30.11.2019

Checkliste Club-Eröffnung: So gelingt Ihre Gründung im Veranstaltungsgeschäft

Genehmigungen, Anforderungen und Finanzierungslösungen

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Ob in Berlin, Leipzig oder Hamburg, Samstagnacht ist Peak Time auf deutschen Tanzflächen. Den professionellen Rahmen für derlei Ausgelassenheit verantworten Sie als Clubbetreiber mit einem eingespielten Team von Tür bis Tresen. Damit der Traum vom eigenen Club gelingen kann, müssen Sie bereits lange vor der Eröffnung umfangreiche Anforderungen erfüllen und notwendige Genehmigungen einholen. Wir geben Ihnen einen Überblick der wichtigsten Punkte, die Sie bei Unternehmensorganisation, Finanzierung und Absicherung berücksichtigen müssen.

Erfolgreich Gründen als Clubbetreiber

3-Punkte Checkbox zur Gründung als Clubbetreiber

1. Gründerprofil:

Erfülle ich alle persönlichen und rechtlichen Anforderungen?

2. Businessplan:

Ist mein Businessplan vollständig und fehlerfrei?

3. Finanzplan:

Kann ich mein Gründungsvorhaben finanzieren?

1. Gründerprofil: Erfülle ich alle persönlichen und rechtlichen Anforderungen?

1. Gaststättenkonzession beantragen

Die Konzession erhalten Sie gegen Vorlage folgender Dokumente bzw. Vorhandensein entsprechender Nachweise über

  • Ihre persönliche Zuverlässigkeit (dokumentiert durch Auszüge aus Bundeszentralregister und Gewerbezentralregister, Unbedenklichkeitsbescheinigung des zuständigen Finanzamtes und der Gewerbesteuerbehörde)
  • Ihre fachliche Eignung (Ausbildungsberuf oder Teilnahme an der Gaststättenunterrichtung der IHK; Nachweis der Erstbelehrung nach dem Infektionsschutzgesetz, die nicht älter als drei Monate ist)
  • die Erfüllung objektbezogener Voraussetzungen für den Clubbetrieb (Lärm- und Brandschutz, die sanitären Anlagen, Anzahl der Parkplätze; Miet-, Pacht-, oder Kaufvertragsunterlagen über die Räumlichkeiten sind in diesem Zusammenhang ebenfalls vorzubringen bzw. der Nachweis darüber, dass Ihr Standortobjekt gemäß der geltenden landesrechtlichen Bestimmungen für das Hotel- und Gaststättengewerbe nutzbar ist.)

Der Gesetzgeber summiert seine Forderungen in § 4 Absatz 1 GastG. Die Konzession wird als Neukonzession, als Konzession nach Umbauten oder als Erlaubnis für das Führen einer Gaststätte durch eine Stellvertretung vergeben. Zuständige Behörde für die Erteilung ist, je nach Standort, die Gemeinde- bzw. Stadtverwaltung oder das Landratsamt.

2. Rechtsform wählen und Gewerbe anmelden

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob Sie als Personengesellschaft (z.B. Einzelunternehmen oder OHG) oder als Kapitalgesellschaft gründen wollen (z.B. GmbH oder AG). Beachten Sie, dass Kapitalgesellschaften der Gewerbesteuer in voller Höhe unterliegen, für natürliche Personen sowie Personengesellschaften gilt ein Freibetrag bis 24.500 EUR. Beliebte Rechtsformen im Veranstaltungsgeschäft sind das Einzelunternehmen, die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die GmbH oder die Unternehmergesellschaft (UG). In Abhängigkeit von der zuvor gewählten Rechtsform müssen Sie im Formular zur Gewerbeanmeldung spezifische Angaben zum Unternehmen machen. Mit erteilter Genehmigung und gewählter Rechtsform kann schließlich die Gewerbeanmeldung beim zuständigen Gewerbeamt erfolgen.

3. Unternehmen organisieren

Definieren Sie verantwortliche Arbeitsbereiche und besetzen Sie Ihr Team für Fronthouse und Backoffice in zunächst Kernpositionen und dann in Abhängigkeit vom Tagesgeschäft.

Sie können als Jungunternehmer (unter 2 Jahre Geschäftstätigkeit) außerdem externe Beratung in Anspruch nehmen und diese Kosten auch z.B. mit dem BMWi Beratungszuschuss zu Förderung unternehmerischen Know-hows bezuschussen lassen. Umfangreiche Gründerseminare im gesamten Bundesgebiet zu allen Themen der Existenzgründung veranstaltet Unternehmenswelt in Kooperation mit zertifizierten Bildungsträgern. Hier erhalten Sie Antworten auf Ihre individuellen Fragen zu den Themen Businessplan, Fördermittel, Steuern, Recht, Absicherung und Marketing.

4. weitere Meldungen und Anforderungen

  1. Bei gewählter Rechtsform GmbH und UG müssen Sie zusätzlich eine Eintragung im Handelsregister beim zuständigen Registergericht vornehmen.
  2. Finanzamt und IHK werden über Ihre Selbständigkeit bereits durch das Gewerbeamt informiert und wenden sich anschließend proaktiv an Sie für Zuteilung von Steuernummer bzw. die Bedingungen für Ihre Mitgliedschaft als Gewerbetreibender.
  3. Sie müssen eine GEMA-Anmeldung für Ihren Betrieb vornehmen zur Erfüllung der Lizenzvereinbarungen bei abgespielter oder Live-Musik.
  4. Sie müssen den Nachweis zur Erstbelehrung nach dem Infektionsschutzgesetz der im Ausschank angestellten Mitarbeiter sicherstellen.
  5. Anmeldung in der Berufsgenossenschaft für Nahrungsmittel und Gaststätten (BGN) als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung vornehmen
  6. Meldung bei der Agentur für Arbeit zur Zuteilung einer Betriebsnummer im Rahmen der Sozialversicherungspflicht bei der Lohnabrechnung
  7. Folgende Aushangpflichten in gastronomischen Einrichtungen gilt es ebenfalls zu beachten:
  • Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
  • Jugendschutzgesetz (JuSchG)
  • Jugendarbeitsschutzgesetz (JarbSchG)
  • Mutterschutzgesetz (MuSchG)
  • Arbeitszeitgesetz (ArbZG) und Arbeitsgerichtsgesetz § 61 B (ArbGG)
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
  • ggf. Ladenöffnungsgesetz (Lad-ÖffG)
  • Betriebsvereinbarungen sowie u. U. Wahlordnung und Tarifvertrag
  • Alle zutreffenden Vorschriften der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) 
  • Zutreffende Unfallverhütungsvorschriften (UVV) 

Essentielle Fakten für Gründer im Veranstaltungsgeschäft

Club-Eröffnung: Erfolgreich selbständig im Veranstaltungsgeschäft
Club-Eröffnung: Erfolgreich selbständig im Veranstaltungsgeschäft
Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen ein zwar immer noch reges Veranstaltungsgeschäft in Deutschland, jedoch mit veränderten Gewichtungen im Verlauf der vergangenen zehn Jahre. 2015 überstieg die Anzahl der Bars (2114) in Deutschland erstmals die der Clubs (2042), was die Analysten auf einen gesteigerten Altersdurchschnitt aber auch veränderte Freizeitgewohnheiten zurückführen. Im Hinblick auf die Nachfrage profitieren aktuell besonders kleine individuelle Clubs. Können Sie zudem auf eine nachhaltige Standortsicherung bauen, die nicht im Zuge neuer, städtischer Bauprojekte auf dem Spiel steht, erhöhen sich die Chancen als ausgesuchter Veranstalter gut frequentiert zu werden. Im Folgenden geben wir Ihnen einen Überblick der wichtigsten Anforderungen, die angehende Clubbetreiber erfüllen müssen.

2. Businessplan: Ist mein Businessplan vollständig und fehlerfrei?

Bereits weit vor vor der Eröffnung Ihres Clubs müssen Sie mit hohen Investitionen rechnen, um die Anforderungen an die zu erteilende Gaststättenkonzession erfüllen zu können. Insbesondere in Bezug auf die behördengerechte Ausstattung der Räumlichkeiten und hier z.B. der Sanitäreinrichtungen sowie Vorkehrungen zu Brand- und Schallschutz erwartet der Gesetzgeber entsprechende Kauf-, Miet- und/oder Pachtunterlagen, anhand derer die Erfüllung der Vorgaben nebst Begehung deutlich wird (z.B. bei Übernahmen von schon gastronomisch genutzten Einrichtungen). Ihren lückenlosen Businessplan mit den entsprechenden Kennzahlen und erforderlichen Nachweisen immer an der Hand, dokumentieren Sie den Behörden Ihre sowohl persönliche Eignung als auch die Tragfähigkeit eines nachweislich organisierten Projekts. 

Businessplan Club-Eröffnung: Alle wichtigen Fakten im Überblick

Businessplan Cluberöffnung
Businessplan Cluberöffnung
Im Jahr 2018 erwirtschafteten mehr als 4500 Bars, Diskotheken, Tanz- und Vergnügungslokale in Deutschland rund 90 Milliarden EUR netto. Ob in Techno-Clubs, Jazzkellern oder Salsa-Bars, spätestens am Freitag sind die Nächte in Deutschland lang und die Tanzflächen füllen sich. Damit Sie als Clubbesitzer ebenso unbeschwert wie Ihre Gäste bleiben, bedarf es bereits vor der Eröffnung einer gründlichen Planung. Wir geben Ihnen einen Überblick der wichtigsten Inhalte für Ihren Businessplan - vom behördengerechten Standort über die erteilte Schanklizenz bis zu einer erfolgreichen Mischkalkulation für Ihre Gründung im Veranstaltungsgeschäft.

3. Finanzplan: Kann ich mein Gründungsvorhaben finanzieren?

In Ihre Finanzplanung gehören sämtliche Gründungskosten, laufende Kosten sowie variable Kosten, die mit dem Umsatz steigen oder fallen können. Dazu zählen im Einzelfall

Gründungskosten

  • Baukosten
  • Beratungskosten
  • Maklerkosten
  • Gebühren für die Gaststättenlizenz (je nach Gemeinde zwischen einigen hundert bis einigen tausend EUR)
  • Gebühren für die Gewerbeanmeldung 

stete laufende Kosten

  • Miete, Strom, Versicherungen, Personal, GEMA-Gebühren, Honorare etc.

variable Kosten

  • Wareneinsatz

Um im Gespräch mit Förderbanken und Finanzierungspartnern von der Tragfähigkeit Ihrer Idee zu überzeugen und Zugriff auf eine Gründungsfinanzierung zu erhalten, sind der Finanzplan als Teil Ihres Businessplans entscheidendes Ausweisdokument.

Denken Sie kosteneffizient und über den Abschluss von Leasing-Verträgen für z.B.  die Anschaffung von Licht- und Tontechnik nach. KfW und UniCredit Leasing unterstützen Unternehmer hier mit günstigen Leasing-Konditionen bei der Investition in Betriebsmittel. Einige Club-Projekte, die straight from scratch gestartet sind, konnten außerdem durch Crowdfunding-Kampagnen für einzelnes Inventar beachtliche Einnahmen erzielen. Mit einem clever gebauten Marketing um die einzelne Kampagne und attraktiven Gimmicks je gespendetem Betrag können Sie außerdem noch vor Eröffnung Ihr Zielpublikum an sich binden. 

Kleiner Tipp am Tresen: Bei der Bestellung von Waren sollten Sie die zunächst attraktiven Konditionen eines  Lieferantensponsoring mit der Bereitstellung von Inventar bei langjähriger Bindung an ein Produkt genau prüfen, ob Ihre Zielgruppe genauso begeistert ist von einem dann zwingend zu verkaufenden Angebot.

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Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.

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