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20.09.2019

Smart Cities: Wie smart sind die Städte der Zukunft?

Die erste Förderphase im Projekt Smart Cities der Bundesregierung ist gestartet. 13 Kommunen wurden ausgewählt und erhalten Fördergelder für die digitale Transformation und den Einsatz neuer Technologien. Insgesamt mehr als 750 Mio. EUR stehen hierfür zur Verfügung. Reicht das bereits, um mit Dubais smarter Happiness Agenda mitzuhalten? Wie sicher sind die smarten Städte überhaupt?

Smart City Dubai
  • Der Begriff "Smart City" bezeichnet als Sammelbegriff eine ganze Reihe von Stadtentwicklungsstrategien, bei denen vernetzte Technologien dazu dienen sollen, knappe Ressourcen effizienter einzusetzen.
  • Einsatzbereiche sind städtische Verwaltung, öffentlicher Nahverkehr, Energieversorgung, Bauwesen etc.
  • Neue Technologien (Blockchain, KI, IoT-Anwendungen) sollen Breitenadaption erfahren u.a. durch den Staat als Vorreiterrolle

Der Begriff "Smart Cities" in spezifischer Anwendung auf das gleichnamige Pilotprojekt der Bundesregierung steht für die Entwicklung und Nutzung digitaler Technologien in fast allen Bereichen auf kommunaler Ebene. Im Juli waren hierfür bereits 13 "Modellprojekte Smart Cities" aus mehr als 100 Bewerbungen aus ganz Deutschland für die erste Förderrunde ausgewählt. Diese sollen nun “miteinander und beispielhaft erproben, wie die Digitalisierung in den Kommunen im Sinne einer integrierten Stadtentwicklung nachhaltig und intelligent gestaltet werden kann und welche organisatorischen und strukturellen Veränderungen in der Verwaltungsorganisation dafür nötig sind.”

Der Bund stellt dafür über einen Zeitraum von zehn Jahren in insgesamt vier Staffeln für 50 Modellprojekte rund 750 Mio. EUR bereit. Anfang September erhielten nun die ersten 13 Kommunen ihre Förderurkunden von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Die Initiatoren hoffen auf Synergieeffekte durch einen Wissenstransfer in die Breite, zwischen den Modellprojekten und den nicht unmittelbar geförderten Städten aber auch mit nationalen wie internationalen Experten.

Die ausgewählten Projekte unterteilen sich in folgende Kategorien:

Ausgewählt wurden

In der Kategorie 'Großstädte'

  • Solingen
  • Ulm
  • Wolfsburg

In der Kategorie 'Mittlere Städte'

  • Cottbus
  • Gera
  • Kaiserslautern

In der Kategorie 'Kleinstädte und Landgemeinden'

  • Grevesmühlen
  • Haßfurt
  • Süderbrarup
  • Zwönitz

In der Kategorie 'Interkommunale Kooperationen und Landkreise'

  • Kooperation Arnsberg, Olpe, Menden, Soest und Bad Berleburg
  • Kooperation Brandis, Naunhof, Borsdorf, Großpösna, Belgershain, Parthenstein und Machern
  • Landkreis Wunsiedel

Schaut man weiter östlich werden die Dimensionen smarter Ballungszentren in vielerlei Hinsicht größer. Der 10-Jahres Plan der Bundesregierung zur Entwickler smarter Regionen gilt hier allenfalls als Etappe. Das Emirat arbeitet langfristig und orientiert seine Strategie für ein Smart Dubai entlang der nächsten 50 Jahre. In Zusammenarbeit mit dem Fourth Industrial Revolution Center des WEF entwickelt Dubai aktuell die Rahmenbedingungen für Blockchain-Anwendungen, Crypto-Währungen und einen Future Landscape Report. Letzterer betrachtet klassische Strukturen und Geschäftsfelder in Dubai unter dem Gesichtspunkt ihrer Kompatibilität bzw. Katalyse durch einen Einsatz von Blockchain-Technologie.

Dadurch versprechen sich die Emiratis nicht nur Effizienzsteigerungen bei den Diensten Government to Consumer (G2C) und Government to Government (G2G). Ihre Vision ist es außerdem, Dubai zur “glücklichsten Stadt der Welt” zu machen.

Ganz konkret erreichen wollen die Emiratis dies durch die Nutzung neuer Technologien und Initiativen wie Blockchain, Künstliche Intelligenz und IoT. Dadurch versprechen sie ihren Bürgern eine “persönlichere, nahtlosere, effizientere und effektivere” Abwicklung ihrer Alltagsgeschäfte.

Selbstbewusst kommuniziert die Stadt ihre Happiness Agenda, die sie als “einen einzigartigen, wissenschaftlichen und systematischen Ansatz” versteht, um im Wandlungsprozess der Stadt das Glücksniveau der Bewohner zu erhöhen und aufrechtzuerhalten. Die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen zu entdecken, positive Veränderungen anzuregen, Bewusstsein zu schaffen und zur Selbstreflexion anzuregen sind erklärte Glücksziele.

Bis 2021 will sich Dubai außerdem zu einer vollständig papierlosen Stadt entwickeln und sicherstellen, dass alle staatlichen Transaktionen zu 100% digitalisiert werden.

Smart City Dubai und die Happiness Agenda

Welche Bedrohungen müssen die intelligenten Städte der Zukunft fürchten? Und sind sie darauf vorbereitet? Laut Beratungsunternehmen ABI Research wird bei der Einrichtung von Internet-of-Things-Netzwerken noch unzureichend in digitale Sicherheit investiert.

Da intelligente Städte von komplexen, voneinander abhängigen Netzwerken von Geräten, Systemen und Benutzern abhängen, müssen Sicherheitsanfälligkeiten in einer Vielzahl von Branchen behoben werden, darunter Energie und Versorgung, Transit, Fertigung, E-Government, Telemedizin, Überwachung und öffentliche Sicherheit. "In dieser zunehmend vernetzten Technologielandschaft ist jeder Smart-City-Service so sicher wie sein schwächstes Glied”, gibt Dimitrios Pavlakis, Branchenanalyst bei ABI Research zu bedenken.

Hauptangriffspunkte und Ursachen für einen möglichen Missbrauch sind vor allem:

  • mangelnde kryptografische Maßnahmen
  • unzureichende Verwaltung kryptographischer Schlüssel
  • nicht vorhandene Dienste für sicheres Onboarding von Geräten
  • Cyber-Angriffe auf kritische Infrastrukturen, die dazu führen, dass industrielle Steuerungssysteme (ICS) zum Erliegen kommen
  • Geräte-Hijacking
  • mangelndes Verständnis für Social Engineering
  • mangelnder Schutz gegenüber DDoS-Angriffen (Distributed Denial of Service)

Vergleicht man die Smart Cities Initiative mit dem Projekt Smart City Dubai, werden nicht nur die offensichtlichen Unterschiede deutlich. Dubai kann durchaus als Petrischale neuer Anwendungen für die in Deutschland forcierten Smarten Regionen fungieren. Dies entspricht dem Wunsch der Bundesregierung nach einem Wissenstransfer in die Breite auch mit internationalen Projekten.

Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Kathleen schreibt seit 2018 im Magazin von Unternehmenswelt. Neue Ideen und Konzepte, disruptive Technologien und nachhaltiges Unternehmertum bilden ihre Interessenschwerpunkte. Zuvor war Kathleen als Content Creator für die Social StartUp-Szene, verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen tätig. Seit 2019 recherchiert die studierte Kulturwissenschaftlerin für dich alle Fakten und Zusammenhänge, die du in deinem Tagesgeschäft brauchst.