Minijobs: grosse Helfer für kleine Unternehmen

Wenn du als Existenzgründer oder routinierter Unternehmer kleinere Hilfen in deinem Geschäft benötigst, dann bieten dir Minijobber eine einfache Lösung. Was es mit kurzfristigen, geringfügigen Minijobs auf sich hat, welche aktuellen Regelungen du beachten musst und was künftig seitens der Gesetzgeber geplant ist, haben wir für dich zusammengefasst.

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Änderung bei Minijobs: grosse Helfer für kleine Unternehmen

Minijobs helfen besonders kleinen Unternehmen

Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, einer besonderen Dienststelle der Bundesarbeitsagentur, waren im Jahr 2014 durchschnittlich 40 Prozent der Mitarbeiter in kleinen Unternehmen via Minijob angestellt. In Großen waren dies nur etwa 10 Prozent.

Demnach entfallen auf kleine Unternehmen nur 15 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, dafür aber 36 Prozent aller geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse. Insgesamt nutzten im Erhebungsjahr 2014 rund 20 Prozent aller Unternehmen Minijobs.

Seit dem deutlichen Anstieg der Minijobs im Jahr 2003  aufgrund der Hartz-Reformen von etwa 4 Millionen auf über 6 Millionen in Haupt- oder Nebenbeschäftigung, schwanken die geringfügigen Beschäftigungen in Deutschland auf einem hohem Niveau.

Zu Ende des Vorkrisenjahres 2019 waren es laut Minijob-Zentrale im gewerblichen Bereich rund 1,8 Millionen Arbeitgeber, welche 6,8 Millionen Minijobber beschäftigten. Im Dezember 2020 waren dies krisenbedingt dann nur noch rund 1,7 Millionen Arbeitgeber mit knapp über 5,8 Millionen Minijobbern.

Die Zahlen der Minijobber würden nach dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung noch höher liegen, hätte die Politik nicht die von den Unternehmen abzuführenden Abgaben zur Sozialversicherung von 22 Prozent im Jahr 1999 auf 30 Prozent ab dem Jahr 2006 erhöht.

Geringfügige und kurzfristige Minijobs

Minijobs, beziehungsweise geringfügige Beschäftigungsverhältnisse wurden ab 1977 klar im Sozialgesetzbuch definiert, um Mitarbeiter für einen geringen Arbeitsumfang unbürokratisch anstellen zu können. Seitdem haben sich insbesondere folgende drei Kriterien der geringfügigen Beschäftigung im Laufe der letzten Jahrzehnte geändert:

  • monatliche Entgeltgrenze
  • maximale Arbeitszeit
  • Beiträge zur Sozialversicherung

Aktuell begrenzt sich der monatliche Bruttolohn eines Minijobs auf maximal 450 Euro monatlich. Die Beschäftigten erhalten diesen Bruttolohn in der Regel ohne Abzüge. Dafür zahlt das beschäftigende Unternehmen einen festen Sozialversicherungsanteil. Somit profitieren insbesondere die geringfügig Beschäftigten finanziell von einem Minijob.

Aber auch kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse können Minijobs sein. Dabei geht es um Aushilfstätigkeiten welche auf 3 Monate oder 70 Arbeitstage begrenzt sind. Jedoch, sind dabei bestimmte Spielregeln zu beachten.

So gelten kurzfristige Beschäftigungen nur als geringfügige Beschäftigungen, wenn die Beschäftigung nicht berufsmäßig ausgeübt wird und somit für den Arbeitnehmer nur von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist. Das maximale Arbeitsentgelt von 450 Euro ist dabei nur ein Kriterium. Insbesondere bei der geplanten Minijob-Anstellung von Arbeitslosen, Elternzeitnehmenden sowie Schülern, Azubis und Studenten nach ihrer Ausbildung ist für beide Seiten Klärungsbedarf geboten.

Bei kurzfristigen Beschäftigungen musst du als Unternehmer grundsätzlich keine Sozialabgaben abführen. Jedoch hast du als Arbeitgeber die Umlage1 zur Arbeitsunfähigkeit sowie die Umlage2 zur Mutterschaft plus Insolvenzgeldumlage abzuführen. Sein Lohn, ist mit der Steuerklasse des Arbeitnehmers zu versteuern. Bei einer kurzfristigen Anstellung nicht länger als 18 Tage und einer  Nichtüberschreitung der Lohnobergrenze von 120 Euro je Arbeitstag ist auch eine Pauschalversteuerung mit einem Steuersatz von 25 Prozent möglich.

Als Minijob-Arbeitgeber gilt es die Aspiranten ausserdem zu fragen, ob diese mehrere solcher geringfügigen oder kurzfristigen Beschäftigungsverhältnisse nachgehen. In solchen Fällen müssen die Grenzen für Abgaben und Steuern aller dieser Minijobs summiert eingehalten werden. Ansonsten kann es entsprechend zu empfindlichen Nachforderungen kommen.

Anmelden und Abrechnen musst du deine Nebenjobber bei der Minijob-Zentrale. Dies kann unter bestimmten Umständen online erfolgen. Ausserdem musst du einen entsprechenden Arbeitsvertrag für Minijobber beachten.

520 Euro, geplante Änderungen bei den Minijobs

In der seit über einem Jahr laufenden Krise wurden die Regelungen zur kurzfristigen, geringfügigen Beschäftigung mehrmals lukrativer gestaltet. So gilt seit 1. März bis einschließlich 31. Oktober 2021 die Verbesserung, dass die Beschäftigung innerhalb eines Kalenderjahres auf längstens vier Monate oder 102 Arbeitstage statt 3 Monate oder 70 Arbeitstage als Minijobber geplant werden kann. Der Minijob darf dabei weiterhin nicht berufsmäßig ausgeübt werden und das Entgelt von 450 Euro im Monat nicht überstiegen werden.

Nach dem aktuell veröffentlichten Sondierungspapier zwischen den regierungsplanenden Parteien FDP, SPD und Grünen, sollen die Minijobregelungen angepasst werden. Demnach soll es künftig bei Minijobs wieder eine Wochenarbeitszeit von maximal 10 Stunden geben. Diese sollen zu Mindestlohnbedingungen vergütet werden. Wodurch eine Anhebung des Mindestlohns auf 520 Euro geplant ist.

Gleichzeitig wollen die drei Parteien verhindern, "dass Minijobs als Ersatz für reguläre Arbeitsverhältnisse missbraucht oder zur Teilzeitfalle insbesondere für Frauen werden."

Wie sich diese Regelung und weitere Reglementierungen der Minijobs dann in einem Koalitionsvertrag wiederfinden und wann sie den Weg in die Gesetzgebung finden, bleibt vorerst aber abzuwarten.  

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Minijobber waren die von der Krise mit am meisten betroffenen Personen, denn sie erhielten keinen staatlichen Ausgleich wie den erleichterten Zugang zum Kurzarbeitergeld. Die Lockdown geschädigten Arbeitgeber der geringfügig Beschäftigten sollten für deren Lohnausgleich sorgen. Dies hat das Bundesarbeitsgericht jetzt jedoch anders entschieden.

Arbeitsvertrag Minijob: Deine kostenlose Vorlage

Du willst dein Team mit einer Aushilfskraft verstärken? Wesentliche Inhalte für den Arbeitsvertrag Minijob plus Vorlage zum Download findest du hier. Ob als Saisonkraft in der Landwirtschaft oder Aushilfe in der Gastronomie, KMU, die Minijobber beschäftigen, profitieren von günstigen Abgaben und mehr Flexibilität.

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Wenn Sie auf geringfügiger Basis Mitarbeiter beschäftigen, zahlen Sie Arbeitnehmeranteile in die Sozialversicherung ein. Für die Minijobber selbst fallen gleichzeitig so gut wie keine Abgaben an. In welcher Höhe Sie als Arbeitgeber Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge sowie weitere Abgaben leisten, lesen Sie hier.

Über den Autor
René Wendler

René Wendler

René hat die letzten 20 Jahre erfolgreich Geschäftsmodelle zur Betreuung von Gründern und Unternehmer aufgebaut. Damals wie heute adressiert er gemeinsam mit seinem Team Solo-Selbstständige und Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern, welche weder die mediale noch politische Aufmerksamkeit haben, obwohl sie 95% aller Unternehmen in Deutschland stellen und 60% aller Arbeitsplätze absichern. Daraus entstanden ist auch unternehmenswelt.de, die mittlerweile größte Anlaufstelle für Gründer und Unternehmer in der D/A/CH Region mit über 500.000 Mitgliedern.

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