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13.04.2020

Mutmacher Story: Marc Mittfeld von Vision Softfair

Marc Mittfeld, Gründer von Vision Softfair, wünscht sich derzeit von Gesetzgeber und Behörden „eine einfache und für alle verständliche Vorgehensweise, die so wenig bürokratisch wie möglich ist.“ Im Interview erzählt Marc, wie er als Software- und Webentwickler die Corona-Krise erlebt.

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Marc Mittfeld von Vision Softfair

Hallo Marc, um gleich auf den Punkt zu kommen: Welche unmittelbaren Auswirkungen hat die aktuelle Corona-Krise auf dein Unternehmen und dein Tagesgeschäft?

Wie viele andere merke ich die Corona-Krise an der Auftragslage. Obwohl ich eigentlich noch das Glück habe, nicht in meinem Wirken eingeschränkt zu sein, stelle ich fest, dass viele Unternehmen vorsichtig geworden sind und momentan kein Geld ausgeben möchten. Was dazu geführt hat, dass mir einige Freelancerprojekte weggebrochen sind oder sie verschoben wurden. Und auch im Bereich der Webentwicklung ist die Neukundengewinnung deutlich schwerer geworden.

Fühlst du dich von der Bundesregierung ausreichend unterstützt in der Bewältigung möglicher wirtschaftlicher Auswirkungen auf dein Unternehmen?

Die Grundidee der Bundesregierung für die Hilfen finde ich sehr gut. Leider hakt es in der Umsetzung an so manchen Stellen. So war beispielsweise die Plattform der Bank, die für die ersten schnellen Zuschüsse gesorgt hat, direkt am ersten Tag offline. Dann hat es zwei Tage gedauert bis die eine alternative Methode zum Einreichen der Anträge freigegeben haben. Nach weiteren drei Tagen war das Förderprogramm dann schon wieder zu Ende. Diese Informationen gab es aber leider erst am späten Abend desselben Tages. Sowas führt dann leider bei den Antragstellern zur Verunsicherung.

Was genau wünschst du dir jetzt vom Gesetzgeber und allen für Unternehmer relevanten nachgestellten Behörden?

Ich wünsche mir eine einfache und für alle verständliche Vorgehensweise, die so wenig bürokratisch wie möglich ist. Damit die Unternehmen, für die es um Tage geht, auch Hilfen bekommen.

Was glaubst du, wie wird es deinem Unternehmen in sechs Monaten wirtschaftlich gehen? Ist deine Prognose eher optimistisch oder pessimistisch und warum?

Ich sehe bei mir momentan eine 50:50 Chance. Wenn ich Hilfen bekomme oder noch besser die Aufträge sich im Bereich der Software- und Webentwicklung doch wieder stabilisieren, könnte es gut ausgehen. Wenn ich jedoch keine Hilfen bekomme, werde ich das nicht lange durchhalten können, da ich mit meinem Unternehmen erst seit Oktober letzten Jahres am Markt bin und in so kurzer Zeit noch keine Umsätze einfahren konnte, mit denen ich Rücklagen aufbauen konnte.

Erkennst du vielleicht sogar Chancen, neue Wege oder eine neue Herangehensweise, die du aufgrund der Corona-Krise als Unternehmer jetzt verstärkter wahrnimmst?

Ich habe zusammen mit einem anderen Unternehmer aus meinem Ort eine Gruppe gegründet, in die wir alle anderen Unternehmer eingeladen haben. Dies soll dem Austausch und auch der gegenseitigen Hilfe dienen. So kann man sich etwas besser kennenlernen und unterstützt gleichzeitig jemanden, der im selben Boot sitzt und auch in Deinem Ort oder Deiner Region tätig ist.

Wie reagierst du im Tagesgeschäft auf die derzeitigen Beeinträchtigungen regulärer Wirtschaftskreisläufe? Hat die Krise grundsätzlich Einfluss auf deine angebotenen Dienstleistungen?

Ich denke, meine Bestandskunden merken kaum einen Unterschied. Da ich den Großteil meiner Arbeit wie beispielsweise das Pflegen oder Erstellen von Websites oder -shops ohnehin von meinem Büro aus mache, bin ich in dieser Hinsicht nicht eingeschränkt.

Wie kommunizierst du deinen Kunden die besondere Ausnahmesituation?

Die Kommunikation findet meist per Telefon oder E-Mail statt. Für die Situationen, in denen sonst ein Vor-Ort-Termin nötig wäre, nutze ich momentan die Möglichkeit von Videokonferenzen.

Dann nehmen digitale Tools aktuell einen größeren Stellenwert ein?

Nicht wirklich, da die digitale Welt auch vorher schon mein täglich Brot war.

Rückblickend auf deine bisherige Selbstständigkeit und ihr unternehmerisches Risiko - Ist die Corona-Krise dein schwerster Meilenstein oder gab es Ereignisse, die für dich ähnlich gravierende Bedeutung hatten?

Die aktuelle Krise ist natürlich schon ein erheblicher Einschnitt für ein junges Unternehmen. Da man noch keine Möglichkeit hatte, einen Rückhalt aufzubauen, gleicht die aktuelle Situation fast einer Geschäftsidee, die am Markt keinen Erfolg hat. Auf Dauer führt sowas immer zum Ende.

Was ist dein wichtigster Rat, den du anderen Gründern und Unternehmern für ihr Krisenmanagement mit auf den Weg geben möchtest?

Steht lokal zusammen! Es gibt viele Unternehmen in eurem Bereich, die genauso dran sind wie ihr! Versucht Kontakte zu knüpfen, Informationen auszutauschen und euch gegenseitig zu helfen. So, glaube ich, hat man die größten Chancen, durch die Krise zu kommen.

Und genau das wünschen wir dir, Marc! Danke für das Gespräch.

Wir haben euch Vision Softfair im November 2019 bereits ausführlich vorgestellt. Hier kannst du das ursprüngliche Interview mit Marc nachlesen. 

So kannst eu Marc und Vision Softfair erreichen

Hier geht´s zur Website:

Vision Softfair

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Über den Autor

Iris Kirchhoff

Ich bin seit Anfang 2020 im Redaktionsteam der unternehmenswelt.de, wo ich mich vorrangig um die Unternehmerstories kümmere. Ich habe selber 13 Jahre lang einen inhabergeführten Einzelhandel verantwortet und weiß, wie der Alltag eines Unternehmers aussieht. Schreiben kann ich, weil ich nach meinem Studium der Filmwissenschaften, American Cultural Studies und Publizistik als Pressereferentin und Texterin für deutsche und internationale Unternehmen tätig war.