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05.09.2020

Corona-Winter trotzdem gemütlich: "Killerpilz" soll helfen

Gastronomen dürfen in vielen Kommunen kostengünstige aber umweltschädliche Heizstrahler nicht benutzen. Im Corona-Winter 2020 soll das anders sein. Vertreter von CDU, FDP bis Grüne sind sich einig: Geltende Verbote sollten bis zum Frühjahr 2021 ausgesetzt werden. Diese und weitere Maßnahmen sollen das befürchtete Gastro-Sterben verhindern.

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Gastro-Sterben verhindern: Heizpilzverbot weg, feste Außenanlagen genehmigen

Das Gastgewerbe in Deutschland ist eine der am härtesten von der Corona-Krise betroffenen Branchen. Zwar konnten sich Unternehemr in touristischen Hotspots des Landes über teils gute bis sehr gute Einnahmen in diesem Sommer freuen, in den Städten bleibe die Situation jedoch weiter prekär. Dies geht aus einer aktuellen DEHOGA-Umfrage hervor, die in der Zeit vom 3. bis 10. August unter 7.200 Gastronomen und Hoteliers durchgeführt wurde.

Die durchschnittlichen Umsatzverluste der Betriebe lagen bei 60,1 Prozent. Dabei betrugen die Einbußen im März bereits 63 Prozent, im April dramatische 86,8 Prozent, im Mai 73,7 Prozent, im Juni 52,2 Prozent und im Juli 43,2 Prozent. Bezogen auf das Gesamtjahr rechneten die Betriebe mit einem Umsatzrückgang im Schnitt von mindestens 51 Prozent. Ein Grund für die Umsatzverluste seien auch die coronabedingten Vorschriften. Aufgrund der Abstandsgebote hätte sich die Kapazität der Betriebe um durchschnittlich 42 Prozent verringert.

Unkompliziertes und unbürokratisches Handeln ist jetzt gefragt

Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Ingrid Hartges hat den Stein ins Rollen gebracht und sprach sich zuerst gegenüber dem Tagesspiegel für eine Aussetzung des in vielen deutschen Kommunen geltenden Heizpilzverbots aus, um ein befürchtetes Sterben gastronomischer Betriebe im kommenden Herbst und Winter zu verhindern:

"Die Kommunen, die derzeit ein Verbot von Heizpilzen haben, sollten es in diesem Herbst und Winter aussetzen."

Sebastian Czaja, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, bekräftigte die Unterstützung seiner Partei für das Vorhaben gegenüber BILD und plädierte ebenfalls für eine Aussetzung des Heizpilzverbots über die Winter-Monate:

"Statt eines teuren Hilfspakets benötigt es an dieser Stelle seitens des Senats nur einen Federstrich für die temporäre Aussetzung eines umstrittenen Verbots. Wir müssen so viele Restaurants, Cafés und Kiezkneipen vor der Insolvenz bewahren wie möglich. Schließlich gehört zum Klimaschutz auch der Schutz des sozialen Klimas und unserer Kiezkultur."

Die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Katharina Dröge, erkennt die besondere Lage deutscher Gastronomen ebenfalls an. Gegenüber WELT AM SONNTAG forderte sie die Kommunen auf, Zelte oder feste Aufbauten zur Verlängerung der Außen-Saison zu genehmigen:

„Eine pandemiebedingte, zeitlich befristete Ausnahme vom Verbot von Heizstrahlern kann eine zusätzliche Option sein.“

Die Partei tritt geschlossen auf. Dieser Position im Grunde beipflichtend hatte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter zuvor gegenüber der Deutschen Prese-Agentur erklärt:

„Aus klima- und umweltpolitischen Gründen lehnen wir in Zeiten, in denen man im Restaurant oder Café im Winter ganz normal drinnen sitzen kann, den Betrieb von Heizpilzen im Außenbereich ab. In diesem Winter ist das alles anders und daher wäre ich in dieser speziellen Ausnahmesituation und mit Blick auf den Gesundheitsschutz dafür, Verbote zeitlich befristet auszusetzen.“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach insgesamt von vertretbaren Maßnahmen sowie "bescheidenen Energiekosten", die z.B. über eine mögliche CO2-Kompensation ausgeglichen werden könnten.

Warum sind Heizpilze verboten und in welchen Kommunen gilt das Verbot?

Es gibt kein bundesweit herrschendes Verbot, das in der Regel auch nur jene mit Gas betriebenen Heizpilze betrifft. Mit der Durchführung des Rauchverbotes in Kneipen und Gaststätten und im Zuge dessen der vermehrten Aufstellung von Heizpilzen in Außenbereichen als Serviceleistung für diese Klientel, wurden die klimaschädlichen Eigenschaften der Anlagen schnell offenbar. Da diese sehr viel Kohlendioxid in die Luft abgaben, entschieden sich viele Kommunen dafür ein Verbot auszusprechen. Dazu zählen München, Berlin, Köln, Nürnberg, Ludwigsburg, Stuttgart oder Tübingen. Für letzteren Fall hat Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hiesigen Wirten eine Aussetzung des Heizpilzverbots in Aussicht gestellt. Auch in den Berliner Bezirken wird darüber nun diskutiert.

Bezahlbare Lösungen für Außen- UND Innenbereiche sind nötig

Was mittels befestigter Außenanlagen und Heizstrahler im Aussenbereich funktioniert, soll auch in den Gasträumen selbst möglich sein. Unbeschwertes und gleichzeitig rücksichtsvolles Miteinander funktioniert in den kalten Monaten jedoch nicht ausschließlich mit einem guten Lüftungskonzept. Professionelle Filteranlagen, die nachweislich in der Lage sind Aerosolpartikel "zu 99,995 Prozent" aus der Raumluft auszuscheiden sollen helfen, das Virus weiterhin einzudämmen. Spitzenmodelle des Herstellers Trotec, eine Familienfirma aus Heinsberg, sind dazu in der Lage. Ihre Filter werden regelmäßig auf mehr als hundert Grad aufgeheizt, um Mikroorganismen abzutöten. Die teuren Anschaffungskosten der Geräte, die sich zwischen 4000 und 5000 Euro pro Stück bewegen, sind insbesondere in Krisenzeiten für viele Betreiber nicht erschwinglich.

Laut Informationen von WELT AM SONNTAG werden nun Möglichkeiten diskutiert, die Anschaffung zu erleichtern, etwa durch eine Verbesserung der steuerlichen Abschreibung oder durch ein staatliches Leasing-Programm für Filtergeräte in Schulen und Gastronomie, das zuletzt Linken-Chefin Katja Kipping angeregt hatte.

Ein Produktions- und/oder Lieferstau müsse indes nicht befürchtet werden. Die Firma Trotec könne die Produktion nach eigenen Angaben mit einem Vorlauf von sechs Wochen auf das 25-Fache hochfahren. Zusätzliche Produktionshallen seien besichtigt, Absichtserklärungen bereits unterzeichnet worden.

Praxistipp: Überlege wie du teure Anschaffungen finanzieren kannst und sprich mit dem Hersteller deiner Wahl über Leasing-Möglichkeiten, die jene in Form einer Absatzfinanzierung gewähren könnten.

Mehr Ideen, weniger Bürokratie: Unkomplizierte Hilfen, die ankommen

Das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür und entgegen aller Krisenmomente, werden die Deutschen in diesem Jahr keine Abstriche machen, wenn es darum geht, sich selbst, dem eigenen Team und den Liebsten eine Freude zu machen. Damit du die eine oder andere Weihnachtsfeier ausrichten kannst, ist jetzt die Durchsetzung der geforderten Maßnahmen und deine Kreativität und Resilienz gefragt. 

Vernetzte dich mit der hiesigen Gastronomenszene und suche das Gespräch mit den Behörden am Standort. Besprich die Möglichkeit, auf breiten Gehwegen Zeltpavillons ohne Seitenwände als Schutzdach aufzustellen. Tritt in Kontakt mit deinem regionalen Berufsverband, der Branchenforderungen bündeln kann, um weitreichendere Maßnahmen wie eine staatliche Förderung von mit Ökostrom betriebenen Heizstrahlern oder ein Leasingprogramm für Filteranlagen durchzusetzen. Überlege, welche Unterstützung du im Einzelfall noch brauchen kannst, wenn in den Wochen vor Weihnachten trotz Corona, Menschen verstärkt Gemeinschaft suchen.

Erkläre deinen Gästen dein Konzept für eine verlängerte Außensaison im Corona-Winter. Die Absage von großen Weihnachtsmärkten gibt Gastronomen die Chance z.B. mit kleinen PopUp-Winterbiergärten eine Nische zu besetzen. Propagiere in diesem Zusammenhang auch ein Delivery oder Take Away-Konzept. 

Triff Vorbereitungen für das umsatzstärkste Quartal

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Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Content Creator für die Social StartUp-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig. Seit 2019 recherchiert die studierte Kulturwissenschaftlerin für dich alle Fakten und Zusammenhänge, die du in deinem Tagesgeschäft brauchst.