04.11.2019

Fachkräftemangel: So gewinnen KMU neue Mitarbeiter

Familiäre Atmosphäre, flache Hierarchien und breite Ausbildungsqualität

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Laut KfW-Mittelstandspanel 2018 rechnen zwei Drittel der KMU, die in den nächsten drei Jahren neue Mitarbeiter einstellen wollen, mit Problemen bei der Stellenbesetzung. Dies ist eine deutliche Verschlechterung gegenüber den Werten, die noch im Jahr 2014 erhoben wurden. Verschärfen könnte sich die Lage weiterhin, wenn ab 2025 die Babyboomer-Generation in den Ruhestand tritt. Dabei müssen kleine und mittlere Unternehmen die Konkurrenz mit Großkonzernen nicht scheuen, wenn es um die Akquise neuer Mitarbeiter geht. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich auf ihre ureigenen Stärken besinnen und diese selbstbewusst kommunizieren.

Fachkräfte gewinnen

KfW Mittelstandspanel 2018: Zahlen und Fakten zum Fachkräftemangel in Deutschland

66% der KMU wollen in den nächsten drei Jahren neue Mitarbeiter einstellen. Dies ist mehr als im Jahr 2014. Dass Sie hierbei erfolgreich sein werden, bezweifeln die Unternehmer jedoch branchenübergreifend weit häufiger, als dies noch vor vier Jahren der Fall war.

Die häufigsten Ursachen, die als Gründe dafür genannt werden, dass Unternehmer keine Fachkräfte finden, sind

  • ein “Bewerbermangel im Berufsbild“(77%) (57% im Jahr 2014)
  • zu hohe Lohnforderungen (38%) (44% im Jahr 2014)
  • fehlende Zusatzqualifikationen (37%) (35% im Jahr 2014)
  • unattraktiver Standort (15 %)
  • unattraktive Arbeitsbedingungen (23%)

Auffallend ist die Verschärfung des Bewerbermangels in den gesuchten Berufen, wohingegen zu hohe Lohnforderungen aktuell weniger relevant sind, als noch im Jahr 2014.

Fachkräftemangel in einzelnen Branchen: Wer hat es besonders schwer?

Insbesondere in der Baubranche hat sich die Lage verschärft. Waren 2014 noch 75% der Unternehmen von einem Fachkräftemangel betroffen, sind es 2018 bereits 90%. Dies beeinträchtigt zunehmend den Wohnungsbau, weil durch die entstehenden Engpässe Unternehmer nicht mehr mit Baugenehmigungen Schritt halten können.

Der forschungs- und entwicklungsintensive Teil des Verarbeitenden Gewerbes ist ebenfalls schwerwiegend betroffen. Einen Bewerbermangel im Berufsbild befürchten hier 81% der Unternehmen. Wissensintensive und sonstige Dienstleister sind vergleichsweise gut aufgestellt. Hier befürchten jedoch immer noch 75% bzw. 73% der einstellenden Unternehmen personelle Engpässe.

Zu den Mangelberufen zählen branchendivers u.a. 

  • Hebammen, Physio-/Sprachtherapeuten, Apotheker, Podologen u.a. (wissensintensiver Gesundheitsbereich)
  • Softwareentwicklung und IT-Anwendungsberatung sowie in der Steuerberatung (wissensintensive Dienstleister)
  • Engpassberufe in der Ver- und Entsorgung auf mittleren Qualifikationsstufen, aber auch Friseurmeister und Fahrlehrer (Sonstiger Dienstleistungssektor)

Fachkräfte sichern: 3 Rekrutierungstipps für KMU

Prinzipiell empfiehlt die KfW allen Entscheidern eine Erhöhung der Erwerbsquoten, mehr Investitionen in die Fachkräftezuwanderung und in Weiterbildungsmaßnahmen, um demografischen Entwicklungen entgegenzuwirken.

Verstehen Sie Ihr Unternehmen z.B. als lernende Organisation und sorgen Sie auch zuständigkeitsübergreifend für stete Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter. Zwar sind neben dem Mangel im Berufsbild zu hohe Lohnforderungen nach wie vor ein K.o.-Thema für kleine und mittlere Unternehmen gegenüber der größeren Konkurrenz. Mit Ihren ureigenen Stärken können Sie diesen Nachteil aber wieder wettmachen:

1. Betonung des familiären Klimas, flacher Hierarchien und individueller Entwicklungsmöglichkeiten

KMU können gegenüber großen Unternehmen mit einer persönlichen Atmosphäre und einem direkten Draht zum Chef punkten. Individuelle Entwicklungsmöglichkeiten können unkomplizierter und schneller realisiert werden, als in großen Unternehmen, wo der Weg nach oben in der Regel durch die Abteilungen und Institutionen erfolgen muss. Punkten Sie gegenüber Bewerbern mit einer inklusiven Führungskultur.

2. gutes Betriebsklima

In kleinen und mittleren Unternehmen ist der Kontakt unter Kollegen und Vorgesetzten per se unmittelbarer. Betonen Sie den Zusammenhalt und die gegenseitige Wertschätzung in Ihrem Unternehmen außerdem z.B. durch regelmäßige Teamveranstaltungen.

3. höhere Ausbildungsqualität durch individuelle Betreuung

Gewinnen Sie Ihre Fachkräfte von morgen, indem Sie mit einer breiten und individuellen Ausbildung den Nachwuchs im Gewerbe auf sich aufmerksam machen. Aufgrund der Vielschichtigkeit interner Abteilungen und Zuständigkeiten in großen Unternehmen, können Auszubildende hier häufig nicht die volle Bandbreite der Ausbildungsinhalte durchlaufen. In einem kleinen Team mit flachen Hierarchien ist bei entsprechender Planung eine breite Ausbildung möglich. Stellen Sie Bewerbern im Anschluss die Übernahme in Aussicht.

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Fachkräftemangel in KMU: Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel

Im Vergleich zu Großkonzernen sind kleine und mittlere Unternehmen zu bescheiden in ihrer Außenkommunikation. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Unternehmen in sozialen Netzwerken präsent ist und benennen Sie hier unabhängig vom konkreten Bedarf alle Elemente, die Sie im Sinne einer positiven Arbeitskultur Ihren Mitarbeitern bieten. Gelingt Ihnen dies, so werden Sie zwar nach wie vor eher nicht die Gehälter aufrufen können, wie es die Konkurrenz zweifellos tut. Im Hinblick auf eine langfristige Zusammenarbeit und das tägliche Miteinander sind die genannten Vorteile kleiner und mittlerer Unternehmen dennoch konkurrenzfähig.

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Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.

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