24.02.2021

Restrukturierungen ganzheitlich kommunizieren

Betriebswirtschaftlich notwendig und hochemotional, Sanierungen und Restrukturierungen erfordern deine ganze Führungskraft. So gelingt die Mediation. Sanierungen ohne Insolvenzverfahren sind für coronabedingt überschuldete Unternehmen eine Chance für den Neustart. In der Kommunikation notwendiger Einschnitte zählen Fakten und Fingerspitzengefühl.

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Restrukturierungen ganzheitlich kommunizieren

Sanieren ohne Insolvenz: 5 Tipps für deine Krisenkommunikation

Änderungen im Sanierungs-und Insolvenzrecht ermöglichen coronabedingt überschuldeten Unternehmen die Sanierung ohne Insolvenzverfahren auf der Basis eines Restrukturierungsplans. Damit dieser gelingen kann, ist es wichtig mit allen durch die Einschnitte betroffenen Mitarbeitern und Gläubigern eine transparente Kommunikation zu pflegen. 

Es reicht nicht betriebswirtschaftliche Überlegungen, die deine Entscheidung der Restrukturierung ohne Zweifel rechtfertigen, anzuführen. Damit deine Sanierung gelingen kann, musst du der Ängste und Sorgen aller involvierten Personen und Institutionen gewahr sein und proaktiv adressieren. Dies ist entscheidend für das gesamte Gelingen deiner Restrukturierung. 

Du bist fürsorglich, nicht rücksichtslos

Ganz gleich, welche Verschwiegenheitserklärungen betriebsintern gelten, in Restrukturierungsphasen kann die Loyalität deiner Mitarbeiter schnell schwinden. Dringen Betriebsinterna an die Öffentlichkeit und suggerieren diese ein rücksichtloses Vorgehen der Geschäftsführung gegenüber betroffenen Beschäftigten, kann dies das gesamte Vertrauen in dein Unternehmen zerstören.

Unterschätze nicht die Feedback Loops, die eine z.B. negative Berichterstattung oder brancheninternes "Geflüster" auf deine Kunden und Geschäftspartner ausüben. Im schlimmsten Fall gefährdest du den Erfolg deiner gesamten Sanierung, gelingt es dir nicht notwendige Fakten mit Fingerspitzengefühl zu vermitteln.

Mit diesen 5 Tipps gelingt die Kommunikation schwieriger Entscheidungen:

1. Kenne dein Ziel

Bereits zu Beginn deiner Sanierung musst du klar kommunizieren, welches Ziel deine Restrukturierung verfolgt. Droht ein komplexer Stellenabbau oder die Reduzierung einzelner flexibler Positionen? Welche Bereiche sind von der Sanierung und hier von konkreten Einsparungen betroffen? Hast du dies für dich festgelegt und allen Beteiligten vermittelt, vermeidest du Motivationsabfälle in deiner gesamten Belegschaft und kannst eine tragfähige Verhandlungs- und Kommunikationsstrategie entwickeln.

2. Sei transparent

In der Vermittlung der Notwendigkeit erforderlicher Einsparungen solltest du offen aufzeigen, warum gerade hier Einschnitte erfolgen müssen und dass diese wohlüberlegt geprüft, aber unausweichlich für den Fortbestand deines Unternehmens sind. Adressiere gleichzeitig Kompensationsmodelle für betroffene Beschäftigte und externe Stakeholder mithilfe derer du negative Auswirkungen auszugleichen suchst.

3. Adressiere unterschiedliche Bedürfnisse

Überlege, welchen individuellen Bedürfnissen einzelner Betroffener du nachkommen musst. Dies können geförderte Weiterbildungen für von Streichungen betroffene Mitarbeiter sein, aber auch das in Aussicht stellen einer zukünftigen Wiederaufnahme einer Zusammenarbeit mit externen Geschäftspartnern. Versetze dich in die Lage deines Gegenübers. Wie kannst du die Eigeninteressen unterschiedlicher Betroffener adressieren, ihre Kooperationsbereitschaft gewinnen und Widerstände abfedern? Für jede von deiner Sanierung betroffene Interessengruppe gilt es eine eigene Kommunikationsstrategie zu entwickeln.  

4. Sei geschlossen nach innen und außen

Als Faustregel für eine nachhaltige Krisenkommunikation in Restrukturierungsverfahren gilt: Du bist der erste Ansprechpartner für alle Sachverhalte, die das Sanierungsverfahren betreffen. Niemals darf der Worst Case des Flurfunk, Boulevard-Palaver oder eine externe Berichterstattung dir zuvorkommen. 

5. Das Ding muss laufen

Eine Sanierung ist kein Selbstläufer. Damit sie gelingen kann, gilt es die Ziele für den Fortbestand deines Unternehmens ebenso frühzeitig zu kommunizieren, wie den dafür notwendigen Verzicht auf nicht länger umsatzfördernde Positionen. Ein fürsorglicher und ausgleichender Umgang mit Beschäftigten, die das Unternehmen womöglich verlassen müssen, erhöht die Motivationsbereitschaft aller übrigen Teammitglieder, gemeinam mit dir am Erreichen genau dieser Ziele zu arbeiten.

So sanierst du dein Unternehmen ohne Insolvenzverfahren

Sanieren ohne Insolvenzverfahren: So erstellst du einen Restrukturierungsplan

Ist dein Unternehmen aufgrund der Coronakrise überschuldet, darfst du ein Restrukturierungsverfahren ohne Insolvenz einleiten. Nutze diese Checkliste. Lockdown, Betriebsschließungen, verspätete Soforthilfen, Unternehmer kämpfen um den Erhalt ihrer Lebensleistung bei gleichzeitiger Vorsicht vor Insolvenzverschleppung. Mit einem soliden Restrukturierungsplan kann dir der Neustart gelingen.

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Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis zum 31. Januar 2021, neue Regeln im Insolvenzrecht: Das müssen Unternehmen in Schwierigkeiten beachten. Unternehmen, die pandemiebedingt in eine Schieflage geraten sind, erhalten neue Unterstützung. Nutze die Verlängerung der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht, Sanierungsmaßnahmen ohne Insolvenzverfahren und eine verkürzte Restschuldbefreiung.

Führungskompetenz in Krisenzeiten: Arbeitgeber Tipps

Das Gefühl von Zusammengehörigkeit und Kampfgeist, es schwindet im dritten Lockdown. So schwörst du dein Team trotzdem auf den Krisenendspurt ein. "Harte Zeiten" stehen bevor, wer wüsste das nicht längst, "bis Ostern". Wann war Ostern noch mal? Trotz Erschöpfungserscheinungen unter Arbeitgebern und ihren Mitarbeitern gilt es jetzt, nicht minder entschlossen zu führen.

Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Redakteur für die Social Startup-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig.

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