16.01.2021

Unternehmensnachfolge planen: Corona-Krise lähmt Zukunftsplanung im Mittelstand

Zwischen Übergabe und Stilllegung: Mehr als die Hälfte der kleinen und mittleren Unternehmen weiß nicht, ob und wann sie eine Nachfolge planen können. Das KfW-Nachfolge-Monitoring zeigt die Schwierigkeiten des Generationenwechsels aufgrund der Corona-Pandemie. Alteigentümer und ihre Nachfolger haben dennoch Grund für Optimismus.

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Generationenwechsel trotz Corona-Krise

51 % der kleinen und mittleren Unternehmen haben Nachfolge-Probleme

Zum ersten Mal im Nachfolge-Monitoring von KfW Research gaben über die Hälfte der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) an, dass unklar sei, ob und wann sie ihr Lebenswerk an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger werden übergeben können.

Ein Unterschied bestand lediglich im Fall der kurzfristigen Übernahmen älterer Unternehmer, die kurz bevor standen. Unternehmer im nahenden Ruhestandsalter halten auch in Krisenzeiten an ihren Plänen zur Betriebsübergabe fest. Mittelfristig geplante Nachfolgepläne geraten unterdessen ins Stocken.

Stilllegungen durch Corona-Hilfen abwenden

Unter dem Vorbehalt, dass die Corona-Krise auch weiterhin durch staatliche Hilfen abgefedert wird und sich die Anlaufschwierigkeiten des deutschlandweiten Impfverfahrens nicht wiederholen, könne die schon jetzt erhöhte Wahrscheinlichkeit von Stilllegungsplänen doch noch abgewendet werden.

Immer noch zu wenig Gründergeist unter potentiellen Nachfolgern

Wenn die geburtenstarke Babyboomer-Generation sich im Lauf der kommenden 10 bis 15 Jahre aus dem Erwerbsleben zurückzieht, wird sie eine große Lücke hinterlassen. Dabei ist es nicht der mangelnde Gründergeist an sich, der die Nachfolge in Deutschland erschwert. Wie die KfW ebenfalls herausgefunden hat, sind es gerade die unter 30-Jährigen, die trotz Krise wieder verstärkt eine Selbstständigkeit planen. Es ist jedoch deutlich kostengünstiger ein eigenes Unternehmen z.B. schlank und schnell als Lean Entrepreneur oder zumindest schrittweise zu finanzieren. Im Vergleich dazu haben Übernahmen laut Analyse des KfW-Gründungsmonitors einen überdurchschnittlichen Finanzierungsbedarf.

"Corona-Effekt" und das Problem Dringlich vs. Wichtig

Die Brisanz des Nachfolgeproblems erkennst du erst auf den zweiten Blick und im direkten Vergleich mit den Vorjahren. Zwar gaben 51 % der Unternehmerinnen und Unternehmer an, aktuell gar keine konkreten Überlegungen zu ihrem Rückzug und der Zeit danach anzustellen. Diese Größenordnung ist jedoch grundsätzlich erwartbar und unbedenklich, denn die Hälfte der befragten Unternehmerschaft (49 %) ist unter 55 Jahre alt und damit weit entfernt von einem akuten Handlungsbedarf.

Trotzdem waren die Aussagen der Unternehmer in den Vorjahren noch weit weniger unkonkret. Der entsprechende Anteil bewegte sich deutlich geringer zwischen 41 und 45 %. Die KfW nennt dies den "Corona-Effekt": Durch die Krise wird die Zukunft unsicherer und akute Probleme drängen in den Vordergrund. Krisenmanagement statt Zukunftsplanung mit fatalen Folgen. Detailbetrachtungen der KfW lieferten bereits erste Indizien für eine krisenbedingt zunehmende Wahrscheinlichkeit von Stilllegungen. 

NEXXT-CHANGE: Nachfolgebörse verzeichnet Angebotsmangel

Die Internetplattform www.nexxt-change.de liefert pro Monat mehr als 600 neue Nachfolge-Angebote für Gründer, die sich für eine Betriebsübernahme interessieren. Im Verlauf des Corona-Krisenjahres 2020 konnte man aber auch hier die Unsicherheit von Alteigentümern spüren, denn die Inserate brachen deutlich ein.

Wurden im Februar 2020 noch ca. 650 neue Inserate angelegt, waren es am Ende des ersten harten Lockdown im April nur noch 300. Im Verlauf des Sommers und Herbstes stiegen die Zahlen wieder etwas mehr an, allerdings nach wie vor deutlich unter Vorkrisenniveau. Im Oktober und November deutet sich spätestens mit dem "Lockdown light" ein neuer Negativtrend an.

Tipp für Alteigentümer und potentielle Nachfolger: Das Matching entscheidet

Unternehmerinnen und Unternehmer, deren Rückzug kurz bevorsteht, halten laut KfW-Nachfolge-Monitoring auch in der Krise an ihren Übergabeplänen fest.

Der demografische Wandel mache dies deutlich:

  • 29 % der mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmer sind über 60 Jahre alt.
  • Der Anteil der 65-jährigen Unternehmerinnen und Unternehmer liegt bei 13 %.

Der Anteil der KMU, die aufgrund erhöhter Dringlichkeit des Lebensalters in den kommenden zwei Jahren ihre Nachfolge abwickeln wollen, steigt im Jahr 2020 auf 7 % des gesamten Mittelstands. In den Vorjahren lag der Anteil bei 4 bis 6 %. 

Der gleichzeitige Anstieg der allgemeinen Gründungsbereitschaft in der Generation der unter 30-Jährigen gerät zeitnah geplanten Betriebsübergaben möglicherweise zum Vorteil. In jedem Fall sollten beide Interessentengruppen auf Plattformen wie der nexxt-change Unternehmensbörse regelmäßig nach einem passenden Partner für die geplante Nachfolge Ausschau halten.

Krisenmanagement und Zukunftsplanung in Einklang bringen

Das Gelingen geplanter Betriebsübernahmen hängt stark von der Schwere und dem weiteren Verlauf der Corona-Krise ab. Eine gelungene Nachfolge erfordert in der Regel einen mehrjährigen Planungsvorlauf. Muss die Planung,  insbesondere von mittelfristig anstehenden Übergaben durch ein im Moment stark forderndes Corona-Krisenmanagement zu lange aufgeschoben werden, schwinden laut KfW die Erfolgschancen. Umgekehrt könnten bereits weit fortgeschrittene Verhandlungen noch auf der Ziellinie an drastisch veränderten Rahmenbedingungen für z.B. von Betriebsschließungen betroffene Unternehmen scheitern.

Solltest du dich in einem der genannten Szenarien wiederfinden, gilt es im Alltag stets das Prinzip "Dringlich vs. Wichtig" abzuwägen. Es muss dir gelingen, trotz schwieriger Bedingungen dein laufendes Geschäft zu organisieren, um deine Existenz zu sichern. Im gleichen Zug solltest du unternehmerische Kern- und Zukunftshemen nicht aus den Augen verlieren.  

KfW Research: Nachfolge-Monitoring 

Den Auswertungen des KfW-Nachfolge Monitor 2020 liegen im Wesentlichen zwei Datenquellen zu Grunde: das KfW-Mittelstandspanel und der KfW-Gründungsmonitor. Beide werden von KfW Research eigens erhoben und liefern jeweils eine repräsentative Datenbasis der kleinen und mittleren Unternehmen bzw. des Gründungsgeschehens in Deutschland.

Die vollständige Auswertung zum KfW-Nachfolge-Monitoring findest du als Beitrag Fokus Volkswirtschaft Nr. 308 veröffentlicht im Dezember 2020 auf KfW Research.

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Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Redakteur für die Social Startup-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig.

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