04.06.2021

Interview mit Nicole Schmitz Unternehmensberatung

Für Nicole Schmitz ist Selbstständigkeit gleichbedeutend mit Selbstverwirklichung. Im Interview erzählt sie, wie sie diesen Traum jeden Tag lebt. Dass sie als Frau und Gründerin immer noch zu einer Minderheit zählt, ist der Unternehmensberaterin weit weniger bewusst als ihrer Umwelt. Im Gegenteil, traditionell weibliche Eigenschaften zählen für Nicole als unternehmerische Kernkompetenz.

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Nicole Schmitz unterstützt mittelständische Unternehmen bei ihrer Expansion

Faktencheck: 3 Fakten zur Gründerin und Unternehmerin Nicole Schmitz

1. Selbstständigkeit bedeutet Selbstverwirklichung

Seit dem Beginn der Selbstständigkeit, nehme ich das Leben als eine Inspiration wahr, man sieht, hört etwas in jeder Lebenslage und hat eine Idee, die man als Unternehmerin direkt in die Wirklichkeit umsetzen kann. (..) Umso mehr man zu tun hat, desto mehr wird einem bewusst was einem wichtig ist, denn der Kopf fängt an automatisch zu selektieren – man wird sich seiner Selbst und seiner Werte besser oder schneller bewusst.

2. Ein Businessplan ist das A und O für eine erfolgreiche Gründung

Ich bin sehr froh, dass ich dazu gezwungen wurde, so habe ich meine Idee noch weiter durchdacht und an einem Alleinstellungsmerkmal gearbeitet. 

3. Frauen sind starke Unternehmerpersönlichkeiten

Frauen sollten sich einfach mehr zutrauen, wir sind von Natur aus einfühlsamer. Diese Fähigkeit sollte uns doch gerade als Unternehmerinnen stark machen – wir verstehen und spüren unser Gegenüber gut, das ist eine große Gabe.

Hallo Nicole, wann hast du dich dazu entschlossen ein Unternehmen zu gründen und was hast du zuvor beruflich gemacht?

Hi Kathleen, das war bereits sehr früh und schnell klar. Der Grund dafür ist einfach: Ich wollte die größtmöglichen Chancen zur Gestaltung meines Lebens haben, u.a. wann, wo und mit wem ich meine Zeit verbringe und ich wollte mein Leben möglichst facettenreich gestalten – das Unternehmerinnen-Dasein bietet genau diese Möglichkeiten!

Zuvor arbeitete ich in einem international tätigen Unternehmen mit weltweit 65.000 Mitarbeitern als Business Development Consultant. Ich war zuständig dafür, die Expansion schnell voranzubringen. Um dies zu tun, reiste ich durch viele Länder, lebte aus dem Koffer und war mit der ganzen Welt in Kontakt. Dabei lernte ich eigenverantwortlich und mit Menschen aller Art zu interagieren und zu verhandeln. Als sich das Team auflöste, merkte ich, dass es Zeit für den nächsten Schritt war und das konnte nur noch die Selbstständigkeit sein.

Ich schrieb dann meine Bachelor Thesis zum Thema "Selbstständigkeit als Teil der Selbstverwirklichung" und interviewte mehrere Selbstständige, wodurch sich mein Entschluss festigte. Danach ging alles ganz schnell und ich gründete mein Unternehmen und fand den ersten Kunden.

Du betrachtest "Selbstständigkeit als Teil der Selbstverwirklichung": Welche Personen und Institutionen haben dich auf diesem Weg besonders unterstützt?

Das ist ein riesiges Puzzle, das sich zusammenfügt. Väterlicherseits entstamme ich einer Unternehmerfamilie, viele sind selbstständig, das begeisterte mich schon als Kind. Als Jugendliche jobbte ich viel nebenher, die Inhaber dieser Firmen fand ich jeweils sehr inspirierend. Mein Freundeskreis besteht überwiegend aus Selbstständigen, auch diese begeisterten mich mit ihrer belebenden Art und ihrem Denken immer wieder. Im Rahmen meiner Thesis interviewte ich dann noch zwei sehr inspirierende Unternehmerinnen: Anja Häßler und Zarmina Penner – zwei Power-Frauen, mit tollen Coaching-Inhalten. Schlussendlich festigte mein Vater die Entscheidung und ich startete mit 100 % in die Selbstständigkeit. 

Seit meiner Gründung nehme ich das Leben als eine Inspiration wahr, man sieht, hört etwas in jeder Lebenslage und hat eine Idee, die man als Unternehmerin direkt in die Wirklichkeit umsetzen kann – man sieht die Ergebnisse seiner eigenen Arbeit und lässt sich davon befeuern weiter zu machen. Umso mehr man zu tun hat, desto mehr wird dir bewusst, was dir wirklich wichtig ist, denn der Kopf fängt an automatisch zu selektieren – man wird sich seiner Selbst und seiner Werte besser oder schneller bewusst.

Selbstverwirklichung auf den Schultern der Vorderen 

Die Bücher von J. Strelecky (Das Café am Rande der Welt, Big Five for Life) und ähnliche Autoren inspirierten mich ebenfalls auf dem Weg der Selbstverwirklichung über die Selbstständigkeit. 

Zugegeben, ist das Thema Selbstverwirklichung ein "Luxus"-Thema meiner und nachfolgender Generationen in Deutschland. Seit dem Ende des letzten Krieges, der Deutschland betraf (1945) kümmerten sich unsere Großeltern und Eltern um den Wiederaufbau und arbeiteten hart und viel, um die Familie versorgen zu können.

Meine Generation kennt das nicht mehr. Wir sind auf dem friedvollen, stabilen Fundament, das die vorherigen Generationen aufgebaut haben, groß geworden. Wir leben in Sicherheit und haben Essen, daher denken so viele von "uns" über Selbstverwirklichung nach – unsere Köpfe sind frei von großen Problemen. Die Corona-Krise ist die erste große Krise, die wir miterleben.  

Hast du ein Existenzgründerseminar besucht und wenn ja, wie waren deine Erfahrungen?

Ich habe über Unternehmenswelt beste Beratung in Sachen Existenzgründung erhalten und mir wurde hier der Weg zu Erfolgspfad geebnet, die mir einen Coach zur Verfügung stellten, mit dem ich an meiner Geschäftsidee arbeiten konnte. Gemeinsam haben wir einen Businessplan erstellt, durch den ich letztendlich einen Gründungszuschuss erhielt, der mir ein Stück Sicherheit gab, um mich auf die Kundengewinnung und meinen Website-Auftritt konzentrieren zu können. 

Heute bin ich selbst Coach der Erfolgspfad – tolles Unternehmen!

Nur etwa jedes zehnte Unternehmen wird von einer Frau gegründet. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Am liebsten kategorisiere ich nicht in Mann und Frau – denn wir Frauen werden erst gleichberechtigt sein, wenn man aufhören muss darüber zu reden. 

Dass es immer noch weniger Frauen als Männer gibt, die gründen, liegt daran, dass Frauen lange Zeit fast ausschließlich dafür verantwortlich waren, die Familie zu umsorgen und Kinder großzuziehen. Der Mann ging arbeiten und sorgte dafür, dass Geld verdient wird, mit dem die Familie ernährt werden kann, in Urlaub gefahren werden kann etc..

Stück für Stück festigt sich in unseren Köpfen, dass Erziehung und Geldverdienen nicht in Mann und Frau unterteilt werden muss, sondern aufgeteilt werden kann – das bringt viele Vorteile mit sich. Väter wollen Kinder aufwachsen sehen und sind genauso Bezugsperson wie die Mutter. Frauen wiederum werden in Unternehmen – allein aus Gründen der Diversität – benötigt, denn Diversität sorgt für Inspiration und gute Ideen. 

Für selbstständige Unternehmerinnen ist Absicherung besonders wichtig 

Selbstständige Unternehmerinnen, die noch eine Familie gründen wollen, müssen zudem gut vorsorgen, da sie als beispielsweise privat Versicherte kein Mutterschaftsgeld erhalten und keinen Anspruch auf Mutterschutz und Elternzeit haben – da gibt es aber Lösungen durch entsprechende Versicherungen oder man gestaltet die Selbstständigkeit so, dass man Familie und Arbeit gut miteinander verbinden kann. Ich kann mir vorstellen, dass Frauen auch aus diesem Grund häufiger vor der Selbstständigkeit zurückschrecken. 

Empathie ist Verhandlungsmasse

Zudem trauen sich Frauen oftmals weniger zu. Männer lernen früh, dass sie stark sind und sein sollen – also sind sie so und fühlen sich so. Den Frauen wird das nicht so beigebracht, wir planen und organisieren bis ins letzte Detail bis wir etwas tun, während der Mann bereits mit dem "Machen" begonnen hat. Bei der Planung ins Detail passiert es, dass man Details erkennt, die Frauen womöglich vor einer solchen Entscheidung zurückschrecken lassen. 

Frauen sollten sich einfach mehr zutrauen, wir sind von Natur aus einfühlsamer. Diese Fähigkeit sollte uns doch gerade als Unternehmerinnen stark machen. Wir verstehen und spüren unser Gegenüber gut, das ist eine große Gabe, die wir nutzen sollten. 

Hast du vor der Gründung einen Businessplan erstellt und wenn ja, warum?

Ja, den habe ich erstellt, damit ich einen Gründungszuschuss beantragen kann. Ich bin sehr froh, dass ich dazu gezwungen wurde, so habe ich meine Idee noch weiter durchdacht, an einem Alleinstellungsmerkmal gearbeitet und mein Coach konnte mir meinen Blickwinkel erweitern, indem er meine Ausführungen sorgfältig geprüft und kommentiert hat.

Was ist deiner Meinung nach das A und O bei einer Gründung?

MEIN Motto ist anzufangen, denn das ist die größte Hürde. Mit Leidenschaft, Ehrgeiz und Verständnis dafür, wie die Selbstständigkeit funktioniert, ergibt sich der Rest dann von selbst.

Inzwischen gebe ich selbst Gründer-Coachings und bin hin und wieder überrascht, wie wenig informiert manche Gründer vor oder bereits in der Selbstständigkeit sind.

Wenn man nicht weiß, dass man sich nun selbst um viel mehr Dinge kümmern muss (Krankenversicherung, Altersvorsorge), dann ist es besser, sich zunächst gründlich zu informieren, was auf dich zukommt und wie das Ganze funktioniert (Gewerbe- und Einkommenssteuern zahlen, Umsatzsteuervoranmeldungen, Kundenakquise, Marketing etc.) Wer hierfür (noch) kein Verständnis hat, sollte sich im Internet oder bei bereits erfolgreichen Bekannten, die selbstständig sind, informieren. Nur so kannst du abschätzen, was da alles auf dich zukommt. 

Welche Möglichkeiten der Finanzierung hast du in Anspruch genommen?

Keine. Als Beraterin benötige ich mein Auto und Laptop zum Arbeiten, das konnte ich privat von meinen Rücklagen bezahlen. 

Du hast dich auf den Aufbau von Vertriebsorganisationen für Maschinenbauunternehmen. Warum gerade in diesem Segment und welche Märkte willst du langfristig betreten?

Mit 15 hatte ich mein erstes Mofa und Roller, ich hatte Spaß am Fahren, aber auch am Schrauben – an der Technik. Dann machte ich meine Ausbildung in einem Maschinenbauunternehmen und die Affinität zur Technik baute sich aus. Als nächstes trat ich meine Stelle in einem Unternehmen für Investitionsgüter im Bereich Automatisierung und Digitalisierung an – hier fühlte ich mich pudelwohl. Automatisierung erleichtert uns Menschen langweilige oder gefährliche Arbeiten. Das ist super, so können wir unser Wunderwerk den Kopf/das Gehirn für aufregende Dinge verwenden. Der Kopf ist zum Denken da.

Zudem hatte und habe ich Spaß am Reisen, privat wie auch geschäftlich – ich verstehe es schnell mich auf neue Kulturen einzuschießen. Das bereitet mir Freude, daher agiere ich am liebsten international. 

Erklärungsbedürftige Produkte brauchen die richtigen Verkäufer

Hinzukommend habe ich festgestellt, umso mehr ein Unternehmen in Richtung Technik orientiert ist, desto mehr kommen deren Inhaber oder Entscheidungsträger aus dem Bereich Engineering und Technik. Diese befinden sich dann oft in einem endlosen Innovationsmodus. Sie denken, wenn das Produkt perfekt ist, dann verkauft es sich von selbst. So ist das jedoch nicht. Die meisten Produkte – vor allem erklärungsbedürftige Produkte hinter denen große Investitionen (5 – 7 stellig) stehen, müssen durch gute Vertriebler/Vertriebsorganisationen verkauft werden. Hier komme ich ins Spiel und suche die richtigen Verkäufer oder Unternehmen, um die entsprechenden Produkte zu verkaufen. 

Im Moment habe ich ausschließlich Kunden aus Deutschland, für diese Kunden bin ich im Kontakt mit vielen Ländern in der EU, aber auch in Japan, Australien, Lateinamerika, Kanada oder USA. 

Gibt es regelmäßige Events, die du als Unternehmerin besuchst und anderen Gründern und Unternehmern empfehlen kannst? 

Ich bin Verfechterin der lokalen WFG-Vulkaneifel – hier werden mir aktuell viele wertvolle (digitale) Netzwerk- oder Infoveranstaltungen geboten auf denen ich lokale Unternehmen kennenlerne. Zudem bietet mir diese Gesellschaft immer wieder Möglichkeiten, mich bekannt zu machen und fragt meine Dienstleistung an, sobald sie um Hilfe aus meinem Bereich gebeten werden. 

Über einen Beitritt in den Bundesverband Mittelständische Wirtschaft denke ich aktuell nach. Dieser Verband bietet ähnliche Möglichkeiten. Weiterhin bin ich Mitglied in diversen Stiftungen politischer Parteien und nehme an der einen oder anderen interessanten Infoveranstaltung oder Diskussion teil.

Besonders aufregend ist, dass ich mich derzeit mit anderen Unternehmerinnen zu einer Kooperation zusammenschließe. Wir bilden gemeinsam ein rundes Beratungsangebot ab zu den Themen Organisation, Marketing, Team-/Führungskräftecoaching, Vertrieb und Steuerberatung. Ich kann nur jedem empfehlen sich zu vernetzen. Ich gewinne darüber meine Kunden, denn am Ende müssen sie mich kaufen und dafür genügt ein Website-Auftritt kaum.

Außerdem nutze ich die Webinare von Zandura. Die Inhalte sind immer wieder wertvoll, zuletzt habe ich ein Webinar besucht, bei dem es um Steuertipps für Einzelunternehmer ging!

Wenn du für dein Unternehmen einen Wunsch frei hättest, welcher wäre das?

Ich hätte gern ein starkes Team, das mir eigenverantwortlich und mit Freude bei der Arbeit den Rücken stärkt und freihält: Arbeiten, die ich nicht gerne mache oder in denen ich keine Spezialistin bin, würde ich gern an das jeweilige Team-Mitglied abgeben, das stark in dieser Aufgabe ist. Dadurch könnte ich mich rein auf meine Kernkompetenz und meine Fortbildung konzentrieren. An diesem Punkt bin ich noch nicht, aber ich arbeite daran. Mit jedem neuen Auftrag gebe ich diese Arbeiten mehr und mehr ab. 

So erreichst du Nicole Schmitz Unternehmensberatung

Nicole Schmitz Unternehmensberatung

Nicole berät kleine und mittelständische Unternehmen u.a. in den Bereichen Vertrieb, Unternehmensführung und Digitalisierung. Das vollständige Beratungs-Portfolio findest du auf der Website von Nicole Schmitz Unternehmensberatung.

Die Dienstleistungen von Nicole in den Bereichen Managementberatung, Unternehmensberatung und -entwicklung kannst du über das Zandura-Neukundenportal anfragen. Hier geht´s zum Profil von Nicole Schmitz Unternehmensberatung auf Zandura.

Selbstständigkeit sorgfältig planen

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Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Redakteur für die Social Startup-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig.

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