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25.05.2020

Unternehmerstory: Sportakademie Fischer

Die Sportakademie Fischer „stand auf wirtschaftlich gesunden Füßen mit Rücklagen, so wie es besser nicht hätte sein können. Dann kam Corona.“ Was sich der Kampfkunst-Lehrer und Wettkämpfer Ralph Fischer von der Bundesregierung wünscht, um unternehmerisch gesund zu bleiben, erzählt er uns im Gespräch.

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Team Sportakademie Fischer

Hallo Ralph. Du führst jetzt seit 15 Jahren die Sportakademie Fischer. Als wir 2017 miteinander sprachen, hast du zuversichtlich in die Zukunft geblickt. Konntest du dir diese positive Grundstimmung bewahren, gerade in den letzten Wochen?

Hallo Iris! Also, bis zum 16.  März war die Welt bei mir noch in Ordnung. Ich konnte alles, was ich zuvor geplant hatte, umsetzen. Ich konnte die Mitgliederanzahl steigern, die Seminare und Trainerausbildungen waren ausgebucht, die Verkaufszahlen von meinem Buch stiegen jährlich. Und ich konnte eine neue Teilzeitstelle besetzen für den zusätzlichen administrativen Aufwand. Zudem sind wir von der IHK als offizieller Ausbildungsbetrieb anerkannt worden, und wir haben eine Kooperation mit Hansefit Firmenfitness und dem Jobcenter schließen können. Der Betrieb stand auf wirtschaftlich gesunden Füßen mit Rücklagen, so wie es besser nicht hätte sein können.

Aber dann kam leider Corona und hat dies vorerst alles zunichte gemacht. Also ist meine Grundstimmung aktuell nicht mehr so positiv, da meine Existenz und die vieler Anderer jetzt bedroht ist. Zudem ist mein Job auch mein Hobby und meine Leidenschaft, weshalb es mir doppelt schwer fällt, die Situation zu handhaben.

Du hast in unserem ersten Gespräch betont, wie zufrieden du mit deinem Team bist. Wie motivierst du deine Mitarbeiter derzeit, brauchen sie viel Zuspruch?

Das ist gerade sehr schwer, da der Betrieb ja geschlossen ist und die Trainer und ich nicht unterrichten dürfen, sodass bis auf mich alle Zuhause bleiben müssen. Aber wir kommunizieren natürlich miteinander. Ich mache den Leuten nichts vor und sage ehrlich, dass es sehr schwer wird, alles wieder normal zum Laufen zu bringen. Darüber hinaus muss ich meine Trainer nicht so sehr motivieren, da sie den Sport genau so lieben wie ich und froh sind, wenn es hoffentlich bald wieder losgehen darf. Meine administrative Teilzeitkraft ist seit der Schließung mit vollen Bezügen beurlaubt.

Aber wir werden auch das bewältigen, da wir einen sehr guten Zusammenhalt haben und von Natur aus Kämpfer sind. Was mir ein wenig Sorgen bereitet, ist die Ausbildung meines Sohnes zum Sport- und Fitnesskaufmann, die im September in unserem Betrieb beginnen soll. Denn noch weiß ich nicht, wie es bis dahin um den Betrieb steht.

Was bietest du deinen Mitgliedern an, während der reguläre Trainingsbetrieb nicht stattfinden darf?

Das ist gerade die schwierigste Aufgabe. Und da wir Kontaktsport betreiben, ist es noch mal etwas schwieriger. Ich biete aber seit der Schließung täglich Online-Live-Video-Trainingseinheiten an. Hier können die Mitglieder von Zuhause aus, oder wo auch immer sie sind, mitmachen. Das ist aber keine Lösung auf Dauer, da die Leute alle das Training in der Gruppe und der Akademie lieben und vermissen. Und natürlich fällt den Eltern und den Kindern bald die Decke Zuhause auf den Kopf. Und da wir drei große Kindergruppen haben, fehlt natürlich vielen Kindern das Training im Gym. 

Für die Wettkämpfer ist es besonders schwer, da sie sich jetzt nicht richtig vorbereiten können und nicht wissen, ob und wann sie überhaupt wieder kämpfen dürfen. Gerade unser erfolgreichster Wettkämpfer Tim Müller wollte im Mai, nach einer längeren Verletzungspause, sein Comeback auf der Freiburger Champions Fight Night starten, was nun nicht möglich ist. Auch unsere erfolgreichste Wettkämpferin Sabrina Schrenk startete erfolgreich ihr Comeback und ist jetzt wieder auf ungewisse Zeit eingeschränkt. Allen Wettkämpfern fällt es unheimlich schwer, sie vermissen den Sport und die anderen Teamkollegen. 

Wage eine Prognose: Wie wird es deinem Unternehmen in sechs Monaten wirtschaftlich gehen?

Das ist sehr schwer zu sagen, da es davon abhängt, ab wann mir der Staat erlaubt, meinen Betrieb wieder zu öffnen. Und unter welchen Umständen und Maßnahmen das dann stattfinden darf. Wenn die Einschränkungen zu groß sind, sprich kein Körperkontakt, Atemschutzmaske, Latexschutzhandschuhe, Hygienevorschriften, nur kleine Gruppen und so weiter, dann wird es schwierig, die Leute weiterhin zu motivieren und anständig unterrichten zu können. Sollten diese - meines Erachtens nach absolut übertriebenen und nicht gerechtfertigten - Maßnahmen aufgehoben werden, komme ich noch mal mit einem blauen Auge davon. Obwohl ich, und das kann ich mit absoluter Sicherheit jetzt schon sagen, Verluste im fünfstelligen Bereich erleiden werde. 

Hast du finanzielle Corona-Hilfen beantragt und erhalten?

Ralph Fischer, Gründer und Inhaber der Sportakademie Fischer

Wirtschaftlich bin ich momentan dank meiner Mitglieder noch einigermaßen gesund aufgestellt. Sie sind sehr solidarisch und loyal, und die meisten zahlen trotz der Schließung weiterhin ihre Beiträge. Dafür bin ich aus tiefstem Herzen dankbar. Das zeigt wieder, dass Kampfsport, Fitness und Selbstverteidigung wie eine große Familie funktioniert, worauf ich auch sehr stolz bin. Zudem werde ich alle Mitglieder mit Gutscheinen für die fehlenden Monate entschädigen, die sie dann an die Vertragslaufzeit anhängen oder weitergeben können. Dazu bekommt noch jedes Mitglied mein Buch „Jeet Kune Do - Das Vermächtnis von Bruce Lee“ geschenkt, was natürlich alles auch mit einigen Kosten verbunden ist.

Aber natürlich habe ich meiner Größe entsprechend erhebliche finanzielle Ausfälle und Verluste, da ich auch Kündigungen habe und diese gerade nicht mit Neuverträgen ausgleichen kann. Dazu kommen Stilllegungen von Monatsbeiträgen, Ausfall der Gebühren von Seminaren und Trainerausbildungen, Warenverkauf und der Ausfall unseres Turniers, das wir jedes Jahr veranstalten. Meine Kosten laufen aber leider zu 100 % weiter. Ich habe jetzt einen Antrag auf die einmalige Soforthilfe gestellt. Aber das wird den Verlust nicht ausgleichen.

Stichwort Digitalisierung. Du hast vorhin Online-Live-Video-Trainingseinheiten erwähnt. Hat die aktuelle Situation dazu geführt, dass du darüber hinaus neue Herangehensweisen ausprobierst? 

Nein. Und auch die Online-Livekurse biete ich nur so lange an, wie es durch die Zwangsschließung nötig ist. Ich habe auch nicht vor, meinen Unterricht zu digitalisieren, da Kontaktsport nur mit einem Partner richtig möglich ist und auch nur so Spaß macht. Zudem lieben die Mitglieder und ich den Spirit im Gym. Wir wollen zusammen in der Gruppe trainieren, und nicht wie Zombies alleine Zuhause.

Es ist eventuell eine Überlegung wert, im Functional-Fitness-Bereich etwas zu machen, aber das ist jetzt noch kein Thema. Zudem gibt es schon so viele gute Apps und Videos von anderen Experten, die darauf spezialisiert sind und das mit Sicherheit besser können als ich.

Rückblickend auf deine bisherige Selbstständigkeit und das unternehmerische Risiko -  Was ist bisher dein schwerster Meilenstein, welches Ereignis hatte gravierende Bedeutung für den Unternehmer Fischer?

Ganz klar natürlich diese Corona-Geschichte. Vor dem Hintergrund der Zahlen, die uns täglich vermittelt werden, finde ich die Maßnahmen unverhältnismäßig und nicht gerechtfertigt. Wir hatten schon viel schlimmere Grippewellen in der Vergangenheit, wodurch nicht die gesamte Weltwirtschaft an die Wand gefahren wurde. Ich möchte das Virus in keinster Weise bestreiten oder es verhamlosen. Aber wir werden damit leben und es akzeptieren müssen. Und der beste Schutz den man haben kann, ist ein gut funktionierdes Immunsystem, das man gerade durch Sport und richtige Ernährung aufbauen kann. Ich bin gerade durch diesen Sport schon seit meiner Kindheit Blut, Schweiß und Speichel so vielen anderen Milliarden gefährlicher Viren ausgesetzt und habe alles ohne Impfung oder schwere Grippesymptome immer bestens überstanden. Weshalb es gerade jetzt wichtig ist, Sport zu treiben und nicht Zuhause rumzusitzen und sich womöglich noch schlecht zu ernähren.

Ein unternehmerisches Risiko habe ich nur, wenn mich der Staat weiterhin daran hindert, meiner Leidenschaft nachzugehen und meinen Betrieb zu öffnen. Bis zur Schließung stand er auf sehr gesunden Füßen, die jetzt ohne Eigenverschulden zu wackeln beginnen, aufgrund dieser für mich unnötigen Maßnahmen. Ich habe bisher noch nie staatliche Hilfen benötigt oder in Anspruch genommen, um mein Unternehmen zu gründen und aufzubauen. Weshalb es mich mit Unverständnis erfüllt, dass gerade dieser Staat jetzt dafür sorgt, dass meine Existenz bedroht ist.

Ich denke auch, dass die richtige Krise uns noch bevorsteht. Viele Unternehmen werden nicht überleben, und dadurch verlieren Arbeitnehmer, die jetzt in Kurzarbeit sind, ihren Arbeitsplatz. Dazu müssen sich viele Unternehmen, die vor Corona noch gesund waren, verschulden, um sich zu retten, was mit Sicherheit auch keiner eingeplant hat.

Nach diesen Ausführungen ahne ich, was du dir als Unternehmer derzeit wünschen würdest, wenn du einen Wunsch frei hättest...

Dass die Maßnahmen zum größten Teil aufgehoben werden, und wir Unternehmer endlich wieder unsere Betriebe öffnen dürfen, um zu retten, was noch zu retten ist.

Was rätst du anderen Gründern und Unternehmern?

Ich möchte eigentlich keinem schlaue Ratschläge geben, ich kann nur von mir sprechen. Ich denke, dass es von Vorteil ist, wenn man keine zu großen Visionen hat, und mit weniger oder mit dem, was man hat, zufrieden ist. Zudem sollte man schauen, dass der Betrieb schuldenfrei ist und die Kosten, auch in Krisenzeiten, überschaubar bleiben. Sprich, man sollte sich gut überlegen, in was man investiert und seine Energie und Kraft steckt. Zudem sollte man zu seinen Mitgliedern, Schüler oder Kunden immer fair, gerecht und ehrlich sein, was sich in schweren Zeiten bezahlt macht. In diesem Sinne wünsche ich allen viel Gesundheit, Glück und Erfolg in dieser schwierigen Zeit, und dass es alle gut überstehen!

Sprachwinkel-Interview mit Ralph Fischer

Danke für das Gespräch, Ralph.

Wir haben euch die Sportakademie Fischer im Ende 2017 ausführlich vorgestellt. Hier kannst du das ursprüngliche Interview mit Ralph Fischer nachlesen. 

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Über den Autor

Iris Kirchhoff

Ich bin seit Anfang 2020 im Redaktionsteam der unternehmenswelt.de, wo ich mich vorrangig um die Unternehmerstories kümmere. Ich habe selber 13 Jahre lang einen inhabergeführten Einzelhandel verantwortet und weiß, wie der Alltag eines Unternehmers aussieht. Schreiben kann ich, weil ich nach meinem Studium der Filmwissenschaften, American Cultural Studies und Publizistik als Pressereferentin und Texterin für deutsche und internationale Unternehmen tätig war.