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05.01.2019

Crypto-Börse Poloniex – wie sie funktioniert, was sie handelt und wie sicher sie ist

Die bereits im Januar 2014 gegründete US-Crypto-Börse Poloniex ist gegenüber Konkurrenten wie Binance oder Coinbase zwar mit deutlich geringeren Handelsvolumina ausgestattet, verfügte aber in der Vergangenheit mit Margin Trading und Lending-Funktionen über ein attraktives Angebot - besonders für kleine und mittlere Anleger. Dass sich mit Änderung der Nutzungsbedingungen Ende 2018 für US-Bürger genau dies nun ändern soll, ist daher bedauerlich. Und auch für deutsche Nutzer der Börse könnte sich in Zukunft einiges ändern.

Wer steht hinter Poloniex?

Im Februar 2018 vollzog sich ein interessanter mit 400 Mio. USD dotierter Kauf innerhalb der Crypto-Wirtschaft. US-Blockchainentwickler und –dienstleister Circle erweiterte sein Mobile Pay und Invest Portfolio um eine digitale Börse, als Bestandteil seiner geplanten Marktexpansionen. Der Ausbau von Poloniex, inklusive technischer Verbesserungen, mehr Token Listings und Überprüfung einer FIAT-Konnexion, wurde seitens Circle-Führung Sean Neville und Jeremy Allaire versprochen, als auch der Ausbau der Börse zu einer komplexen Handelsplattform für tokenisierte Werte. Inwieweit diese Absichten mit der im folgenden Oktober 2018 ebenfalls durch Circle gelaunchten Handelsplattform Centre kollidieren oder ob Poloniex von dieser in Zukunft eventuell sogar strukturell einverleibt werden könnte, bleibt unterdessen abzuwarten.

Wie funktioniert Poloniex?

Die Registrierung und Verfizierung auf der Poloniex-Börse erfolgt prinzipiell unter Angabe der personenbezogenen Daten (vollständiger Name, Email-Adresse, Telefonnummer und Meldeadresse) und nach erfolgreichem Hochladen eines aktuellen Fotos, auf dem gleichzeitig der Personalausweis sichtbar zu erkennen ist. Anschließend erfolgt die Nutzung des Poloniex-Accounts mithilfe der 2-Faktor-Authentifizierung.

Über eine übersichtliche Nutzeroberfläche gelangt man zu den Hauptfunktionen der Börse - Exchange, Margin Trading und Lending. Jedes handelbare Asset ist zudem mit grafischen Kursverläufen im Zentrum der Nutzerfläche einsehbar. Unterhalb dieser wird der Nutzer durch Kauf- und Verkaufsboxen interaktiv in das Interface eingebunden und kann hier seine Handelsgeschäfte bei möglicher Nennung von Handelslimits abwickeln.

Welche Crypto-Währungen können auf Poloniex gehandelt werden?

Zu Redaktionsschluss ist auf Poloniex der Handel mit insgesamt 119 digitalen Werten möglich. Dazu zählen Top10-Coins wie Bitcoin, Ethereum, Ripple, Monero oder Litecoin. Aber auch interessante Entwickler-Projekte mit klaren Use Cases wie das Projekt FOAM listet die Börse. Poloniex ist eine quasi „2.“ Crypto-Instanz. Es besteht keine FIAT-Anbindung. Das bedeutet, dass im Vorfeld z.B. Bitcoin auf einer anderen Plattform mit EUR oder USD gekauft werden müssen, um als Poloniex-Startsumme eingezahlt und anschließend gegen das Handelsportfolio eingesetzt werden zu können. Mit kürzlicher Anbindung des Circle-initiierten USDC-Stable Coin geht man jedoch deutliche Schritte hin zu einer FIAT-Konnektivität.

Was hat es mit Margin Trading und Lending auf sich?

Die eingangs erwähnten besonderen Funktionen der Poloniex-Plattform sind zweifellos Margin Trading und Lending. Beim Margin Trading macht man sich das Phänomen der Hebelwirkung zunutze, das es erlaubt seinen Einsatz um ein Vielfaches (den entsprechenden Hebel) zu potenzieren. Leider gilt diese Potenzierung in beide Richtungen, sowohl für Gewinne als auch Verluste und sollte dementsprechend bedacht eingesetzt werden.

Beim Lending ist die Angelegenheit vergleichsweise gering lukrativ. Angesichts der schlichten Bereitstellung von Cryptowerten gegen Gebühr an andere Nutzer bei gleichzeitiger Immunität dieser Darlehenssummen gegenüber Kursschwankungen kann man sich über ein derart passives Einkommen allerdings nicht beschweren. Dass sich dies nun ändern soll, dürfte besonders US-Bürgern mißfallen, wie auf Poloniex mitgeteilt wird. 

Inwiefern rechtliche Unwägbarkeiten auch deutsche Nutzer in Zukunft betreffen werden, bleibt aktuell schwammig. Zwar schränkt Poloniex seine recht eindeutigen Terms and Conditions (AGB) auf Nachfrage via Twitter ein. Der Wortlaut beider Aussagen vermittelt jedoch alles andere als interne Geschlossenheit in dieser Frage: Poloniex Terms und Twitter Kommunikation

Welche Gebühren fallen auf Poloniex an?

Die Poloniex-Gebührenordnung macht prinzipiell einen Unterschied zwischen sogenannten Makern und Takern. Erstere sind die, die mit ihren konkurrierenden Ordern für gleichbleibende Liquidität am Markt sorgen und dafür gewissermaßen belohnt werden. Ihre Gebühren schwanken gemessen an ihrem Handelsvolumen im Spektrum 0,10 – 0%. Der Taker, der die für ihn beste Order lediglich auswählt, wird hierfür stärker und zwar ganz konkret im Spektrum 0,25-0,05% zur Kasse gebeten.

Verwaltungsgebühren fallen keine weiteren an. Gleiches gilt für Einzahlungen bei Poloniex. Bei Auszahlungen gelten die jeweils erhobenen Netzwerkgebühren.

Wie steht es um die Sicherheit auf Poloniex?

Schon kurz nach Eröffnung der Börse im März 2014 fiel Poloniex einem Hackerangriff zum Opfer. Der Verlust von damals 12,5% sämtlicher Bitcoin-Bestände konnte jedoch durch ein kurzfristiges Anheben der internen Gebühren ausgeglichen und erstattet werden. Dieses schnelle und effektive Handeln neben den üblichen standardisierten Sicherungsverfahren (2-Faktor-Authentifizierung bei Login und Transaktionen; Cold Storage sämtlicher Poloniex Funds) haben Poloniex den Ruf einer vertrauenswürdigen Crypto-Instanz eingeworben.

Das Poloniex – Fazit

Poloniex ist eine Crypto- Plattform in schlichter moderner Optik für ein vornehmlich englischsprachiges Publikum. Poloniex bildet die aktuell wichtigsten Cryptowährungsvertreter ab, bietet jedoch kein FIAT-Gateway. Als solches verstanden werden kann maximal der kürzlich eingebundene quasi „hauseigene“ USDC Stable Coin. Die in Q4 2018 geänderten - in ihrer Auswirkung auf Q1 2019 noch nicht genau abzuzeichnende - Nutzungsbedingungen der Plattform könnten ihre Klientel kleiner werden lassen. Möglicherweise steht dies auch in Verbindung mit einer bewussten Fokussierung und gar Einverleibung von Poloniex durch die ebenfalls durch Circle initiierte Plattform Centre, die in Q4 2018 online ging. Wir halten sie über ein diesbezügliches internes Joint Venture in jedem Fall auf aktuellem Stand.

Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Content Creator für die Social StartUp-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig. Seit 2019 recherchiert die studierte Kulturwissenschaftlerin für dich alle Fakten und Zusammenhänge, die du in deinem Tagesgeschäft brauchst.