11.09.2014

Crowdfunding: das Peer-to-Peer-Portal Lending Club geht an die Börse

In Deutschland noch ein Nischenmarkt in den USA schon sehr verbreitet: Peer-to-Peer-Kredite.

Wer als Existenzgründer oder Freiberufler einen Kredit braucht, stößt bei den Banken manchmal auf Schwierigkeiten. Gerade kleinere Kredite, sind, wenn man zum Beispiel eine etwas ungewöhnlichere Geschäftsidee hat oder als Selbstständiger unregelmäßige Einkünfte, nicht immer leicht zu bekommen. Plattformen wie Lending Club, die Privatkredite per Crowdfunding finanzieren. bieten da in Zukunft vielleicht eine Alternative.

Dass Crowdfunding auch zur Vermittlung von Krediten genutzt wird, ist ein in Deutschland noch relativ neues Geschäftsmodell. Bisher handelt es sich noch um einen Nischenmarkt. In den USA ist in diesem Bereich das Unternehmen Lending Club Marktführer. Das Startup plant nun seinen Börsengang. Andere Crowdfunding-Plattformen, die ein ähnliches Geschäftskonzept in Deutschland ausprobieren, erhoffen sich davon einen Popularisierungsschub für diese Art der Finanzierung.

Für viele Gründer und Unternehmer ist es nicht einfach, von der Hausbank Kredite zur Finanzierung der eigenen Geschäftsidee zu erhalten. Eigenkapital ist oft wenig vorhanden und nicht immer gelingt es, trotz guter Vorbereitung, die Bank mit einem schlüssigen Businessplan von der eigenen Geschäftsidee zu überzeugen. Freiberufler und Einzelunternehmer haben bei Banken wegen ihrer unregelmäßigen Einkommen oder bei ungewöhnlichen Projekte oft schlechte Chancen auf einen Kredit.

An dieser Stelle setzt das Geschäftskonzept des Peer-to-Peer Lending an, wie es Plattformen wie Lending Club in den Vereinigten Staaten mittlerweile etabliert haben. Peer-to-Peer bedeutet, dass private Kreditnehmer und private Investoren direkt zueinander gebracht werden - ohne Zwischenschaltung einer Bank. Die Plattform selbst erhebt dabei eine Vermittlungsgebühr, tritt aber nicht als Gläubiger auf. Der Vorteil für die Anleger ist die höhere Rendite, die eine solche Anlage gegenüber den Zinsen einer Bank abwirft, der Kreditnehmer hingegen hat geringere Zinsen zurückzuzahlen, als bei einem Bankkredit.

Allerdings sollte dem Anleger wie auch bei anderen Formen des Crowdfundings bewusst sein, dass er auch das Risiko bei einem Ausfall des Kredits trägt. Um das Risiko für den Gläubiger zu verringern bietet sich die Möglichkeit, eine Portfoliostrategie anzuwenden und die Anlagen zu streuen. Da die Mindestinvestitionssumme bei gerade einmal 25 Dollar liegt, ergibt sich also für die Kreditnehmer die Situation, im besten Fall möglichst viele Investoren für sich zu begeistern.

Dieses Modell der Peer-to-Peer-Kreditvergabe, bei dem eine größere Zahl von Privatpersonen sich über eine Online-Plattform an der Finanzierung eines Kredites beteiligt, wird manchmal auch Crowdlending genannt. Was Crowdlending für viele Anleger trotz des höheren Risikos interessant macht, sind die im Vergleich zu Einlagen bei einer Bank deutlich höheren Renditen, im Durchschnitt liegen diese bei Lending Club bei 14%.

Der Erfolg von Lending Club in den USA hängt auch damit zusammen, dass Banken seit der Finanzkrise bei der Vergabe von Verbraucherkrediten vorsichtig geworden sind. Seit seiner Gründung im Jahr 2007 wurden über Lending Club bereits Kredite in Höhe von fünf Milliarden Dollar vermittelt, davon allein im zweiten Quartal 2014 eine Milliarde. Bei einer Finanzierungsrunde im April war der Wert des Unternehmens auf 3,8 Milliarden Dollar taxiert worden, damit ist Lending Club bereits höher bewertet als ein Großteil der US-amerikanischen Banken. Das ohnehin schon starke Wachstum soll nun durch den Börsengang zusätzliche Dynamik erhalten.

Deutsche Anbieter wie auxmoney und Lendico, die versuchen, das Crowdfunding für Kredite in Deutschland zu etablieren, hoffen von der Aufmerksamkeit für den Börsengang zu profitieren. Interessant ist, inwiefern Peer-to-Peer-Finanzierungsplattformen sich in Deutschland als Alternative zu den klassischen Banken etablieren können und ob das Modell dauerhaft Impulse für mehr Gründungen in Deutschland geben kann.

Über den Autor

Stephan Leistner

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