Wirtschaftslage: Produktionsrückgang, Handelsdefizit, Inflations- und Insolvenzanstieg

Die Wirtschaftslage im Oktober zeichnet sich durch einen Produktionsrückgang, gesunkene Auftragseingänge, höhere Importe, einen deutlichen Inflations- und Insolvenzanstieg. Höhere Arbeitslosenzahlen werden weiter durch Kurzarbeit vermieden. Wir verdeutlichen dir die einzelnen Wirtschaftsentwicklungen und geben dir einen einfachen Überblick.

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Wirtschaftslage: Produktionsrückgang, Handelsdefizit, Inflations- und Insolvenzanstieg

Produktion kämpft mit Lieferengpässen und Auftragsrückgängen

Die deutsche Produktion hat sich im August gegenüber Juli um 4 Prozent verringert. Die industrielle Produktion sank dabei um 4,7 Prozent und das Baugewerbe verzeichnete ein Minus von 3,1 Prozent. Als Gründe für die massiven Produktionsrückgänge nannte das Bundeswirtschaftsministerium die Lieferengpässe bei Halbleitern, Vorprodukten, Rohstoffen sowie Betriebsferien.

Insbesondere die Automobilindustrie und der Maschinenbau haben demnach ihre Produktion stark heruntergefahren. So hat allein die Automobilindustrie stolze 17,5 Prozenz weniger produziert.

Insbesondere die Industrieproduktion soll in den kommenden Monaten weiter negativ verlaufen. Dies spiegeln zudem auch die Autragseingänge wider.

Das verarbeitende Gewerbe konnte im August gegenüber Juli ein Auftragsplus von 7,7 Prozent verzeichnen.  Berücksichtigt man die Großaufträge nicht mit, gingen die Auftragseingänge jedoch um 1,3 Prozent zurück. Damit haben sich nach einem deutlichen Aufwärtstrend seit Jahresbeginn die Aufträge zuletzt kräftig verringert.

Als Gründe dafür werden die um 9,5 Prozent geringere Auslandsnachfrage, insbesondere aus dem Nicht-Euroraum mit Minus 15,2 Prozent angesehen. Ebenso wie die inländische Nachfrage, welche einen Rückgang von 5,2 Prozent verzeichnete. Die Automobil- und dessen Zulieferindustrie musste ein Auftragsminus von 12,0 Prozent hinnehmen, während der Maschinenbau ein Prozent weniger Aufträge erhielt.

Der Gesamtausblick für die Industriekonjunktur hat sich damit eingetrübt und bleibt verhalten optimistisch. Die Industrie hofft auf höhere Aufträge aus dem Ausland. 

Importierte Waren höher als Export

Die weltweite Industrieproduktion sowie der Warenhandel starteten "recht kraftlos" in das zweite Halbjahr, was sich schon im zweiten Quartal angedeutet hat. Neben den bereits erwähnten Lieferengpässen, wird die krisenbedingte Produktionsabschwächung in den massenhaft, billig herstellenden Entwicklungs- und Schwellenländern angeführt.

Aber auch der Wert der deutschen Waren- und Dienstleistungsexporte ging im August gegenüber Juli saisonbereinigt um 2,5 Prozent zurück. Durch die angestiegenen Ausfuhrpreise dürften sich die Exporte jedoch real noch stärker verringert haben.

Dagegen stiegen die Importe von Waren- und Dienstleistungen im August zum Vormonat nominal und saisonbereinigt um 2,5 Prozent. Damit stieg die Einfuhr im Zweimonatsvergleich um 1,9 Prozent. Aber auch hier dürften durch stark gestiegene Einfuhrpreise die Importe real abgenommen haben.

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München sieht in der Exporterwartung ab September eine teilweise Erholung. Etwa 25 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung in den nächsten drei Monaten.

Höchste Inflation und Energie um 14,3 Prozent teurer

Die Binnennachfrage im Einzelhandel ohne Kfz erhöhte sich im August zum Vormonat leicht um 1,1 Prozent. Der Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung und Schuhen verzeichnete für den August ein Umsatzplus von 3,9 Prozent. Der Internet- und Versandhandel kam auf eine Umsatzsteigerung von 9 Prozent. Die privaten Pkw-Neuzulassungen stiegen im September um 1,3 Prozent.

Die Preisniveauentwicklung stieg im September um 0,2 Prozentpunkte. Somit beläuft sich die Inflationsrate auf 4,1 Prozent. Das ist die höchste Inflation seit Dezember 1993.

Angeführt wird die Preissteigerung durch die unterschiedlichen Umsatzsteuersätze, da diese krisenbedingt letztes Jahr herabgesetzt waren. Zusätzlich haben Steigerungen der Import- und Rohstoffpreise sowie die Einführung der CO2-Bepreisung zu einem deutlichen Anstieg der Inflationsrate gesorgt.

Energie und Nahrungsmittel verteuerten sich dieses Jahr besonders stark. Die Energiepreise stiegen um 14,3 Prozent und die Preise für Nahrungsmittel um 4,9 Prozent.

Die Geschäftserwartungen des Leibniz-Instituts fallen für den Einzelhandel im September noch einmal etwas negativer aus. Auch das Konsumklima des GfK Marktforschungsinstitutes war im September gesunken. Wobei für Oktober wieder mit einem Anstieg gerechnet wird.

Insolvenzen um 25 Prozent gestiegen

Das Statistische Bundesamt verzeichnete für September einen Anstieg der Regelinsolvenzen von 6 Prozent gegenüber dem Vormonat und stolze 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr, indem krisenbedingt die Inolvenzregeln ausgesetzt waren.

Im weiteren Jahresverlauf wird ein weiterer Anstieg der Unternehmensinsolvenzen nicht ausgeschlossen. Allerdings rechnet man dabei, insofern überhaupt, mit einem moderaten Verlauf. 

Im September haben nach der Bundesarbeitsagentur in Deutschland 4.419.000 Menschen Lohnersatzleistungen bekommen. Dies sind im Vergleich zum September 2020 rund 470.000 Personen weniger.  Arbeitslosengeld I haben im September 740.000 Menschen erhalten. Arbeitslosengeld II haben nach der aktuellen Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit 3.734.000 Menschen erhalten. ALGI Bezieher waren dies 353.000 weniger als im Vergleich zum Vorjahr. Bei den ALGII Beziehern waren dies im Vorjahresvergleich 170.000 weniger.

Laut Hochrechnung befanden sich im September noch knapp 927.000 Menschen in Kurzarbeit. Vor der Krise, im September 2019 waren dies lediglich 84.000 Personen.

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Über den Autor
René Wendler

René Wendler

René hat die letzten 20 Jahre erfolgreich Geschäftsmodelle zur Betreuung von Gründern und Unternehmer aufgebaut. Damals wie heute adressiert er gemeinsam mit seinem Team Solo-Selbstständige und Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern, welche weder die mediale noch politische Aufmerksamkeit haben, obwohl sie 95% aller Unternehmen in Deutschland stellen und 60% aller Arbeitsplätze absichern. Daraus entstanden ist auch unternehmenswelt.de, die mittlerweile größte Anlaufstelle für Gründer und Unternehmer in der D/A/CH Region mit über 500.000 Mitgliedern.

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