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11.07.2020

Mehrwertsteuer Gastronomie: 19%, 7% oder doch 5%?

19%, 7% oder doch 5%? Welcher Steuersatz wird wann in der Gastronomie fällig? Bis zum 30. Juni 2021 musst du zwei entscheidende Stichtage beachten. Die ohnehin unterschiedlichen Steuersätze für In oder Außer-Haus-Verzehr werden für Gastronomen in der Corona-Krise zur buchhalterisch kniffligen Angelegenheit.

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19%, 7% oder doch 5%: Welcher Steuersatz wird wann in der Gastronomie fällig?

Die Regeln und die "neue Normalität": Grundsätzlich gelten für in gastronomischen Betrieben zubereitete und zum Verzehr angebotene Speisen ein Mehrwertsteuersatz von 19%. Dieser ist reduziert auf 7%, wenn ein hauptsächlicher Tresenverkauf oder Take Away stattfindet. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Ausnahmen, die eine genaue Zuschreibung des Steuersatzes vielleicht offenkundig nahelegen mögen, der Teufel im Detail jedoch zu einem anderen Ergebnis kommt (Stichwort "Milchmischgetränk Cappuccino").

Die Corona-Krise hat insbesondere Gastronomen hart getroffen. Sie konnten erst spät und unter stark eingeschränkten Bedingungen ihr Geschäft wieder aufnehmen. Die Bundesregierung hatte deshalb zunächst auf Vorstoß von DEHOGA Bayern und der CSU im April  eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie beschlossen. Diese gilt mit einem ermäßigten Steuersatz von 7% seit dem 1. Juli befristet bis zum 30. Juni 2021.

Anfang Juni im Rahmen des Konjunkturpakets hat die Bundesregierung im Zuge weiterer Corona-Steuergesetze die allgemeine Mehrwertsteuer vom 1. Juli 2020 bis zum 31.12. 2020 ebenfalls gesenkt. Konkret sinkt dadurch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 % auf 5 % und der Mehrwertsteuersatz für Konsumgüter von 19 % auf 16 %. 

Was bedeutet das für Gastronomen in der Praxis: Wer zahlt wann wie viel?

Seit 1. Juli gilt auf Basis des Koalitionsbeschlusses vom 22.4.2020, dass deine Gäste, ganz gleich ob sie ihr Essen am Tresen oder am Tisch verzehren, den ermäßigten Steuersatz von 7% zahlen müssen. Zeitgleich an diesem Tag trat auch die allgemeine Mehrwertsteuersenkung in Kraft. Sie wiederum reduziert den allgemeinen ermäßigten Steuersatz bis zum Jahresende von 7% auf 5%. Ab dem ersten Januar 2021 wird der ermäßigte und der Standardsteuersatz dann wieder angehoben, der Steuersatz für den Verzehr in und außer Haus beträgt dann aber immer noch und einschließlich bis zum 30.06.2021 7%.

Steuersätze und Zeiträume im Überblick

  • 1.7.2020 - 1.1.2021: 5 % Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie
  • 1.1.2021 - 30.6.2021: 7 % Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie
  • 1.7.2021 - 31.12.2021: nach Regelbesteuerung voraussichtlich 19% Inhouse und 7% TakeAway

Wie es ab dem 1. Juli 2021 genau weitergeht, bleibt noch abzuwarten. Forderungen nach einer Ausdehnung der befristeten Zeiträume für die jeweiligen Steuersenkungen sind besonders durch DEHOGA Spitzenverbände vorgetragen worden. Schon lange setzt sich insbesondere der bayerische Landesverband ein für eine allgemeine Senkung des Steuersatzes in der Gastronomie auf 7% sowohl für Speisen, als auch für Getränke.

Du musst die Mehrwertsteuersenkung in deiner Buchhaltung korrekt berücksichtigen und ganz allgemein im B2B Rechnungsverkehr. Wenn du über ein modernes elektronisches Kassensystem verfügst, kannst du die entsprechenden Steuersätze unkompliziert voreinstellen. Beachte: Bis spätestens 30. September 2020 (Ende der Übergangsfrist) musst du auf jeden Fall ein elektronisches Kassensystem gemäß Kassengesetz mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung nutzen!

Tipps und Tools für Gastronomen

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Umsatzsteuer in der Gastronomie: Wer zahlt wann wie viel?

Das Finanzamt schaut bei Betriebsprüfungen genau hin, ob du deinen Gästen den richtigen Umsatzsteuersatz berechnest. Grundsätzlich gilt für die Gastronomie der reguläre Satz von 19 Prozent. In bestimmten Fällen aber kannst du den begünstigten Satz von 7 Prozent anwenden. Das ist häufig der Fall, wenn deine Gäste die Speisen nicht vor Ort in deinem Lokal verzehren. Wann genau, liest du hier.

BMWi: Unkomplizierte MwSt.-Senkung mit Pauschalrabatt

Unternehmer können die befristete Mehrwertsteuersenkung ab 1. Juli unbürokratisch durch Pauschalrabatte umsetzen. Das hat das BMWi jetzt entschieden. Grundlage hierfür ist eine Ausnahmeregelung gemäß § 9 Absatz 2 der Preisangabenverordnung. Was dieser konkret besagt und welche Ausnahmen von der Ausnahme dennoch gelten, erfährst du hier.

UNLOCK: Die COVID-19-App für die Gastronomie

Mit der UNLOCK-App kannst du als Gastronom die Einhaltung der Corona-Regeln in deinem Bundesland anhand von digitalen Checklisten dokumentieren. Die App ist für dich vollkommen kostenfrei nutzbar. Bei kurzfristigen Änderungen werden die Datensätze systemseitig stets aktualisiert.

Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Content Creator für die Social StartUp-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig. Seit 2019 recherchiert die studierte Kulturwissenschaftlerin für dich alle Fakten und Zusammenhänge, die du in deinem Tagesgeschäft brauchst.