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23.03.2020

E-Commerce und Corona: Herausforderungen und Chancen für Händler

Verzögerte Lieferungen, Auftragsstornierungen und leere Lager, eine aktuelle Umfrage des Händlerbunds macht die Auswirkungen der Corona-Krise auch für Online-Händler deutlich. Was die Branche konkret befürchtet und wie Amazon und eBay Herausforderungen für Händler in Chancen umzuwandeln suchen, erfährst du hier.

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Auch im E-Commerce werden die Abstände größer

Herausforderungen und Chancen für Online-Händler in der Corona-Krise

Insgesamt 412 E-Commerce-Unternehmen hat der Händlerbund in seiner aktuellen Studie "Coronavisrus 2020: Auswirkungen auf den Online-Handel" Anfang März 2020 befragt. Entstanden ist ein Stimmungsbarometer der Branche, das Ängste, aber auch Hoffnungen der Händler in Bezug auf eine perspektivische Verbesserung der Situation deutlich macht. 

  1. 70% der befragten Händler sind geschäftlich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Nur 30 % fühlten sich geschäftlich bislang nicht beeinträchtigt.
  2. Handelsbeschränkungen und Restriktionen etwa in der grenzüberschreitenden Logistik stellt die Zuliefererketten vor logistische Schwierigkeiten. Die befragten Online-Händler gaben an, dass 52 % ihrer Zulieferer Probleme hatten ihre jeweilige Dienstleistung zu erbringen: "Da wir zu 95 % auf Lieferungen aus China angewiesen sind, gibt es erhebliche Verzögerungen bei Nachbestellungen fast aller Produkte."
  3. Im Kontakt mit Kunden sind ebenfalls Verunsicherungen für die Händler spürbar. Einzelstimmen berichten von einem Vertrauensverlust: "Kunden fragen uns, ob von unseren IT-Produkten ein Infektionsrisiko ausgeht. Das Vertrauen in ‘Made in China’ ist derzeit massiv gestört."
  4. 47% der Händler sind aktuell verunsichert, welche weitreichenden Folgen die Corona-Pandemie für ihr Geschäft noch haben wird: "Wir investieren zurückhaltend und haben kostenintensive Projekte und Neueinstellungen von Personal gecancelled." 
  5. Dass sich der Verlauf der Corona-Krise noch verschlechtern könnte, glaubt die überwiegende Mehrheit der Befragten (44%). Jedoch schätzten 38 Prozent, dass nach einer anfänglichen Verschlechterung ebenso eine Verbesserung eintreten werde. "Mittelfristig werden alle kämpfen müssen, langfristig ist noch keine Prognose machbar. Jetzt muss erst erstmal ‘auf Sicht’ gefahren werden." heisst es dazu beispielhaft aus der Mitte der befragten Online-Händler.

Die vollständige Auswertung der Studienergebnisse hat der Händlerbund online hier für dich bereitgestellt. 

Amazon startet PPC-Aufruf an FBA-Händler und solche, die es werden wollen

Ganz anders indes Plattform-Player Amazon. Das Unternehmen weist aktuell zwar ebenfalls darauf hin, dass Lieferverzögerungen aus dem Ausland eintreten können und hatte in diesem Zusammenhang zum 17. März auch einen FBA Anlieferstopp verhängt. Gleichzeitig wirbt der Konzern aber unter den Amazon FBA-Händlern und solchen, die es werden wollen.

Eine spezielle Pay-Per-Click-Strategie für genau derlei Krisensituationen könne ihnen dabei helfen, möglichst kosteneffizient hohe Preise am Markt durchzusetzen. So sei die Nachfrage in der Corona-Krise nur in bestimmten Bereichen zurückgegangen, in anderen wiederum nur wenig. Händler, die jetzt ihre Waren anböten, könnten deutliche Absatzzuwächse verzeichnen und kosteneffizient hohe Preise erzielen.

Auch werde es möglich sein, in manchen "Nischenmärkten" während der Krise einen noch höheren Preis zu erwirtschaften, als vor Einsetzen der weltweiten Pandemie.

Keine Verkaufsprovision und kostenloser Premiumshop: So unterstützt eBay Händler und solche, die es werden wollen

Ein Soforthilfeprogramm für Online-Händler bietet ab heute Marktplatz-Betreiber eBay. Damit sollen sowohl kleine Unternehmen und lokale Händler in Deutschland, die den Online-Marktplatz für den Verkauf ihrer Waren nutzen, unterstützt werden, als auch stationäre Händler, die aktuell mit sinkenden Umsätzen und Geschäftsschließungen zu kämpfen haben. Vier konkrete Maßnahmen sollen den aktiven und potentiellen eBay-Händlern dabei helfen ihre Credibility und Liquidität zu sichern sowie schnell und einfach Zugang zum digitalen Handel zu erhalten, um Einbrüche im lokalen Geschäft aufzufangen:

  1. eBay schützt deinen Service-Status: Da viele eBay-Händler aktuell nachvollziehbare Schwieigkeiten in der rechtzeitigen Bearbeitung und Versand bestellter Waren haben, räumt der Marktplatz-Betreiber seinen Händlern eine Service-Kulanz ein. Konkret in der Zeit vom 20. März bis zum 20. Juni 2020 verzichtet das Unternehmen darauf den Servicestatus eines Verkäufers aus diesen Gründen herabzustufen. Erst am 20. Juni 2020 werde eine neue Bewertung stattfinden. Verkäufer, deren Serviceleistung sich im genannten Zeitraum hingegen verbesserte, würden selbstverständlich ungeachtet der Interimsregelung weiterhin hochgestuft.
  2. eBay setzt die Verkaufsgebühren aus: Um insbesondere kleine Händler dabei zu unterstützen, ihre Liquidität zu schützen, bietet eBay den betroffenen Verkäufern einen Aufschub der Zahlung ihrer Verkaufsgebühren um 30 Tage an. Wenn du dieses Angebot wahrnehmen willst, findest du hierzu ab dem 25. März weitere Details auf der Seite zum Coronavirus im eBay-Verkäuferportal. 
  3. eBay-Händler mit stationärem Geschäft werden besonders unterstützt: Wenn du als eBay-Händler außerdem ein stationäres Geschäft betreibst und dadurch in besonderem Maße von Umsatzrückgängen betroffen bist, hilft dir der Plattform-Betreiber mit weiteren Maßnahmen. Für alle Artikel, die du bis 30. Juni 2020 neu bei eBay einstellst und erfolgreich verkaufst, musst du keine Verkaufsprovision an eBay zahlen. Die Mitarbeiter von eBay beraten dich auch individuell mit Hinweisen, die speziell auf dein Geschäftsmodell zugeschnitten sind. Händler, die für dieses Programm in Frage kommen, werden in der kommenden Woche von eBay proaktiv angeschrieben und können dann entscheiden, ob sie das Angebot wahrnehmen wollen. Solltest du keine Post erhalten, aber dennoch am Hilfsprogramm für stationäre Händler teilnehmen willst, kannst du dich alternativ unter localhero@ebay.com an eBay wenden.
  4. eBay gibt dir Anreize für deinen Einstieg in den Online-Handel: Stationäre Händler, die sich jetzt initial entscheiden, ihre Produkte auch digital zu verkaufen, lädt eBay ein, es auf eben seinem Marktplatz zu tun. Als Incentive hierfür erhältst du für sechs Monate kostenfrei einen Premium-Shop auf eBay.de. Für erfolgreich verkaufte Artikel zahlst du drei Monate keine Verkaufsprovisionen. Für insgesamt sechs Monate kannst du außerdem den eBay Concierge Premium-Kundenservice kostenlos in Anspruch nehmen. Mit diesem Angebot gehst du keine langfristigen Verpflichtungen ein. Händler können laut eBay jederzeit aus dem Programm wieder aussteigen.

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Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.