08.07.2021

Gastgewerbe braucht weiter Überbrückungshilfen

Das Gastgewerbe mit seinen Hotels, Restaurants, Bars, Clubs bis Diskotheken steht trotz stufenweiser Öffnungen sowie Freiluftsaison weiter vor anhaltenden, gravierenden Herausforderungen und massiven Umsatzverlusten, welche eine Fortführung der Krisenhilfen wie die der "Überbrückungshilfen 3 Plus" nötig macht.

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Gastgewerbe braucht weiter Überbrückungshilfen

Gastgewerbe im Krisenmodus

Als Hotel- und Restaurantbesitzer konntest du von den stufenweisen Öffnungen aufgrund der gesunkenen Infektionszahlen und dem Start der Freiwettersaison wieder erste Umsätze schreiben.

Die Herausforderungen in deiner Branche werden jedoch nicht weniger. So können Teile des Gastgewerbes immer noch nicht aufmachen oder im Schichtsystemen arbeiten, weil das in andere Branchen abgewanderte Fachpersonal fehlt. Aufgezwungene Hygienekonzepte bilden Spannungsfelder zwischen Kunden und Servicepersonal, aber auch unter den Kunden selbst. 

Dazu gesellen sich noch steigende Preise. Kaffe, Getreideprodukte, Gemüse und Obst legten im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu. So liegt etwa das Preisniveau von Erdbeeren laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH im Juni 2021 weiterhin rund ein Drittel höher als im krisenfreien Jahr 2019. Als Grund hierfür wird vor allem die Lohnsteigerung bei Erntehelfern gesehen. Aber auch krisenbedingte Aufschläge wie bei den Backwaren müssen verkraftet werden.

Seit Jahresbeginn legte laut statistischem Bundesamt insbesondere der Preis von Heizöl um 35,4 Prozent und der für Kraftstoffe um 27,5 Prozent zu.

Umsatzeinbussen weiter enorm

Die Umsätze im Gastgewerbe liegen trotz der stufenweisen Öffnungen und angefachten Reisezeit weiter deutlich von der Vorkrisenzeit entfernt. So verzeichneten im Vergleich zum Juni 2019 nach der aktuellen Branchenumfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes im Juni die Hotels und Restaurants Umsatzeinbußen von 35,7 Prozent.

Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmenstypen. So sanken in den Beherbergungsunternehmen die Umsätze um 36,7 Prozent. Während bei den speisengeprägten Gastronomen in ihren Restaurants, Imbissen und Eisdielen Umsatzverluste von 29,8 Prozent zum Vorkrisenjahr 2019 aufliefen.

Dagegen betrugen bei den getränkegeprägten Gastronomieunternehmen wie den Kneipen und Bars die Umsatzeinbußen zu 2019 klaffende 41,9 Prozent. Hier vertreiben vorgegebene Mindestabstände und andere Hygienemassnahmen weiter die Kundschaft.

Unter den schwer umsetzbaren Infektionsschutzmassnahmen leidet auch die Eventbranche weiter. Davon betroffen bleiben weiterhin auch spezialisierte Unternehmen aus dem Gastronomiebereich. So musste das Eventcatering mit 72,9 Prozent auch über ein Jahr nach Krisenbeginn deutlich fehlende Umsätze im Vergleich zu 2019 verschmerzen.

Diese Umsatzeinbusse wird nur noch von den Clubs und Diskotheken übertroffen. Gemeinsam Musikhören, Tanzen, Trinken und Snacken bleibt weiterhin ein Ding der Unmöglichkeit in Deutschland. Somit verwundert es nicht, dass die Unternehmen aus diesem Bereich zu fast 90 Prozent nicht ihr Geschäft umsetzen können.

Krisenausblick im Gastgewerbe

Mit den gravierenden Umsatzeinbussen ist klar, das sich die Branche weiter in einem Existenzkampf befindet. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband befürchtet daher, dass die Unternehmen auch im dritten und vierten Quartal mit erheblichen Umsatzverlusten konfrontiert seien werden. Umsomehr begrüsst man die aktuelle Ankündigung des Bundeswirtschaftsministers die "Überbrückungshilfe III Plus“ weiterzuführen.

Amortisierung der Krise

Die Krisenfolgen werden die Gastgewerbebranche noch lange beschäftigen. Erst nach zwölf Monaten sehen die ersten Unternehmen wieder einen Normalbetrieb, wie er vor der Krise möglich war. Dabei zählen sie folgende Herausforderungen als finanziell größte auf:

  • Rückzahlung von Hausbank- und KfW-Krediten
  • drohende Rückzahlung von Soforthilfen
  • fällige Zahlungen gestundeter Mieten und Pachten
  • ebenso Steuern und Sozialversicherungsbeiträge

Weitere News zum Thema Krisenbewältigung:

Überbrückungshilfe III Plus kommt

Die Überbrückungshilfe III für betroffene Unternehmen wird als sogenannte Überbrückungshilfe III Plus bis zum 30. September 2021 verlängert. Eingegliedert darin kommt eine neue Restart-Prämie, mit der Unternehmen einen höheren Zuschuss zu ihren Personalkosten beantragen können sowie die Neustarthilfe Plus.

Härtefallhilfen: Antragstellung ab sofort möglich

Unternehmen und Selbstständige, die eine pandemiebedingte besondere Härte erlitten haben, können ab sofort einen Antrag auf Härtefallhilfen stellen. Eine solche erhebliche finanzielle Härte liegt vor, wenn dein Unternehmen außerordentliche Belastungen zu tragen hat, die absehbar deine wirtschaftliche Existenz bedrohen. Erfahre alles, was du für deinen Antrag wissen musst.

Überbrückungshilfe 3 Plus bis Jahresende?

Überbrückungshilfe 3 Plus soll nach Sommerpause gegebenfalls verlängert werden. Bundeswirtschaftsminister Altmaier machte bei der Wirtschaftsministerkonferenz der Länder Anspielung auf eine Fortführung der Wirtschaftshilfen. Die Hilfen für Exportunternehmen sind schon bis Jahresende verlängert worden.

Über den Autor
René Wendler

René Wendler

René hat die letzten 20 Jahre erfolgreich Geschäftsmodelle zur Betreuung von Gründern und Unternehmer aufgebaut. Damals wie heute adressiert er gemeinsam mit seinem Team Solo-Selbstständige und Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern, welche weder die mediale noch politische Aufmerksamkeit haben, obwohl sie 95% aller Unternehmen in Deutschland stellen und 60% aller Arbeitsplätze absichern. Daraus entstanden ist auch unternehmenswelt.de, die mittlerweile größte Anlaufstelle für Gründer und Unternehmer in der D/A/CH Region mit über 500.000 Mitgliedern.

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