19.07.2019

Crypto News der Woche 29/2019

CEO von Wash Trading-Dienstleister gibt Einblicke in sein „not entirely ethical“ Business, Libra-Hearing vor dem US-Senat, KI als Sicherheitsstratege unternehmerischer Clouddaten u.v.m.

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Es war keine leichte Woche für Facebook Head of Blockchain David Marcus. Zuerst musste er die Fragen des Senatsausschusses für Bankwesen, Wohnungswesen und städtische Angelegenheiten beantworten. Am Mittwoch wurde der Ton vor dem United States House Committee on Financial Services, der obersten Finanzaufsicht, noch etwas schärfer. Wir berichten über die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Libra-Kreuzverhör. Wenn Sie sich das nächste Mal fragen, ob sie in diesen einen vielversprechenden Coin investieren sollten, lesen Sie vielleicht noch einmal das Interview mit dem 20-jährigen CEO von Gotbit, Alexey Andryunin. Als Wash Trading-Dienstleister gibt er Einblicke in sein gut frequentiertes Geschäftsmodell. - Dies und mehr in den Crypto-News der Woche.

Blockchain im Alltag

Siemens Head of Cybersecurity und Blockchain, Andreas Kind erklärt Anwendungsfelder von Blockchaintechnologie bei Siemens Mobility

Infrastrukturen elektrifizieren, automatisieren und digitalisieren ist das Kerngeschäft von Siemens Mobility. Im Interview mit Forbes erklärt Siemens Head of Cybersecurity und Blockchain, Andreas Kind, wie besonders im Bereich Car Sharing und hier z.B. die papierlose Abwicklung aller Interaktionen der beteiligten Teilnehmer via Blockchain-Dokumentation und Smart Contracts-Interaktion erfolgen kann. Risiken werden minimiert, wenn es z.B. um den Wegfall von Tankkarten geht, die aktuell bei Verlust gern via Internet verkauft werden und den Betreibern Verluste bereiten können. Blockchain entbehrt derlei anachronistischer Wertspeicher. Im Bereich Smart Parking können Smart Devices in Interaktion mit Smart Contract-verbrieften Aktivierungsmechanismen auf der Blockchain nahtlose Automatisierungsprozesse in Gang setzen, in diesem Fall die automatische Kommunikation zwischen Fahrzeug und Parkschranke, die sich öffnet, sobald die erfolgte Transaktion im Netzwerk verfiziert wurde.

Samsung gründet Blockchain-Konsortium für digitale Identitäten

Wie BTC-ECHO in dieser Woche berufend auf eine Pressemitteilung von Konsortiummitglied und 5G-Pionier SK Telecom berichtet, hat sich der Elektronikkonzern Samsung mit u.a. dem Telekommunikationsführer SK Telecom, LG Ultra Plus oder Koscom, IT-Ableger der koreanischen Wertpapierbörse Korea Exchange zusammengeschlossen, um technologisch effizientere KYC-Verfahren zu gestalten. Ganz konkret bedeutet dies eine Integration von Blockchain-Technologie in die Samsung Knox-App. Hier können Nutzer personenbezogene Daten sicher ablegen und zwischen einer Vielzahl an (mobilen) Endgeräten austauschen. Der Bereich digitales Identitätsmanagement gilt als ein vielversprechendes Anwendungsfeld von Blockchain-Technologie im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung.

weitere Anbieter für Digitales Identitätsmanagement auf der Blockchain

Authenteq - Identitätsmanagement auf der Blockchain
Authenteq - Identitätsmanagement auf der Blockchain
Das u.a. in Berlin ansässige Blockchain-Startup Authenteq konnte jüngst ein erfolgreiches Seeding vermelden. Wie in einer Pressemitteilung vom 11. Januar 2019 bekannt wurde, investierten u.a. Draper Associates und die Capital300 5 Mio. USD in das isländisch-deutsche Unternehmen. Damit will Authentec weiter in den Markt der „Identity Verification as a Service“ als Basis für KYC und Customer Onboarding expandieren. Dieser ist bereits jetzt mit 10 Mrd. USD weltweitem Umsatz definiert und kann sich laut McKinsey in den kommenden Jahren noch verdoppeln. Um hier vorne mitzuspielen baut Authenteq auf Gesichtserkennung via Algorithmus und verschlüsselte Daten auf der Blockchain.

Crypto-Währungen

Isn´t it true, Mr. Marcus… - US-Senatoren nehmen Facebook Blockchain Lead David Marcus ins Kreuzverhör

Wer die Aufzeichnung live verfolgen konnte, erhielt in dieser Woche ein Lehrstück über US-amerikanischen Patriotismus und das entsprechende Selbstverständnis. Am Dienstag musste sich Facebook Blockchain Lead David A. Marcus den Fragen des Senatsausschusses für Bankwesen, Wohnungswesen und städtische Angelegenheiten stellen. Betont höflich und zurückhaltend konnte Ihn selbst Senator Kennedy nicht zu einem "Geständnis" der eigenen Fehlbarkeit besonders im Zusammenhag mit der Russlandaffäre 2016 bewegen (ab 1:06:32). Überhaupt begegnete Marcus den teils berechtigten Vorwürfen der Senatoren zu Facebooks mangelhafter Bewältigung von Datenschutzproblemen, Fake News und mehr in der Vergangenheit äußerst professionell und sachlich, betonte diesbezügliche interne Verbesserungen, die erreicht worden seien bzw. die man vorantreibe. Doch das genügte den Senatoren nicht. "Clean your own house first!" war die wiederholte Forderung. Besonders Geldwäsche und die Möglichkeit US Sanction Laws zu umgehen, beschäftigte die Senatoren. Eine verlässliche Aussage von Marcus war hier die wiederholte Betonung von "fully regulated and monitored on/off ramps" im Netzwerk. Dass sich alle Libra-Teilnehmer außerdem via ID-Verfahren ausweisen müssten, schränkt illegale anonyme Aktivitäten weiterhin ein. Selbstverständlich sind internationale Transaktionen im Libra-Netzwerk dadurch noch nicht ausreichend abgesichert, wie das Beispiel von Senatorin Kyrsten Sinema (ab 1:26:49)  deutlich machte. Marcus sicherte ihr und den übrigen Senatoren jedoch immer wieder die uneingeschränkte Zusammenarbeit der Libra Association für regulatorische Übereinkünfte zu. Ob dies eine "testimony" sein mag oder nicht, ob sie das überhaupt sein muss, lassen wir an dieser Stelle unbeantwortet. Selbst das G7-Finanzministertreffen erklärte Libra zwischenzeitlich zur Top-Priorität. Sehr sympathisch die Offensive aufnehmend, beantwortete Marcus vor den Senatoren die Frage, warum denn nun gerade facebook dieses weltweite digitale Geldsystem einführen müsse: "Because we have the ability and engineering resources to serve our clients in the way they want to...." - Weil wir´s können halt.

Jüngste Studie des Internationalen Währungsfonds prognostiziert Masseneinführung von neuen digitalen Währungen durch Netzwerkeffekt

Sechs Faktoren, haben laut einer aktuellen Studie des IWF zu einem rapiden Wachstum digitaler Währungen im Zahlungsverkehr geführt: Komfort, allgegenwärtige Verfügbarkeit, Komplementarität, niedrige Transaktionskosten, Vertrauen und Netzwerkeffekte: "Die ersten fünf Gründe könnten der Funke sein, der das Feuer des E-Geldes entfacht. Der sechste ist der Wind, der das Feuer verbreiten könnte. Die Macht des Netzwerkeffekts zur Verbreitung der Einführung neuer Dienste sollte nicht unterschätzt werden." Die Einschätzungen des IWF kommen erfrischend synchron im Zuge der aktuellen Diskussionen und teilweise Aktivismen rund um die öffentliche Einschätzung von Libra. Der IWF zieht interessante historische Parallelen, indem er die Einführung und Verwendung digitaler Währungen entlang der genannten 6 Gründe in ein ähnliches Verhältnis setzt zum Wechsel von E-Mail zu SMS und von SMS zu Social Messaging-Plattformen wie Whatsapp. Die Akzeptanz der Plattformen ist dabei exponentiell schneller gestiegen, als der anfängliche Umstellungsprozess auf die E-Mail. Verständlich also, dass etablierte Finanzinstitutionen den anstehenden Libra-Launch hinauszögern wollen. Welche Rolle laut Einschätzung des IWF die Zentralbanken im Rahmen dieser unweigerlichen Entwicklung spielen könnten, fasst Cointelegraph zusammen.

Handel mit Crypto-Währungen

Wie ranke ich als ShitCoin bei Coinmarketcap? - Zahlen Sie Gotbit einfach 15.000 USD, die kümmern sich drum….

Student im zweiten Jahr an der Moscow State University und gleichzeitig CEO von Gotbit, Wash Trading Dienstleister mit prominentem Kundenstamm aus den "300-500 positions on CoinMarketCap". Der erst 20-jährige Alexey Andryunin geht einem lukrativen, wenn auch „not entirely ethical“ business nach. Im Zuge der ICO-Welle gründete er mit einem Kommilitonen sein Unternehmen und verhalf zahllosen ShitCoins zum Listing auf kleinen Börsenplätzen (für jeweils 8000 USD Honorar), simulierte ihre Handelsumsätze (zum Listenpreis von 6000 USD für einen Monat "normale Handelsaktivität") bis hin zum etwas umfangreicheren Coinmarketcap-Listing für insgesamt 15.000 USD. Andryunin´s Aktivitäten liegen dabei durchaus im Interesse der prinzipiell umsatzorientierten Börsen und sind daher seiner Meinung nach weitgehend geduldet. Coinmarketcap Head of Marketing Carylyne Chan antwortete auf Nachfrage von Coindesk zum bekannten Problem mit Verweis auf die eigenen Listingkriterien und getroffenen Sicherheitsvorkehrungen, bezeichnete das Portal jedoch auch als "not in the business of censoring information.” Damit wird ein gewisser Fatalismus deutlich, der seitens der Regulierungsbehörden zu adressieren ist.

Mehr zu Shit Coins, Wash Trading und der bürdevollen Rolle von Coinmarketcap

Coinmarketcap Rating - Was kann der Fundamental Crypto Asset Score?
Coinmarketcap Rating - Was kann der Fundamental Crypto Asset Score?
Bis zu 90% aller Crypto-Börsen sollen laut aktueller Untersuchung von The Tie ihr Handelsvolumen fälschen. Die verlässlichen Schlaglichter Kraken, Coinbase oder Binance sind zwar nicht darunter. Die überdurchschnittliche Zahl betrügerischer Aktivitäten in der Crypto-Handelssphere ist letztlich aber auch für jene ein Image-Problem. Wir werfen einen Blick auf gefälschte Zahlen, Wash Trading und die Rolle von Ranking-Spezialist Coinmarketcap. Mit dessen neuem Analysetool – dem Fundamental Crypto Asset Score soll nämlich genau die veritable Potenz einzelner Cryptoprojekte besser abgebildet werden können.

Künstliche Intelligenz

Die Bedrohung erkennen, bevor sie aktiv werden kann - Schutz ihrer Clouddaten mithilfe Künstlicher Intelligenz

96 Prozent der Unternehmen nutzen Cloudspeicher für einen Teil ihrer Geschäftstätigkeit und stellen teils sensible Workloads immer verstärkter ins Netz. Die größte Angriffsfläche für Hacker liefert hier der Faktor "unsichere Schnittstelle" mit 42 Prozent und ein unbefugter Zugriff auf die Cloud mit ebenfalls 42 Prozent. Als weitere Probleme gelten "Fehlkonfigurationen der Cloud-Plattform" mit 40 Prozent sowie das "Kapern von neuen Accounts" mit 39 Prozent Hacking-Anteil. Um sensible Daten vor Cyberangriffen zu schützen, soll künftig verstärkt auf Künstliche Intelligenz gesetzt werden können. Dadurch sollen Unternehmen stärker in der Lage sein Echtzeit-Bedrohungserkennung zu praktizieren. Die enormen Datensätze, die eine Künstliche Intelligenz in ihrem jeweils eingesetzten Kontext sammeln, speichern und als regulär klassifizieren kann, ermöglichen ihr im Umkehrschluss die sofortige Erkenntnis von Abweichungen. Diese sogenannte Anomalie Detection kann IT-Mitarbeiter warnen und potenzielle Gefahren ausschalten. Künstliche Intelligenz entlastet damit insbesondere in kleinen Unternehmen die IT-Abteilung. KMUs können ihren Personaldruck verringern, indem sie die erste Analysestufe ihres Sicherheitssystem an Bots delegieren. Eine detaillierte Beschreibung der Verfahren zum "nachweislichen Schutz" Ihrer Geschäftsgeheimnisse finden Sie auf it-daily.net.

Unsupervised Learning als nächste Stufe zur Artificial General Intelligence? – Facebook Head of AI beschreibt Anwendung neuer Methoden auf dem Weg zum vernunftbegabten Algorithmus

Künstliche Intelligenz ist aktuell immer noch ganz schön schwach auf der Brust. So und nicht anders ist der Status Quo der Forschung trotz futuristisch anmutender Roboter, malender Algorithmen und Alexas Freundlichkeit. Yann LeCun, Facebook Head of AI, will das allerdings ändern. "Unüberwachtes Lernen" (Unsupervised Learning) ist das Zauberwort. Während beobachtetes Lernen (Supervised Learning) und Reinforcement Learning ein Ziel mittels menschlichem Input erreichen, benötigt unüberwachtes Lernen dies nicht – es zieht Muster aus bestehenden Daten ohne Hilfe von Außen. Dieses vorausschauende Agieren, bei dem der Algorithmus nur einen Teil seiner "Trainingsdaten" nutzt, um den Rest der Trainingsdaten vorherzusagen, wird bereits bei Textvorhersagesystemen angewandt, z.B. für die autocomplete Funktion. Anlässlich einer Branchenveranstaltung erklärte LeCun kürzlich, welche Methoden die künftige Forschung forcieren muss, damit Algorithmen ihre Umwelt kohärent erfassen und welchen konkreten Nutzen dies für die economy 4.0, z.B. den Bereich e-Mobility haben kann. "Es wäre sinnvoll, eine Videovorhersage im Kontext von autonomen Fahrzeugen vorzunehmen, wenn man wissen möchte, wohin sich andere Autos auf der Straße bewegen werden." Im Bericht von heise.de erhalten Sie einen ausführlichen Einblick in die aktuelle Diskussion über Grenzen und Möglichkeiten von KI.

Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.

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