09.03.2019

Der JPM Coin

JP Morgan CEO Jamie Simon führt hauseigene Crypto-Währung ein und wird dafür nicht gefeuert

Bitcoin? – „ein Betrug“ – so waren die Worte, die JP Morgan CEO Jamie Simon im Zusammenhang mit dem Crypto-Pionier noch 2017 als zutreffend erachtete. Sollte einer seiner Händler anfangen, damit zu handeln, so würde er ihn „binnen einer Sekunde feuern“, ließ er Investoren wissen. Mitte Februar nun wurde bekannt, dass die JP Morgan Entwickler einen hauseigenen Stable Coin entwickeln, der künftig die internen Geldflüsse der Bank zum Teil abwickeln soll. Bei einem diesbezüglichen Transaktionsvolumen von täglich ca. 6 Billionen USD keine kleine Angelegenheit. Der JPM Coin als Abbild eines digitalen Sinneswandels? Wir machen den Test!

Dass Bitcoin, wie Simon meinte, einen „begrenzten Markt“ bediene, aus verzweifelten „Venezolanern“ oder „Drogendealern“, würde sicher schon Twitter und Square CEO Jack Dorsey bezweifeln, der jüngst ankündigte seine Cash-App an das Bitcoin Lightning Network anzubinden. Damit wird die beliebteste App in der Kategorie Finanzen im Google Play Store für den Crypto-Pionier geöffnet. Man fragt sich außerdem, inwieweit diese Aussagen die Bemühungen der Bank konterkarieren, die sich seit längerem schon intern mit Blockchain-Technologie und KI beschäftigt. Dies beweisen ihre eigene Forschungs- und Entwicklergruppe oder das Projekt COIN. Gehört Klappern also auch hier zum Handwerk? Dass Simon´s Aussagen neben nicht zu leugnender Teilwahrheiten die Vorsicht der traditionellen Finanzmonopolisten verkörpern könnte, vor denen, die sie in der Sache obsolet machen bzw. den Anspruch auch hier das Heft weiterhin in der Hand zu halten, sei an dieser Stelle angemerkt.

Stable Coin oder nicht? - Wie ist der JPM Coin definiert und wo soll er eingesetzt werden?

Man kann den JPM Coin weniger per definitionem als Crypto-Währung bezeichnen als Bitcoin oder Ethereum, da er in der Struktur den stellvertretend Genannten teilweise widerspricht. JPM Coin soll im internen JPM Blockchain-Netzwerk Quorum als Transmitter dienen. Dass es sich hier um eine „enterprise-focused version of Ethereum“ handelt, nimmt man dabei im Hinblick auf eingangs Erwähntes mit einem Schmunzeln zur Kenntnis. Der JPM Coin wird zentral von JP Morgan ausgegeben und nur nach vorheriger Autorisierung ist das letztlich private Netzwerk zu nutzen bzw. wird lizenziert zur Verfügung gestellt. Dies von JP Morgan als regulative Sicherheit postulierte Verfahren widerspricht im Kern der dezentralen Struktur von z.B. eben Ethereum.

Digital durch Smart Contracts abgebildete Vertragsklauseln in Kombination mit einem schnellen Transaktionsvermögen der Blockchain sollen die Basis bilden für interne teils grenzübergreifende Zahlungsabwicklungen bis hin zu Unternehmensschuldverschreibungen entlang der Quorum-Blockchain mittels des JPM Coin zwischen JP Morgan und seinen Kunden. Die Tatsache, dass Quorum als Trademark geführt wird und nur vorher autorisierten Nutzern offen steht, wird Vitalik Buterin, CEO von Ethereum wohl einmal mehr in seiner ablehnenden Haltung klassischen Finanzinstituten gegenüber bestätigen. Dass mit dem JPM Coin grenzüberschreitende Zahlungen in Echtzeit abgewickelt werden sollen, dürfte außerdem als Adaption des Ripple-Geschäftsmodells in geplanter Ablösung der SWIFT verstanden werden.

Darüber hinaus sollen Schuldverschreibungen und regelmäßige interne Zahlungsflüsse zwischen Unternehmen und ihren Tochtergesellschaften auf Quorum und mithilfe des JPM Coin ausgeführt werden können. Letzterer ist dabei an den Wert des USD gekoppelt. Die Bezeichnung Stable Coin wollen seine Initiatoren aber dennoch nicht für ihn verwenden.

Cypherpunkbewegung meets White Collar - Wer macht das Rennen?

Gegenüber der technologischen Visionskraft der Cypherpunks anlässlich der Stunde Null im Jahr der globalen Finanzkrise 2008/2009 positioniert sich nun 10 Jahre danach kurz nach dem Bitcoin-Jubiläum mit dem JPM Coin ausgerechnet eine der größten US-Banken am Crypto-Markt, die zwar nicht über das originäre Know How verfügt, dafür aber den Kundenkreis für ihre Blockchain-Anwendung bereits in petto hat.

JP Morgan ist als Finanzinstitut für 80 Prozent der Unternehmen aus dem Fortune 500-Index tätig. „Pretty much every big corporation is our client, and most of the major banks in the world are, too.“, so formuliert dies JP Morgan Blockchain-Stratege Umar Farooq. „Even if this was limited to JPM Clients at the institutional level, it shouldn´t hold us back.“

Hier muss Ripple noch einiges an Akquise leisten, um der selbstbewussten Ansage seines Konkurrenten auf Augenhöhe zu begegnen. Ein spannendes Duell zwischen den Kontrahenten steht 2019 auf jeden Fall bevor.

Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.

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