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27.12.2019

Meister-BAföG

Mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht in 12 Gewerken zum 1. Januar 2020 hat die Bundesregierung erst kürzlich den Wert der Meisterausbildung im Handwerk bestätigt. Ab August 2020 sollen nun außerdem die Fördersätze des Aufstiegs-BAföG deutlich angehoben werden. Alle Informationen zur Neuregelung des Förderprogramms lesen Sie hier.

Meisterberuf Glasbläser

Meister-BAföG 2020: Die wichtigsten Änderungen der 4. Novelle des Aufstiegsbildungsförderungsgesetzes (AFGB)

  1. Im Rahmen ihrer Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) hatte die Bundesregierung bereits im Juni 2019 angekündigt, noch in dieser Legislaturperiode mehr als 350 Mio. EUR für Fördermaßnahmen nach dem Aufstiegsbildungsförderungsgesetz (AFGB) bereitzustellen. Damit soll berufliche Weiterbildung und lebensbegleitendes Lernen stärker als bisher gefördert werden. Weiterbildung soll keine Ausnahme sein, sondern ein "selbstverständlicher Teil der Erwerbsbiographie". 
  2. Die 4. Novelle des Aufstiegsbildungsförderungsgesetzes (AFGB) sieht hierfür einige inhaltliche Anpassungen, aber auch deutliche Erhöhungen der Fördersätze vor, die bei geradliniger Beschlussfassung ab dem 1. August 2020 in Kraft treten.
  3. Weiterbildungen, die nicht zum Meister, aber zu einem höheren Abschluss, als dem bisherigen in der Berufsgruppe führen (z.B. vom Gesellen zum Servicetechniker), werden ab August 2020 als Maßnahmen auf der ersten beruflichen Fortbildungsstufe ebenfalls im AFGB gefördert. 
  4. Die Fördersätze für Zuwendungen zum Unterhalt, der Maßnahmenbeitrag für Lehrgangs- und Prüfungskosten sowie die Unterstützung für Materialkosten sollen ebenfalls zum 1. August 2020 steigen.
  5. Der monatliche Unterhaltsbeitrag für Alleinstehende in einer Vollzeitfortbildung soll von aktuell maximal 768 EUR pro Monat auf dann maximal 892 EUR pro Monat steigen. Wird dieser zur Zeit noch zu 50 Prozent als Zuschuss bezahlt, während die restliche Summe als zinsgünstiges KfW-Darlehen gewährt wird, gelten ab August 2020 erleichterte Bedingungen. Dann soll der  Unterhaltsbeitrag vollständig als Zuschuss geleistet werden.
  6. Der maximale Maßnahmenbeitrag für Lehrgangs- und Prüfungskosten von aktuell 15.000 EUR bleibt unverändert, soll allerdings ab kommenden Jahr nicht mehr wie bislang nur zu 40 Prozent, sondern zu 50 Prozent als Zuschuss gewährt werden. Die Restsumme kann gleichbleibend durch zinsgünstige Darlehen der KfW aufgebracht werden.
  7. Verbessert werden auch die Bedingungen der dritten Zuschussleistung, die angehenden Meistern für die Erstellung Ihres Meisterstückes zusteht. Bis zu einem Maximalbetrag von 2000 EUR förderte der Bund bislang anteilig zu 40 Prozent die Materialkosten im Zuge der Anfertigung. Für die restlichen 60 Prozent steht die KfW als zinsgünstiger Finanzierungspartner zur Verfügung. Ab August 2020 sollen Materialkosten für die Anfertigung eines Meisterstücks jeweils zur Hälfte als nicht rückzahlbarer Zuschuss und zinsgünstiges Darlehen gewährt werden.

Meister-BAföG: Was wird gefördert?

Berufliche Weiterbildungen, die gezielt auf eine öffentlich-rechtliche Prüfung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG), der Handwerksordnung (HwO) oder auf gleichwertige Abschlüsse nach Bundes- oder Landesrecht vorbereiten, sind im Aufstiegsbildungsförderungsgesetz (AFGB) förderfähig. Die Maßnahmen zur Weiterbildung müssen dabei mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen.

In diesen Gewerken gilt ab 1. Januar 2020 wieder die Meisterpflicht

Meisterberuf Orgel- und Harmoniumbauer

Bundesregierung beschließt Wiedereinführung der Meisterpflicht

Nach monatelangen Debatten hat der Bundesrat in seiner letzten Sitzung zum Jahresende die Wiedereinführung der Meisterpflicht in insgesamt 12 Gewerken zum 1. Januar 2020 bestätigt. Bereits Anfang September hatte die große Koalition einen entsprechenden Regierungsentwurf auf den Weg gebracht. Für bereits bestehende Unternehmen der betroffenen Branchen gilt ein Bestandsschutz.

Meister-BAföG: Wer wird gefördert?

Wenn Sie über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen und einen Fortbildungsabschluss zum/zur Handwerks- und Industriemeister/in, Erzieher/in, Techniker/in, Fachkaufmann/frau, Betriebswirt/in anstreben, können Sie sich im Förderprogramm bewerben. Gefördert werden auch Bachelor-Absolventen oder vergleichbare Abschlüsse, wenn diese der höchste Bildungsabschluss sind. Ab August 2020 sollen auch Maßnahmen auf der ersten beruflichen Fortbildungsstufe gefördert werden, also z.B. vom Gesellen zum Servicetechniker. Diese können auch in Teilzeit absolviert werden, wenn Sie mindestens 200 Unterrichtsstunden umfassen.

Meister-BAföG: Wie wird gefördert?

Prinzipiell erfolgt die Aufstiegsförderung anteilig in Form von nicht rückzahlbaren Zuschüssen sowie zinsgünstigen Darlehen der KfW. Die Aufstiegsförderung gliedert sich in drei Säulen:

  • monatlicher Unterhaltsbeitrag bei Vollzeitmaßnahmen in Abhängigkeit von Einkommen und Familienstand; es besteht ein Vermögensfreibetrag von derzeit 45.000 EUR
  • anteiliger Zuschuss zu den Lehrgangs- und Prüfungsgebühren
  • anteiliger Zuschuss zu den Materialkosten für die Anfertigung des Meisterstücks

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Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.