19.01.2019

N26 – die erste Bank, die Du lieben wirst

Wie ein Berliner FinTec-Unternehmen traditionelle Bankhäuser am Markt überholt

Seit der breiten kommerziellen Einführung des Smartphone in den 2000er Jahren ist dessen Funktionalität exponentiell gestiegen. Einer der mittlerweile alltäglichsten technologischen Gebrauchsgegenstände verbindet den Nutzer via App mit tausenden Dienstleistungen theoretisch jederzeit an jedem Ort. Dies verändert nicht nur die Geschäftsbeziehung zwischen Anbietern und ihren Kunden in der Kommunikation über dieses Medium. Unter Umständen kann diese durch gänzlich neue auf diesen Markt zugeschnittene Geschäftsmodelle in Zukunft sogar aufgekündigt werden. Der rasante jährliche Kundenanstieg des Berliner FinTec N26 seit Gründung im Jahr 2013 bei gleichzeitig rückwärtigem Trend in den Häusern Deutsche Bank oder Commerzbank weist jedenfalls in diese Richtung. Was macht N26 anders als traditionelle Bankhäuser und kann man das avisierte Ziel der „ersten globalen mobilen Bank“ künftig gegenüber der Konkurrenz behaupten? Wir haben uns durchgeklickt!

N26 – Mit Zauberei hat das nicht viel zu tun!

Die 26 vielfarbigen Miniwürfel eines Zauberwürfels dienten als Inspiration für den Unternehmensnamen, den Valentin Stalf (N26-Gründer und CEO) und Maximilian Tayenthal (N26-Gründer und CFO) 2013 für ihr FinTec wählten. Hinter dieser komplexen willkürlich anmutenden Anordnung einzelner Bestandteile, steckt jedoch ein System, das sich bei genauerer Betrachtung „relativ schnell“ berechnen lässt, um sich in eine geordnete monochrome Gesamtstruktur zu fügen. Darauf Bezug nehmend, will N26 als Direktbank mit Spezialisierung auf Kontoführung via Smartphone einfache Lösungen für komplexe Banking-Strukturen anbieten. Die erste Geschäftsadresse des Unternehmens in Berlin befand sich außerdem „Unter den Linden 26“ und tritt an dieser Stelle und seit Ende 2018 mit neuem Logo-Facelift prominent in Erscheinung.

N26 – FinTec-Fabelwesen mit Banklizenz

2019 startet buchstäblich fabelhaft für das noch junge Unternehmen. Noch in der zweiten Januar-Woche beendete man die letzte von bislang 4 Finanzierungsrunden, innerhalb derer insgesamt 500 Mio. USD Startkapital von Investoren wie Insight Venture Partners, NY; GIC Inv. Fonds, Singapoure; der Allianz oder PayPal-Gründer Peter Thiel bereitgestellt wurden. Damit katapultierte sich jüngst der Unternehmenswert von N26 auf nach eigenen Angaben 2,3 Mrd. USD und man darf sich den Beinamen „Einhorn“ gefallen lassen. Eine Bezeichnung für die analog seltene Erscheinung von Unternehmen, die noch vor Börsengang einen Unternehmenswert von mehr als 1 Mrd. USD vorweisen können. Damit präsentiert sich ein deutscher Vertreter zurecht stolz unter ansonsten dominant vertretenen Unternehmen aus den USA und China in dieser Kategorie.

N26-Angebotsspektrum – barrierefrei, digital, schnell & kostengünstig

Innerhalb von nur 5 Jahren hat N26 in mittlerweile 24 europäischen Ländern 2,3 Mio. Kunden - besonders in der Altersklasse der unter 35-Jährigen gewonnen - und wächst weiter rasant. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 700 Mitarbeiter und will in Q1/Q2 2019 auf Basis der jüngst abgeschlossenen Finanzierungsrunde in den US-Markt expandieren, um letztlich „über 100 Mio. Kunden in den kommenden Jahren“ erreichen zu können.

Seine Produkte via N26-App spiegeln diesen globalen Anspruch bereits wieder. Unter den klassischen gebührenfreien Girokonten kann via „Money beam“ in Echtzeit Geld zwischen N26-Kundenkonten transferiert werden. Bis zu 5 kostenlose Geldabhebungen sind darüber hinaus prinzipiell pro Monat in dieser Kategorie möglich. In der gebührenpflichtigen Variante N26-Black (9,90EUR/je Monat) oder N26-Metal (16,90EUR/je Monat) sind außerdem zusätzliche Features wie umfassende Reiseversicherungen oder kostenloses Abheben von Bargeld im Ausland enthalten.

Alle Transaktionen und Geschäftsbeziehungen werden in der App abgebildet oder sind im vorzugsweise Chat mit dem Kundensupport verhandelbar. Sogar Privatkredite können im Rahmen von 1.000 EUR - 25.000 EUR via App standardisiert verhandelt werden.

Im Alltag verspricht N26 eine unkomplizierte Teilnahme an einer dynamisch vernetzten Geschäftswelt durch z.b. Verknüpfung mit Cash 26 oder neu Apple Pay. Cash 26 ermöglicht z.B. das kostenlose Abheben und Einzahlen von Geld in über 9.000 Geschäften in Deutschland via Scan eines in der N26-App erstellten Barcodes. Ab einer eingezahlten Summe von 100 EUR erhebt die Bank eine Gebühr von 1,5% auf den darüber liegenden Betrag.

Eine Übersicht der aktuell geltenden N26-Gebühren finden Sie in der online gestellten Preisliste.

N26-Kritikpunkte – Risikokapital vs. Renditeversprechen

Der proklamierte Milliardenwert von N26 darf nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich hier um investiertes Risikokapital handelt. Dieses ist geknüpft an ein Renditeversprechen, das irgendwann eingelöst werden muss. Trotz rasantem Kundenwachstum bei vergleichsweise geringen Standortkosten schreibt das Unternehmen noch rote Zahlen und kann sich über die Gebührenordnung oder seine  kostenpflichtigen Produkte noch nicht selbst tragen. Einhörner gibt es außerdem gar nicht so selten. Wir schauen nur gen London und erkennen im aktuell größten Konkurrenten Revolut unter der Führung von CEO Nick Storonsky ebenfalls einen Aspiranten auf den Titel „erste globale mobile Bank“. Das Unternehmen mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von 1,7 Mrd. USD verfügt über 3 Mio. Kunden in über 130 Märkten und expandiert schneller als N26, vergleicht man den App-Download beider Unternehmen.

Nun will N26 zwar laut eigener Aussage „über 100 Mio. Kunden erreichen“, doch aktuell sind seine Einlagen gegenüber klassischen Banken vergleichsweise bescheiden. So ist man zwar „auf einen Schlag zur drittwertvollsten Bank Deutschlands“ aufgestiegen, allerdings mit „so viel Einlagen (..) wie eine mittelgroße Sparkasse“, erläutert Capital. Sollten jene ihre Angebote jedoch nicht zügiger und deutlich digitaler am Markt und dem Nutzerverhalten ausrichten - bei gleichzeitig technologisch noch zu behauptendem Alleinstellungsmerkmal von N26 unter der FinTec-Konkurrenz, ist angesichts einer jungen 5-jährigen Firmengeschichte noch deutlich Platz nach oben.

Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Als freie Texterin fokussiert sie sich auf die Themen Nachhaltigkeit, innovative Entwicklungskonzepte und responsible tourism. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen.

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