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11.06.2019

Gründung der GmbH im Online-Verfahren

Bereits am 18. April hat das Europäische Parlament seine empfohlenen Formulierungen für die geplante Änderung der EU-Richtlinie 2017/1132 über Aspekte des Gesellschaftsrechts an den Europäischen Rat übermittelt. Die entsprechende Bestätigung könnte noch in 2019 erfolgen. Durch den namentlichen „Einsatz digitaler Werkzeuge und Verfahren“ wäre die Gründung einer GmbH in Deutschland via Online-Verfahren dann schon bald möglich. Bei uns erfahren Sie, was Sie als Gründer und KMU über die Änderungsrichtlinie wissen müssen.

Die EU-Änderungsrichtlinie vereinfacht die Gründung eines Unternehmens entlang verschiedener EU-weiter Rechtsformen. In Deutschland betrifft sie die Gründung einer GmbH. Durch den Wegfall notarieller Beurkundungen in Anwesenheitspflicht, sowie schnellere Bearbeitung durch den Einsatz digitaler Mittel bei insgesamt geringeren Kosten sollen Unternehmer im Gründungsprozess und darüber hinaus unterstützt werden.

  • EU-weite Vereinheitlichung des Gesellschaftsrechts zur Stärkung des Binnenmarktes wird forciert
  • kosten- und zeiteffiziente Gründung und Verwaltung von Gesellschaften sowie die Eintragung von Zweigniederlassungen via Online-Verfahren sollen ermöglicht werden (schnellere Bearbeitungs- und Bewilligungszeiträume!)
  • Bereitstellung entsprechender Online-Muster als wählbarer Modus soll zur Verfügung gestellt werden, neben maßgeschneiderten Errichtungsakten (um besonders KMUs zu unterstützen)
  • Anerkennung elektronischer Urkunden; es gilt der „Grundsatz der einmaligen Erfassung“(Punkt 28, S.22)
  • transparente Gebührenordnung in Abhängigkeit der tatsächlich zu erbringenden Dienstleistung wird eingesetzt
  • physische Präsenz vor einem Notar wird hinfällig; eID-Verfahren stattdessen für zweifelsfreie Authentifizierung
  • physische Präsenz soll „nur im Einzelfall vorgeschrieben werden, wenn Anhaltspunkte für einen Verdacht auf Identitätsfälschung oder auf Verstöße gegen die Vorschriften über die Rechts- und Geschäftsfähigkeit und die Befugnis von Antragstellern, eine Gesellschaft zu vertreten, vorliegen.“
  • Betrugsausschluss des weiteren bei z.b. versuchtem Unternehmensidentitätsdiebstahl durch verpflichtende Mitwirkung von Rechtsanwälten im Zuge einer Legalitätskontrolle innerhalb des Online-Verfahrens zur Absicherung aller Parteien
  • EU-weite Online-Register zur Überprüfung von Gesellschafter-Ids (*datenschutzkonform)

Das Europäische Parlament erklärt den Nutzen der Änderungsrichtlinie zum Einsatz digitaler Werkzeuge und Verfahren für Unternehmen dahingehend, „um die Gründung von Gesellschaften und die Eintragung von Zweigniederlassungen zu erleichtern und um die Kosten und den Zeit- und Verwaltungsaufwand im Zusammenhang mit diesen Verfahren insbesondere für Kleinstunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) (..) zu reduzieren“.

Die Änderungsrichtlinie verspricht Kosten- und Zeiteffizienz bei Gründung oder Verzweigung bereits bestehender Unternehmen mithilfe digitaler Werkzeuge und auf Basis vereinheitlichter Rechtsstandards im internationalen Binnenmarkt. Schnellere Bewilligungen, weniger Verwaltungsaufwand sowie transparente leistungsgerechte Gebühren sollen mit ihr Standard werden.

Bei geradliniger Beschlussfassung könnte die Änderungsrichtlinie bereits 2019 in Deutschland greifen.

Bislang ist die Gründung einer GmbH ein administrativ umfangreicher Prozess, der den Bedürfnissen digitalisierter Arbeitsprozesse und der Vernetzung des EU-weiten Binnenmarktes nicht mehr gerecht wird. Durch die EU-Richtlinien-Änderung sollen Unternehmer im gesamten Lebenszyklus von Gründung und Führung ihres Unternehmens digitale Werkzeuge und Verfahren nutzen können.

Wie gründe ich eine GmbH? - Die wichtigsten Schritte auf unternehmenswelt.de

Rechtsformen

GmbH | Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) wurde 2016 in Deutschland in 13,4 Prozent der Gründungen als Rechtsform gewählt. Als juristische Person des Privatrechts ist sie uneingeschränkt rechtsfähig. Zwar ist ihr Gründungsaufwand im Vergleich zum Einzelunternehmen und der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) aufwendig, unter den Kapitalgesellschaften ist sie aber am einfachsten und kostengünstigsten zu gründen.

Die vollständige digitale Antragstellung zur Gründung einer GmbH in Deutschland (neben weiteren EU-länderspezifischen Rechtsformen, vgl. hierzu Anhang IIA, S.81-84) und die Möglichkeit zur digitalen Verwaltung im gesamten Lebenszyklus einer GmbH soll besonders KMUs administrativ entlasten.

Auch die Behörden selbst profitieren von der geplanten Änderungsrichtlinie. Zwischen 42 Mio. und 84 Mio. EUR jährliche Einsparungen soll durch die vereinheitlichten digitalen Maßnahmen im Gesellschaftsrecht erzielt werden.

Prinzipiell überlässt es die EU ihren Mitgliedsstaaten selbst, ob sie künftig gänzlich digitalisierte Verfahren verwenden oder wie neue und alte Antragsformen koexistieren.

Die von der Änderungsrichtlinie in den einzelnen Ländern betroffenen teils unterschiedlichen Rechtsformen listet die EU in Anhang II A auf S.81-84. In Deutschland berührt die Änderungsrichtlinie bislang nur die Gründung einer GmbH. Weitere Rechtsformen könnten folgen.

Je nach Rechtsform, in der Sie Ihr Unternehmen gründen, unterscheiden sich prinzipiell Gründungskosten, Anmeldeformalitäten, Mindestkapital, Haftung, Besteuerung, innere Organisation, Buchführung und Kapitalbeschaffung.

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Je nach Rechtsform, in der Sie Ihr Unternehmen gründen, unterscheiden sich Gründungskosten, Anmeldeformalitäten, Mindestkapital, Haftung, Besteuerung, innere Organisation, Buchführung und Kapitalbeschaffung

Über den Autor
Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.