13.12.2019

Mindestlohn und Minijob: Das gilt ab 1. Januar 2020

Beachten Sie jetzt Stundenzahlen und Aufzeichnungspflichten

Das Portal für Gründer und Unternehmer

  • Unterstützung bei Ihrer Finanzierung
  • Zugang zu kostenfreien Tools & Vorlagen
  • Kontakt zu mehr als 500.000 anderen Unternehmern

Zum 1. Januar 2020 steigt der gesetzliche Mindestlohn von aktuell 9,19 EUR auf 9,35 EUR brutto in der Stunde. Unternehmer, die Mitarbeiter auf 450-EUR-Basis beschäftigen, müssen jetzt die maximal mögliche Stundenzahl beachten, sonst drohen Nachzahlungen von Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen. Alle Informationen für Ihre Umstellung zum Jahreswechsel lesen Sie hier.

Minijobber im Fachhandel

Mindestlohn und Minijob: Das ändert sich für Arbeitgeber zum Jahreswechsel

  1. Ab dem 1. Januar 2020 erhöht sich der gesetzliche Mindestlohn von derzeit 9,19 EUR auf dann 9,35 EUR brutto in der Stunde. 
  2. Aufgrund der Anpassung mindert sich die maximale Stundenhöchstzahl, die Minijoober oder Beschäftigte im 450-EUR-Angestelltenverhältnis arbeiten dürfen. 
  3. Können Minijoober 2019 noch maximal 48,9 Stunden pro Monat arbeiten, ohne dass sie die Verdienstgrenze überschreiten, sind es ab Januar 2020 nur noch 48,1 Stunden pro Monat: (9,19 EUR x 48,9 Stunden = 449,39 EUR im Jahr 2019 vs. 9,35 EUR x 48,1 Stunden = 449, 74 EUR im Jahr 2020)
  4. Überschreiten Sie die Höchstzahl, indem Sie nicht rechtzeitig Ihre Systeme anpassen, riskieren Sie Nachzahlungen von Lohnsteuer- und Sozialersicherungsbeiträgen.
  5. Sicher gehen Sie, wenn Sie die Stundenzahl Ihrer Minijobber auf 48 Stunden maximal begrenzen.
  6. Es empfiehlt sich außerdem besonders im Zuge der strengen Aufzeichnungspflichten sowie weiterer zu erwartender Erhöhungen des Mindestlohns auf eine digitale Zeiterfassung umzustellen, sofern Sie diese nicht bereits nutzen.
  7. Verstöße gegen die Aufzeichnungspflicht nach § 17 MiLoG werden mit hohen Bußgeldern geahndet.

Mindestlohn und Minijob: Aufzeichnungspflichten beachten

Die meisten Minijobber sind entweder im Einzelhandel oder in gastronomischen Branchen tätig, aber auch die Bereiche Logistik oder Dienstleistungsbranchen mit saisonalen Auftragsspitzen zählen zu den Rekrutierern am Markt. Der Gesetzgeber schaut hier genauer hin und hat zahlreiche Aufzeichnungspflichten erlassen, die der Schwarzarbeit vorbeugen sollen.

In folgenden Branchen müssen Arbeitgeber die Arbeitszeiten ihrer Geringfügig Beschäftigten zwingend erfassen:

  • im Baugewerbe,
  • in Gaststätten und Herbergen,
  • in der Speditions-, Transport und Logistikbranche,
  • in Unternehmen der Forstwirtschaft,
  • in Unternehmen der Gebäudereinigung,
  • als Zeitungszusteller oder Beschäftigte bei Paketdiensten,
  • in Unternehmen im Messebau sowie
  • in der Fleischwirtschaft.

Sie können den Nachweis via Vordruck maschinell oder auch handschriftlich erbringen. Unterschriften von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind nicht notwendig, die Wahrheit der Angaben hat der Unternehmer sicherzustellen. Als wichtigste Informationen sollten drei Punkte auf dem Arbeitszeitnachweis enthalten sein:

  1. Beginn der Arbeitszeit für jeden Arbeitstag
  2. Ende der Arbeitszeit für jeden Arbeitstag
  3. die Dauer der täglichen Arbeitszeit ohne Pausen (gehören nicht zur Arbeitszeit und müssen nicht gesondert erfasst werden)

Unternehmer haben die Pflicht mit § 17 MiLoG diese Nachweise "spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Tag der Arbeitsleistung folgenden Kalendertages aufzuzeichnen und diese Aufzeichnungen mindestens zwei Jahre beginnend ab dem für die Aufzeichnung maßgeblichen Zeitpunkt aufzubewahren."

Sie müssen u.U. mit unangemeldeten Zollkontrollen rechnen und sind dann verpflichtet die Nachweise sofort vorzeigen zu können. Können Sie dies nicht oder sind ihre Aufzeichnungen unvollständig, drohen Ihnen Bußgelder in Höhe von bis zu 30.000 EUR.

Das könnte Sie außerdem interessieren

Das EuGH-Urteil zur Pflicht der täglichen Arbeitszeiterfassung
Das EuGH-Urteil zur Pflicht der täglichen Arbeitszeiterfassung
Am 14. Mai hat der Europäische Gerichtshof die künftig innerhalb der EU geltende Pflicht der Arbeitszeiterfassung in Unternehmen beschlossen. Eine Klage der spanischen Gewerkschaft Federación de Servicios de Comisiones Obreras (CCOO) hatte in letzter Instanz zu dieser Novelle geführt. Das hierauf folgende zwiespältige Medienecho macht die Probleme der Umsetzung dieser neuen Richtlinie bereits deutlich. Was müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Deutschland künftig beachten? Wo liegen die Vor- und Nachteile der verpflichtenden Dokumentation? Wir klären die wichtigsten Fragen für Sie.
Gesetzesänderungen 2020
Gesetzesänderungen 2020
Ab dem 1. Januar 2020 treten für Unternehmer in Deutschland zahlreiche gesetzliche Neuerungen in Kraft, die Sie bereits jetzt berücksichtigen sollten. Sei es im Bereich elektronische Buchhaltung, bei Sozialversicherung und Lohnabrechnung oder der steuerlichen Erfassung kleiner und mittlerer Unternehmen. Wir fassen für Sie die wichtigsten Änderungen zusammen.
Steuertipps 2019
Steuertipps 2019
Das Geschäftsjahr neigt sich dem Ende. Noch bis zum Jahreswechsel können KMU ihre Abgabenlast für 2019 durch clevere Betriebsausgaben oder die Ausnutzung von Freibeträgen erheblich senken. Beachten Sie jetzt einige Änderungen zum 1. Januar 2020 sparen Sie außerdem bei der Anschaffung von Betriebsmitteln. Wir geben Ihnen 10 Steuertipps für einen gelungenen Jahresabschluss.

Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.

Ähnliche News für Gründer und Unternehmer
08.11.2018

Gründungszuschuss: Minijob erlaubt!

Minijob in der Startphase der geförderten Selbständigkeit als Zusatzeinkommen möglich

Gründungszuschuss: Minijob erlaubt!

Mit dem Gründungszuschuss unterstützt die Agentur für Arbeit ALG I-Empfänger, die in die Selbständigkeit starten. Wer den Zuschuss erhält, muss mindestens 15 Stunden Arbeit in der Woche in die selbständige Tätigkeit investieren. Wer mit einem Minijob etwas dazu verdienen muss, kann das unter bestimmten Bedingungen tun.

07.06.2018

Diese Abgaben zahlen Sie für 450-Euro-Minijobber

Was Sie beachten müssen, wenn Sie geringfügig Beschäftigte einstellen

Diese Abgaben zahlen Sie für 450-Euro-Minijobber

Wenn Sie auf geringfügiger Basis Mitarbeiter beschäftigen, zahlen Sie Arbeitnehmeranteile in die Sozialversicherung ein. Für die Minijobber selbst fallen gleichzeitig so gut wie keine Abgaben an. In welcher Höhe Sie als Arbeitgeber Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge sowie weitere Abgaben leisten, lesen Sie hier.

02.01.2017

Unternehmernews der Woche 1/2017

Unternehmerstories 2016, kostenfreie Vorlagen für Unternehmer, Neuregelungen ab Januar 2017 uvm.

Unternehmernews der Woche 1/2017

Als erstes wünschen wir unseren Mitgliedern, Partnern und Lesern ein erfolgreiches, herausforderndes und aufregendes Jahr 2017! Passend dazu haben wir wieder die wichtigsten News für Unternehmer und Gründer zusammengefasst. Unter anderem geben wir Ihnen einen umfangreichen Überblick über neue Gesetze und Bestimmungen, die Sie ab Januar 2017 erwarten werden. Alles andere lesen Sie hier.

unternehmenswelt