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08.10.2019

Finanzierung ohne Sicherheiten: So gelingt dein Bürgschaftsantrag

Bürgschaften sind ein erfolgreiches Instrument einer Kombination aus Selbsthilfe und Staatshilfe, das insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen zugute kommen soll. Dennoch scheitern viele Unternehmer immer noch bereits im Vorfeld der Verhandlungen. Wir zeigen dir die häufigsten Fehler im Zuge der Antragstellung und wie du sie vermeiden kannst.

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Gründer brauchen starke Partner

Die Bürgschaftsbanken verteilen sich innerdeutsch auf die jeweiligen Bundesländer und folgen hier individuellen Bürgschaftsprogrammen.

Die grundsätzliche Aufgabe der Bürgschaftsbanken ist die Übernahme vollwertiger Sicherheiten für die Hausbank des antragstellenden Unternehmens. Die Sicherheiten umfassen sowohl Existenzgründungen und Betriebsübernahmen, als auch Betriebserweiterungen, Betriebsmittel und Leasing-Verträge.

Einzelunternehmer und KMU verfügen häufig nicht über die notwendige Kapitalbasis und ausreichende Sicherheiten, um Seed-Investments zu tätigen oder um sich zu vergrößern. Hier sollen die Bürgschaftsbanken den Gründern und Unternehmern durch die Übernahme von Sicherheiten den Zugang zu Kapital erleichtern.

Sämtliche Bürgschaftsbanken und Mittelständische Beteiligungsgesellschaften sind im Verband deutscher Bürgschaftsbanken e.V. organisiert. Auf der Homepage des Vereins findest du die für dich zuständige Bürgschaftsbank und kannst dich im ersten Schritt mit den in deinem Bundesland verfügbaren Programmen vertraut machen.

Den Antrag im von dir favorisierten Programm stellst du jedoch immer bei deinem Kreditinstitut, das eng mit der jeweiligen Bürgschaftsbank zusammenarbeit. Alle Formulare erhältst du hier von deinem Berater bzw. kannst du dir außerdem auf der Homepage der in deinem Bundesland zuständigen Bürgschaftsbank downloaden.

Trotz der guten Bilanzierung des Förderinstruments, gibt es nach wie vor abgelehnte Anträge und damit eine entscheidende Finanzierungslücke bei Unternehmensauf- oder ausbau auf Seiten der Antragsteller. Doch das muss nicht sein. Die häufigsten Fehler, die zur Ablehnung führen, lassen sich auf 5 Punkte reduzieren:

  1. zu optimistische Umsatzerwartungen
  2. zu knappe Kostenkalkulationen
  3. mangelnde Hinterfragung von Preismargen bei Ankäufen
  4. fehlende Authentizität des Antragstellers
  5. mangelndes Durchhaltevermögen

1. zu optimistische Umsatzerwartungen

Gestalten deinen Finanzplan als Teil deines Businessplans nicht mit einer zu optimistischen Umsatz- und Ergebniserwartung, um möglichst schnell möglichst viel Gewinn zu erzielen. Die Bürgschaftsbank wird immer die Zahlen gegenrechnen und überprüfen, ob du realistisch kalkulieren kannst.

2. zu knappe Kostenkalkulationen

Kalkuliere genügend Anlaufkosten für dein Unternehmen, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Als Anlaufkosten gelten alle Kosten, die zu Beginn deiner Geschäftstätigkeit noch nicht oder nicht vollständig durch deine Einnahmen gedeckt werden können. Dazu zählen z.B. die Betriebskosten für Räumlichkeiten, Personal, Versicherungen und Fahrezugkosten sowie erforderliche Privatentnahmen. Indem du diese Kosten ausreichend adressierst, demonstrierst du unternehmerischen Weitblick gegenüber der Bürgschaftsbank. Beschönige nichts, kalkuliere auch Anpassungen (z.B. Miete) ein. Unter Umständen können Haus- und Bürgschaftsbank in der Zusammenarbeit weitere Finanzierungswege aufzeigen (z.B. die Gewährung eines Kontokorrentkredits oder befristete Darlehen).

3. mangelnde Hinterfragung von Preismargen bei Ankäufen

Wenn du im Zuge einer Betriebsübernahme eine Bürgschaft beantragen willst, solltest du im Vorfeld das zu besichernde Objekt solide bewerten lassen. Deine Haus- und Bürgschaftsbank unterstützen dich dabei. Oftmals wird ein genannter Preis ohne Hinterfragung vom Antragsteller akzeptiert. Bedenke, dass es immer Preisspannen gibt, die es unter Inbezugnahme aller weichen Faktoren (Kundenstamm etc) auszuloten gilt.

Sollte der Kaufpreis deine Ressourcen übersteigen, kannst du gemeinsam mit deiner Bürgschaftsbank außerdem eine Beteiligung durch die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft avisieren. Bund und Förderbanken haben darüber hinaus mit Auflage des Mikromezzaninfonds bereits seit einigen Jahren den Grundstein für eine Eigenkapitalaufstockung im Zuge deiner Gründung gelegt.

Die 15 Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBGen) sind ebenfalls im Verband Deutscher Bürgschaftsbanken e.V. (VDB) zusammengeschlossen und auf der Homepage des Verbands auffindbar.

Wichtigste Aufgabe der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften ist die Verbesserung der Bilanzrelationen von Existenzgründern sowie kleinen und mittleren Unternehmen durch eine langfristige Bereitstellung von Beteiligungskapital. Diese erfolgt meistens in Form von eigenkapitalähnlichen, typisch stillen Beteiligungen. Die Beteiligungsgesellschaften arbeiten nicht renditeorientiert und bieten mittelstandsfreundliche Konditionen.Du bleibst außerdem weiterhin unabhängig, denn die Beteiligungsgesellschaften nehmen keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft ihrer Beteiligungsnehmer.

4. fehlende Authentizität des Antragstellers

Banken wollen Zahlen sehen, aber nicht nur. Bürgschaftsbanken statten Unternehmern im Zuge der Antragstellung gern einen Besuch ab. Hier geht es vorallem um deine Glaubwürdigkeit, die im Zusammenspiel mit Mitarbeitern und allgemein im Unternehmensalltag getestet wird. Frei nach dem Motto - Ist der Betriebsinhaber glaubwürdig, dann sind es wahrscheinlich auch seine Zahlen - solltest du auf Kohärenz in deiner Außendarstellung achten.

5. mangelndes Durchhaltevermögen

Selbst wenn deine Eigenkapitalbasis bei weitem nicht ausreicht, alle Anfangs- bzw. Übernahmeinvestitionen zu leisten, solltest du immer das Gespräch mit deiner Haus- und deiner Bürgschaftsbank suchen. Die Banken haben deutliche Spielräume in der Mittelfreigabe, sofern du solide Geschäftszahlen vorweisen kannst (Übernahme) bzw. eine solide Rentabilitätsvorschau, die erkennbar macht, dass du deinen Unternehmerlohn wirst verdienen können (Gründung).

Formulare zum Bürgschaftsantrag: Erstelle hier deinen kostenfreien Businessplan

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Der Klassiker unter den SEED-Finanzierungen ist das von BMWi und KfW verantwortete KfW-Startgeld. Es handelt sich hierbei um einen Kredit, der Gründern und Jungunternehmern in den ersten 5 Jahren ihrer Geschäftstätigkeit offen steht. Insgesamt bis zu 100.000 EUR können bewilligt werden. 80% der bewilligten Summe sind von der Haftung freigestellt. Deine Hausbank übernimmt nur 20% des Ausfallrisikos. Dadurch bist du auch ohne unmittelbare Sicherheiten kreditwürdig. Erfahre hier alle Details, wie du dieses Förderinstrument in 5 einfachen Schritten effektiv nutzen kannst.

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Realistische Zahlen mit genügend Puffer für Ausfälle sind die entscheidende Grundlage für deinen Bürgschaftsantrag. Dein Businessplan muss sowohl Planzahlen für die Tragfähigkeit der Investition anführen, als auch Jahresabschlüsse und aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA), die deine gesamte wirtschaftliche Lage berücksichtigen.

Ergänze diese solide ermittelten Kennzahlen um eine offene authentische Kommunikationskultur und einem Abschluss steht nichts mehr im Wege.

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Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.