04.12.2014

Sony betrieb verstecktes Crowdfunding für FES Watch

Für seine E-Paper-Watch betrieb Sony Crowdfunding unter dem Namen eines vorgeblichen Startups.

Wie durch Recherchen des Wall Street Journal bekannt wurde, hat Sony im September 2014 auf der japanischen Plattform Makuake ein Crowdfunding für eine Uhr mit E-Paper-Oberfläche betrieben - jedoch ohne seinen Markennamen zu nennen. Mit der Idee Crowdfunding als System zur Marktevaluierung zu nutzen, geht der Konzern neue Wege, erntet aber auch harte Kritik.

Der japanische Elektronik-Konzern Sony betreibt für seine E-Paper-Smartwatch Crowdfunding - jedoch versteckt. Auf der Plattform Makuake betrieb im September 2014 das Unternehmen FES eine Kampagne für eine Uhr, die elektronisches Papier als Anzeigetechnik verwendet; hinter FES verbirgt sich jedoch Sony. Das Crowdfunding diente dabei als Testlauf für die Nachfrage nach dem Produkt. Dies wurde jetzt durch Recherchen des amerikanischen Wall Street Journal bekannt.

Sony versteckte sich demnach bewusst hinter dem vorgeblichen Startup, um die Unterstützer nicht durch den eigenen Markennamen zu beeinflussen. Mit dieser Idee, Crowdfunding als Marktforschungsinstrument einzusetzen, beschreitet das japanische Unternehmen neue Wege. Durchaus erfolgreich, wenn man den Verlauf der Kampagne betrachtet. Als Fundingschwelle für die Uhr waren eine Million Yen (etwa 6.800 Euro) gesetzt wurden, die innerhalb der dreiwöchigen Laufzeit jedoch um das Dreifache übertroffen wurden.

Dabei verlief die Kampagne auf der japanischen Plattform als reward based Crowdfunding. Die Unterstützer, die zur Finanzierung der Uhr beitrugen, sollen das Gerät ab Mai 2015 erhalten. Bei dem Produkt steht eindeutig der modische Aspekt im Vordergrund. Im Vergleich zu anderen Smart-Watches besitzt sie kaum technische Funktionen, welche diese üblicherweise sonst besitzen. Im Zentrum steht das reduzierte Design, Armband und Ziffernblatt besitzen eine papierartige Oberfläche, die ihre Optik mittels spezieller Anzeigetechnik auf vielfältige Art und Weise ändern kann.

Der Finanzierungsaspekt des Crowdfundings dürfte für Sony allerdings zweitrangig sein. Der Test ist als Teil einer neuen Strategie des Unternehmens anzusehen. Nachdem der Konzern zuletzt in Schwierigkeiten gekommen war und in seinen traditionellen Geschäftsbereichen große Verluste machte, will man nun innovative Geschäftsideen fördern, die im bisherigen Geschäftsmodell kaum Chancen gehabt hätten. Dazu hat man ein internes Innovationsprogramm aufgelegt, das dem Aufbau von neuen Strukturen und Abteilungen dienen soll.

So besteht das Team, das die FES Watch entwickelte, aus fünf jungen Ingenieuren, die weitgehende Freiheit bei der Umsetzung hatten. Eine weitere Idee ist eine Fliege für den Hemdkragen mit gleichen Oberfläche wie die FES Watch. Sony nutzt hier Crowdfunding also als Möglichkeit der Marktevaluierung - und dabei das Risiko zu minimieren. Das durch die Kampagne eingespielte Kapital ermöglicht es dem angeschlagenen Riesen die Investitionen in den Neuaufbau von Strukturen zumindest zum Teil gegenzufinanzieren.

Jedoch wurde auch Kritik laut, dass Sony mit dieser Praxis, die Grundidee des Crowdfunding korrumpiere. So wurde moniert, das Prinzip solle in erster Linie Gründern und jungen Unternehmen dienen. Des Weiteren richtet sich die Kritik gegen das versteckte Vorgehen von Sony, da man als Investor oder Unterstützer nicht wissen, wem man sein Geld gebe, wenn das Beispiel Schule mache. Dennoch wird dabei auch das Potential von Crowdfunding als Marktevaluierungssystem für größere Unternehmen positiv gesehen.

Über den Autor

Stephan Leistner

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