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18.12.2014

Crowdfunding.Correctiv.org sammelt Geld für investigativen Journalismus

Mit Crowdfunding.Correctiv.org gibt es in Deutschland eine neue Plattform für investigativen Journalismus. Hier lassen sich Themenvorschläge für Hintergrundreportagen einreichen, die dann von den Unterstützern finanziert werden können. Das Modell dürfte sowohl für freie Journalisten, als auch für Nutzer interessant sein, denen ein Thema auf den Nägeln brennt und die hier eine Chance erhalten, es zu recherchieren und aufzuklären.

Eine neue Crowdfunding-Plattform für investigativen Journalismus ist online. Ins Leben gerufen wurde sie vom Recherchebüro correctiv. Auf Crowdfunding.Correctiv.org werben seit dem 16. Dezember 2014 journalistische Projekte um Finanzierungen. Dabei soll es um aufwändige Hintergrundreportagen gehen, die über gesellschaftliche Mißstände aufklären.

Crowdfunding und unabhängiger Journalismus - das Jahr 2014 hat mit der Plattform Krautreporter bereits ein vieldiskutiertes Modell für diese Verbindung hervorgebracht. Dabei ging es darum eine komplette Online-Zeitung für unabhängigen Journalismus für ein Jahr vorzufinanzieren. Crowdfunding.Correctiv.org wählt nun einen etwas anderen Ansatz für ähnliche inhaltliche Anliegen.

Während bei den Krautreportern kritisiert wurde, dass die Unterstützer die Katze im Sack kaufen mussten - über die genauen Inhalte schwieg man sich während des Verlaufes der Kampagne aus - setzen die Initiatoren von correctiv auf ein anderes Geschäftsmodell. Die Nutzer können eigene Themenvorschläge für Rechercheprojekte einreichen, die dann auf der Plattform finanziert werden. Dabei werden die Themenvorschläge von den correctiv-Journalisten geprüft, bevor sie auf unterstützt werden können.

Erreicht eine Kampagne die Fundingschwelle, fließt das eingesammelte Kapital in intensiv recherchierte Reportagen. Dabei garantieren die Macher der Plattform um den Journalisten David Schraven, dass jedes erfolgreich finanzierte Projekt auch zu Ende geführt wird. Gerät der Initiator an seine Grenzen, führt das correctiv-Team die Recherchen zu einem Ergebnis.

Derzeit stehen auf Crowdfunding.Correctiv.org sechs Projekte zur Auswahl. Da geht es um das Zustandekommen von Kosten für Zahnbehandlungen, um den Verkauf von Überwachungstechnologie ins Ausland, um private Gefängnisse oder um die Verschwendung öffentlicher Mittel im Ruhrgebiet. Die Gemeinsamkeit besteht im Anliegen Transparenz zu schaffen.

Die neue Plattform dürfte dabei vor allem für freie Journalisten und Publizisten eine gute Möglichkeit sein, unabhängig von redaktionellen Zwängen Themen zu bearbeiten, die sonst schwer einen Abnehmer bei den Medien finden. Doch ein weiterer Vorteil des Modells ist, dass auch Nichtjournalisten Themenvorschläge einbringen können. Den Nutzern wird also ein viel stärkeres Mitspracherecht eingeräumt als dies bei traditionellen Medien der Fall ist. Durch die Betreuung der Profis bleibt gleichzeitig die journalistische Qualität gewährleistet.

Als weitere Motivation für die Unterstützer setzt man auf kleine Gegenleistungen, also auf reward based Crowdfunding. Ab einer Summe von 50 Euro erhält man eine Mitgliedschaft bei correctiv, die wiederum mit kostenfreien Leistungen wie zusätzliche Hintergrundinformationen, kostenlosen Bücher und Einladungen zu Veranstaltungen verbunden ist. Da das von der Brost-Stiftung mitfinanzierte Recherchebüro als gemeinnützig anerkannt ist, sind Beträge mit denen man das Zustandekommen der Reportagen unterstützt auch steuerlich absetzbar.

Aufbau und Vetrieb von Crowdfunding.Correctiv.org wird von Startnext unterstützt, eine der grössten Plattformen im deutschsprachigen Raum, wenn es um Crowdfunding für kulturelle Projekte geht.

Über den Autor

Stephan Leistner