18.03.2021

KfW-Studie: "Junge" Selbstständige trifft die Corona-Krise besonders hart

Junge Selbstständige, die erst kurze Zeit am Markt sind, leiden in der Corona-Krise besonders stark. 40 % verlor mehr als die Hälfte der Umsätze. Dies geht aus einer aktuellen Befragung von KfW Research hervor. Viele Unternehmer befürchten ihre berufliche Selbstständigkeit aufgeben zu müssen. Die häufigsten Hindernisse und Lösungsperspektiven erfährst du in unserem Beitrag.

Mikrokredit für kleine Unternehmen und Gründer

Selbstständige Frauen und Gründerinnen sind von der Krise besonders stark betroffen

Corona-Krise erschüttert wirtschaftliche Grundfesten junger Unternehmen

Die vorliegenden Erkenntnisse beruhen auf einer Umfrage von KfW-Research unter jungen Unternehmen und Gründern im Umfrage-Zeitraum 04.02.–15.02.2021. Auskunft gaben 492 Selbstständige, die in den Jahren 2018 (41%) und später (2019: 16 % und 2020/21: 43 %) gegründet hatten sowie 218 Gründungsinteressierte mit geplantem Start in 2020/21 (78 %) oder ab 2022 (22 % der Befragten). Die Umfrage ist nicht repräsentativ, stellt jedoch ein realistisches Abbild der Sorgen und Nöte junger Unternehmer und Gründer in Deutschland dar.

Der Anteil der hauptberuflichen Gründungen überwiegt unter den Befragten, ebenso der Anteil der gewerblichen Gründungen vor freiberuflichen Tätigkeiten. Die Mehrzahl der Unternehmer und Gründer hatte zum Zeitpunkt der Befragung keine (75 %) oder wenige Mitarbeiter (in der Regel 1-5: 20 % der Befragten).

30 Prozent glauben ihre berufliche Selbstständigkeit aufgeben zu müssen

Aufgrund der coronabedingten Einbußen hielten es 30 Prozent der Befragten mindestens für wahrscheinlich ihre berufliche Selbstständigkeit in naher Zukunft aufgeben zu müssen. Ebenso viele mussten aufgrund der Krisenauswirkungen ihren Lebensstandard sehr stark einschränken. Nur 25 % der antwortenden Selbstständigen schätzen, mit ihren jetzt zur Verfügung stehenden Mitteln noch länger als 6 Monate zahlungsfähig zu bleiben. Männer sind dabei etwas optimistischer: Bei ihnen gehen 29 % von einem Zeithorizont über 6 Monate aus, bei Frauen waren es hingegen nur 20 %.

Frauen sind häufiger betroffen als Männer

Anders als im etablierten Mittelstand hat die Krise bei den jungen Selbständigen für Frauen häufiger negative Auswirkungen. Jede dritte Selbstständige (33 %) sieht eine Existenzbedrohung, hält es also mindestens für wahrscheinlich, ihre Selbstständigkeit wegen der Corona-Krise aufgeben zu müssen, bei den selbstständigen
Männern sind dies 27 %. Umgekehrt hielten 26 % der Männer ein coronabedingtes Ende ihrer Selbstständigkeit für gar nicht wahrscheinlich, bei den Frauen waren nur 18 % derart optimistisch.  

KfW Research Fokus Volkswirtschaft Nr. 324, März 2021

Grafik aus KfW Research Fokus Volkswirtschaft Nr. 324, März 2021

Branchenzugehörigkeit ist ausschlaggebend für Resilienzgrad

Wie negativ der Einfluss der Pandemie wahrgenommen wird, steht in direktem Zusammenhang mit der jeweiligen Branchenzugehörigkeit. Als besonders von Umsatzverlusten betroffen zeigen sich Selbstständige in der Gastronomie, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Kunst-, Kultur- und Kreativgewerbe. Umgekehrt sind selbstständige IT-ler deutlich weniger von Umsatzverlusten betroffen. 

Darüber hinaus spielt das Alter der Selbstständigen eine weitere wichtige Rolle. Finanzielle Rücklagen steigen typischerweise mit dem Lebensalter. Da die antwortenden Frauen deutlich häufiger unter 30 Jahre alt sind als die Männer, ist hierdurch ebenfalls eine höhere Existenzbedrohung zu erklären.

KfW Research Fokus Volkswirtschaft Nr. 324, März 2021

Viele Selbstständige befürchten die berufliche Selbstständigkeit aufgeben zu müssen

Für viele Selbstständige bedeutet die Corona-Krise sogar das Aus für ihre berufliche Selbstständigkeit. 17% der Befragten hielten eine Geschäftsaufgabe für wahrscheinlich. Für 12 Prozent ist dies eine "sehr wahrscheinliche" Bedrohung. Auch hier spiegelt sich die stärkere Betroffenheit von Frauen in den Zahlen wider. Jede dritte Selbstständige (33 %) sieht eine krisenbedingte Existenzbedrohung, hält es also mindestens für wahrscheinlich, ihre Selbstständigkeit wegen der Corona-Krise aufgeben zu müssen, bei den selbstständigen Männern sind es dagegen "nur" 27 %.

Hohe Fixkosten bei ausbleibenden Einnahmen belasten junge Unternehmen stark

Wie anpassungsfähig Unternehmen agieren können, ist maßgeblich daran geknüpft, ob trotz Verlusten auf der Einnahmenseite hohe betriebliche Fixkosten bedient werden müssen. Ein Viertel (25 %) der antwortenden Selbstständigen muss sich hierüber weniger Gedanken machen, da sie als Soloselbstständige nur sehr geringe Fixkosten aufweisen. Bei 45 % befragten Unternehmen lagen die fixen Betriebskosten zuletzt immerhin bei bis zu 1.000 EUR im Monat. Bei einem weiteren Viertel (24 %) mussten monatlich 1.000 bis 5.000 EUR bedient werden. Selbstständige mit fixen Betriebskosten von über 5.000 EUR im Monat sind indes klar in der Minderheit (4%).

Auch wenn sie keine Fixkosten bedienen müssen, halten es 21 % der Selbstständigen für mindestens wahrscheinlich, ihre Selbstständigkeit wegen der Corona-Krise aufgeben zu müssen. Sind fixe Betriebskosten vorhanden, steigt dieser Anteil noch einmal deutlich auf 32 %.

Corona-Krise zwingt zu Einschränkungen des Lebensstandards

Für die meisten Selbstständigen wäre es wohl kein Grund ihren Lebensstandard anzupassen, wenn ihr Einkommen vorübergehend geringer ausfällt. Die coronabedingten Einnahmenausfälle haben allerdings eine gänzlich
andere Dimension – entsprechend anders ist auch die Reaktion darauf.

Von den antwortenden Selbstständigen mussten 29 % aufgrund der Corona-Krise ihren Lebensstandard sehr stark einschränken. Nur 18 % mussten gar keine Einschränkungen vornehmen. Selbstständige Frauen bekamen die Auswirkungen der Corona-Krise auch hier stärker zu spüren: Jede Dritte (32 %) musste ihren Lebensstandard sehr stark einschränken, nur 17 % gar nicht, während selbstständige Männer zu 26 % sehr starke Einschränkungen hatten und 20 % gar keine.

Die Unterschiede sind laut KfW Research ähnlich wie im Fall der stärker wahrgenommenen Existenzbedrohung selbstständiger Frauen auf Branchen- und Alterseffekte zurückzuführen.

Vier von zehn Gründungen im Jahr 2020 starteten krisenbedingt später als geplant

Viele Gründungsinteressierte haben unter dem Eindruck der andauernden Pandemie den Start für ihre geplante Selbstständigkeit noch einmal verschoben. Als häufigsten Grund für eine solche Verzögerung nannte knapp die Hälfte der Befragten (47%) die coronabedingt unsicheren Geschäftsaussichten.

Ebenfalls nicht unerheblich war für knapp ein Drittel der Befragten (31 %) ein zwischenzeitlicher Wegfall ihrer Geschäftsgrundlage. Maßgebliche Ursachen hierfür waren u.a. die branchenweit angeordneten Betriebsschließungen wie im Einzelhandel oder Frisörgewerbe oder lahmgelegte Geschäftsaktivitäten wie im Messebau oder Kulturbetrieb.

Bei jeweils mehr oder weniger einem Viertel der Aufschübe hing die Verzögerung mit einer schlechten Erreichbarkeit von Behörden (27 %), notwendigen Anpassungen des Geschäftsmodells (26 %) oder Finanzierungsproblemen (23 %) zusammen. Jeder fünfte Aufschub (19 %) beruhte auf persönlichen Gründen, jeder sechste (15 %) hing mit einer zu hohen familiären Belastung zusammen.

Vier von zehn Gründungen im Jahr 2020 starteten krisenbedingt später als geplant. Auffällig ist, dass speziell Nebenerwerbsgründungen häufiger und länger aufgeschoben wurden. Das kann zum einen daran liegen, dass Gründer/innen im Nebenerwerb allgemein flexibler sind und sich nach der aktuellen Situation richten können. Zum anderen sei denkbar, dass Gründungen, die zunächst im Vollerwerb geplant waren, später im Jahr als Nebenerwerbsgründung umgesetzt wurden – etwa, weil viele Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt wurden: Statt das Arbeitsverhältnis zu beenden und ihre Selbstständigkeit im Vollerwerb zu beginnen, setzten viele Gründer ihr Projekt kurzerhand während der Kurzarbeit nebenher um. 

KfW Research Fokus Volkswirtschaft Nr. 324, März 2021

Grafik aus KfW Research Fokus Volkswirtschaft Nr. 324

Raus aus der Krise: Was sind Lösungsperspektiven?

Der beste Weg Selbstständigen eine Perspektive zu geben und die Gründungstätigkeit zu unterstützen wäre es, weitere Lockdowns zu vermeiden. Hierfür erscheint eine „Whatever it takes“- Mentalität bei Impfungen, Tests und der Kontaktnachverfolgung jetzt dringend erforderlich.

- KfW-Research

Ob sich diese Empfehlung von KfW Research kurzfristig durchsetzen kann, erscheint angesichts steigender Infektionszahlen und einer stockenden Impfkampagne höchst unwahrscheinlich. Noch bis zum 28. März gelten die aktuellen Regeln im Lockdown Long, dessen geplantes Fortdauern mutmaßlich bis Ende April bereits an die Öffentlichkeit drang. 

Dies verbessert nicht die ohnehin prekäre Lage der jungen Unternehmen, Soloselbstständigen und Gründer im Land. Sie müssen nach wie vor Ausdauer und Durchhaltevermögen unter Beweis stellen und alle Maßnahmen staatlicher Corona-Hilfen, steuerlicher Erleichterungen und Optionen zur Senkung ihrer monatlichen Fixkosten wahrnehmen. 

Untenstehend findest du unbürokratische Finanzierungshilfen, einen Überblick zu aktuellen Steuervergünstigungen sowie Rechtsbeistand für dein individuelles Krisenmanagement.

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Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Redakteur für die Social Startup-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig.

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