21.06.2019

Die Libra-Währung von Facebook

Wieviel Crypto steckt im Coin?

Am 18. Juni wurde es endlich offiziell. Nachdem monatelang von geheimen Bürotrakten in der Facebook-Zentrale zu lesen war und mehrere „Insider“-Leaks die Schlagzeilen dominierten verlautbarte das Unternehmen nun offiziell „Calibra – das digitale Wallet für eine neue weltweite Währung“ ab 2020. Mit Gründung der gleichnamigen Tochtergesellschaft beteiligt sich Facebook damit am Netzwerk der Libra Association, die als NGO am Standort Genf ihren Sitz hat. 27 Unterstützer hat das Netzwerk bereits versammelt, die in ihrer Bandbreite und mit jeweiligem Einsatz von mindestens 10 Mio. USD den Anspruch Facebooks auf einen Wandel der weltweiten Wirtschaft untermauern.

„Reinvent money. Transform the global economy. So people everywhere can live better lives.“

Die Libra Association und das Libra-Netzwerk aus Paypal, Spotify, Uber, Mastercard & Co

Die Umsetzung der Mission von Libra, konkret das Credo „Reinvent money. Transform the global economy. So people everywhere can live better lives.“ liegt in den Händen der Libra Association und ihren Gründungsmitgliedern. Der Libra Association Council entscheidet über die technische Roadmap, überwacht die Libra Reserven gemäß der Reserve Management Policy und will außerdem einen digitalen Identitätsstandard entwickeln.

Head of Calibra Project ist David A. Marcus, der bei Facebook zuvor die Messenger App verantwortet hatte und als Executive bei Coinbase oder Pay Pal tätig war.

Das Gründungsteam der Libra Association setzt sich bislang sowohl aus Finanzdienstleistern wie Stripe, Mercado Pago, PayPal, VISA oder Mastercard zusammen. Darüber hinaus kennzeichnen Unternehmen wie Ebay, Spotify, Uber, Booking Holdings oder Vodafone die deutlichen Markteintrittsmöglichkeiten für die Libra-Währung als Zahlungsmittel.

(update Q4 2019: Der aktuell in 2019 und 2020 sich weiter noch abzeichnende Prozess der Regulierung von Libra formiert auch das Netzwerk seiner Unterstützer neu.)

Die Technologischen Kern-Features von Libra im Überblick

  • Open-Source Blockchain in der eigenen Programmiersprache Move; dApp-Entwicklung für externe Entwickler, "die im Laufe der Zeit geöffnet wird, um die Weiterentwicklung und Validierung von Move zu unterstützen"; entsprechende Einblicke ins Libra TestNet können Entwickler bereits jetzt erhalten
  • Validierungsmechanismus entlang der Byzantinischen Fehlertoleranz
  • Libra verschicken, sparen oder ausgeben praktisch mit der Calibra-Wallet in der Calibra-App; erhältlich im App Store und bei Google Play nach Vorankündigung
  • zugänglich für jeden „using a $40 smartphone from almost anywhere in the world“
  • „Hohe Transaktionsdurchleitung, geringe Latenz und ein effizientes Speichersystem mit hoher Kapazität“, die laut eigener Aussage skalierbar sind auf Milliarden von Anwender (bis zu 1.000 Transaktionen pro Sekunde sollen mit Libra abgewickelt werden können)
  • „Stable-Coin“, der gedeckt wird durch mehrere Fiat-Vertreter und physische assets unter Oberaufsicht der Libra Association, die gleichsam Emittierung und Vernichtung von Libra vornehmen darf
  • übergeordnetes Ziel ist "Banking the Unbanked" mittels wertstabilem Libra-Transmitter

Crypto-Karikatur Libra? - Kritische Stimmen zur Facebook-Währung

Die Hauptkritik an Facebook ist jene nach der Macht hinsichtlich Konsensfindung im Netzwerk. Hauptanliegen von Crypto-Währungen gegenüber Fiat ist die Dezentralität der Netzwerke. Die Verwaltung des Libra-Netzwerkes durch einige wenige potente Player konterkariert dieses Kriterium. Dies sieht Facebook selbst nicht anders, schränkt die kategorische Forderung allerdings ein:

„Um sicherzustellen, dass Libra wirklich offen ist und immer im besten Interesse der Nutzer handelt, ist es unser Ziel, dass das Libra-Netzwerk ein zulassungsfreies Netzwerk wird. Die Herausforderung besteht darin, dass wir zum heutigen Zeitpunkt nicht der Ansicht sind, dass es eine bewährte Lösung gibt, die den Umfang, die Stabilität und die Sicherheit bietet, die erforderlich sind, um Milliarden von Menschen und Transaktionen auf der ganzen Welt durch ein zulassungsfreies Netzwerk zu unterstützen.“

Bis dies so weit ist, werden laut Facebook noch weitere 5 Jahre nach dem nun gestarteten Launch vergehen müssen. Unterdessen entscheiden die bislang 27 Unterstützer über die Validitäten und richtungsweisende Entscheidungen im und für das Netzwerk. Eine der Aufgaben der Libra Association besteht gemäß Satzung ebenfalls in der Akquise weiterer Partner. Wie schwergewichtig diese in Zukunft sein werden oder ob die Kriterien der verantwortlichen Teilhabe neben monetären Schwerpunkten noch andere der Mission dienliche Prämissen erfüllen müssen, bleibt abzuwarten. Glaubt man Mark Zuckerberg und der Calibra-Pressemitteilung dient der jetzige Fokus im Partnernetzwerk vorrangig Prinzipien der Sicherheit und Skalierung.

Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.

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