutzer "relevante Probleme" lösen.

Die Agentur versteht sich als Anlaufstelle für kreative Personen mit hochinnovativen Ideen für ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung mit marktveränderndem Potential. Das gleiche gilt für interessierte Investoren, die Sie laut eigener Aussage gern mit marktreifen disruptiven Ideen vertraut macht. 

Die Agentur wird in der Rechtsform einer GmbH gegründet und ist als solche vom Bund zur Umsetzung der Initiative zur Förderung von Sprunginnovationen für den zivilen Anwendungsbereich beauftragt. Der Bund ist Alleingesellschafter der GmbH. Zum Gründungsdirektor wurde Softwareunternehmer Rafael Laguna de la Vera berufen.

Im Rahmen der zunächst ausgerichteten Projektlaufzeit und der Spitzenprojekte mit einer maximalen Laufzeit von 6 Jahren beschäftigt die Agentur für Sprunginnovationen sogenannte Innovationsmanager, die innovative Projekte zur Förderung vorschlagen.

Innovationsmanager sind durchweg im Innovationsbereich erfahrene und erfolgreiche Persönlichkeiten aus Wissenschaft oder Wirtschaft mit einem fundierten technologisch-wissenschaftlichen Verständnis der von ihnen im Rahmen ihrer Arbeit vorgeschlagenen bzw. bearbeiteten Problemstellungen. Skalierung und Marktreife sind oberste Auswahl-Prämissen eines konsequent nutzer- bzw. anwenderfokussierten Programms. Die Innovationsmanager verfügen über besondere Handlungsfreiräume bei der Steuerung der Vorhaben im Sinne eines effektiven Portfoliomanagements. 

Die Abläufe gliedern sich intern wie folgt

  1. Die Innovationsmanager schlagen der Agentur konkrete, durch Spitzenprojekte zu lösende Problemstellungen vor und suchen anschließend die aus ihrer Sicht zur Problemlösung am besten geeigneten Projektideen und –teams aus.
  2. Die Manager vergeben verantwortlich finanzielle Zuwendungen an die Projektdurchführenden - ab bestimmten Größenordnungen mit Zustimmungserfordernis der Geschäftsführung - und kontrollieren den Projektverlauf einschließlich der Erfüllung zuvor festgelegter Meilensteine.
  3. Je nachdem, welche Erfolge erzielt wurden, entscheiden die Innovationsmanager abschließend außerdem über Beendigung oder Verlängerung der geförderten Projekte.

Die regelmäßige Geschäftstätigkeit der neu gegründeten Agentur am Standort Leipzig unter Leitung von Rafael Laguna de la Vera muss in der Praxis erst noch zeigen, inwiefern die Außenkommunikation der Manager zu einer direkten Bewerbung aufrufen wird. Neben der federführenden Auswahl durch die Innovationsmanager selbst, soll es in jedem Falle Projektausschreibungen geben, auf die sich Gründer und StartUps als Spitzenprojekt werden bewerben können. 

Zunächst geben Bund und Agenturpersonal die Themenbandbreite vor, innerhalb derer passende Ideen und Konzepte und entsprechend fähige Innovationsmanager gesucht werden. Über die Zeit soll ein Themenspeicher entstehen, z.B. durch regelmäßige Workshops, eine aktive Suche nach Ideen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, durch Crowdsourcing, Trendscouts, Foresight-Prozesse, Innovations- und Technikanalysen sowie offene Ausschreibungen. Anhand dieses Themenspeichers entwickelt die Agentur Innovationswettbewerbe und themenspezifische Ausschreibungen.

Der genaue Ablauf der bezeichneten Verfahren aus selbstmotivierter Vorauswahl von passenden Projekten und Businessplänen  durch die Manager sowie außerdem geplanten Innovationswettbewerben wird sich wie bereits erwähnt mit Aufnahme des Geschäftsbetriebs erst konkretisieren.

Die Website des BMBF sollten Interessierte ab sofort in Clickweite wissen.

Für die Anlaufphase des Programms von 2019-2022 sind Mittel in Höhe von mindestens 151 Mio. EUR kalkuliert. Die insgesamt zunächst zehnjährige Laufzeit ab 2019 soll mit zusätzlichen Mitteln von insgesamt rund 1 Mrd. EUR gefördert werden.

Im Rahmen dieser ersten Experimentierphase veranstaltet die Agentur für Sprunginnovationen Innovationswettbewerbe und identifiziert Spitzenprojekte, die mit den Haushaltsmitteln in einem Zeitraum von jeweils maximal 6 Jahren zur Marktreife geführt werden sollen. 

Drei Pilotinitiativwettbewerbe hat das BMBF bereits gestartet – die Wettbewerbe „Energieeffizientes KI-System“, „Organersatz aus dem Labor“ und „Weltspeicher“. 

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Auf EU-Ebene firmiert sich derweil der Europäische Innovationsrat (EIC). Dieser soll sich künftig ebenfalls der Förderung von Innovation widmen. Die Agentur für Sprunginnovationen will eine Brücke zu den europäischen Initiativen bilden und hat sich namentlich mit Deutschland und Frankreich bereits für eine Zusammenarbeit und einen Fokus auf Gründungs- und Wachstumsförderung von Hightech-StartUps auf EU-Ebene ausgesprochen.

Die Agentur für Sprunginnovationen verfügt über noch keine eigene Homepage. Aktuelle Mitteilungen zum Innovationsförderprogramm stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF regelmäßig ins Netz.

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Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.