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19.09.2014

Der Startup Monitor: junge Unternehmen wollen wachsen

Der Deutsche Startup Monitor untersucht die Entwicklung deutscher Startups. 2014 nahmen an der Befragung über 900 junge Unternehmen teil. Für das laufende Jahr kann dabei erfreulicherweise registriert werden, dass der Trend eindeutig Richtung Wachstum geht. Im Durchschnitt sollen etwa zehn neue Mitarbeiter eingestellt werden. Kritisch wird die Politik der Bundesregierung gesehen.

Der Deutsche Startup Monitor an dem 2014 über 900 neu gegründete Unternehmen teilnahmen, untersucht die Entwicklung deutscher Startups. Er wurde 2014 zum zweiten Mal erhoben. Er ist ein Projekt des Bundesverbandes Deutsche Startup e.V. (BVDS)und der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin). Gefördert wir der Startup Monitor durch die KPMG. Unterstützt wurde der Monitor durch mehr als 60 Multiplikatoren wie Gründernetzwerke und Business Angels, über die auch die Auswahl und Ansprache der befragten Unternehmen per E-Mail lief.

Anliegen der Untersuchung ist eine fundierte Forschung zur Gründungskultur und zum Gründungsgeschehen in Deutschland aufzubauen. Man will laut eigenen Angaben, der Politik einen Kompass für Maßnahmen geben, um Gründungen in Deutschland einfacher und erfolgreicher zu machen. Schwerpunkte, auf die sich der Monitor konzentriert, sind dabei Wachstumsorientierung und Innovation. Das "Startup" soll so als eigener Unternehmenstypus erforscht werden, der sich von Gründungen klassischer Art unterscheidet.

Die Fokussierung auf Innovation und Wachstum sind dabei auch die klarsten Kriterien, wodurch sich für die Autoren der Studie Startups vom Durchschnitt der neu gegründeten Unternehmen unterscheiden. In dieser Hinsicht sind die vorgestellten Zahlen auch ermutigend. Im Schnitt wollen die deutschen Startups in den nächsten zwölf Monaten zehn Mitarbeiter einstellen. Das entspräche einem Wachstum von 50%.

Allerdings gibt es offensichtlich Schwierigkeiten Startups tatsächlich auf vernünftige Weise klar von anderen jungen Unternehmen abzugrenzen, denn was innovativ ist, lässt wie die Studie selbst anführt, genügend Spielraum für Interpretation. Diese Schwierigkeit eine wirksame Unterscheidung zu treffen, die über den umgangssprachliche Sinn hinausgeht versucht man mit den erhobenen Daten zu beheben.

So präsentiert denn der Monitor als Ergebnis seiner Umfrage eine Reihe von Unterscheidungsmerkmalen. So werden Startups laut Monitor zu 77% im Team gegründet, während der Gesamtanteil der Teamgründungen in Deutschland nur 23% beträgt. Die Gründer der Startups verfügen zu 81% über einen Hochschulabschluss und sind zu 90% männlich.

Hier ergibt sich ein deutliches Bild eines durchschnittlichen Startups, jedoch erscheint es schwierig, aus den festgestellten Eigenschaften Rückschlüsse etwa auf eine gezielte Förderpolitik zu ziehen. Was soll es etwa aussagen, dass in 34% der Startups ein Kicker oder eine Tischtennisplatte stehen? Ist das ein untrügliches Zeichen von Innovation? Generell entsteht beim Lesen solcher Werte ein wenig der Eindruck, es gehe eher darum, Startups mit einem bestimmten Lebensstil zu verbinden als sie sinnvoll in ihrer wirtschaftlichen Funktionsweise zu beschreiben.

Das ist insofern problematisch, als das Startups nur einen kleinen Teil der Gründungen in Deutschland ausmachen. Die Unterscheidung vom Großteil der Gründungen, zielt darauf ihre Bedeutung für die Gesamtwirtschaft hervorzuheben. So wichtig die Förderung von Innovation auch ist, so schwierig erscheint es doch, diese an einen derart unscharf definierten Typus von Unternehmen zu binden. Das würde spätestens dann zum Problem, wenn über die bevorzugte Förderung von Startups, die Gründungskultur im Ganzen vernachlässigt würde.

Aussagekräftiger sind da schon die Angaben, welche die Unternehmer zur Finanzierung machten. So greifen 82,5% auf die eigenen Ersparnisse zurück, immerhin 21,5% erhielten aber auch Venture Capital-Finanzierungen. Für die Zukunft planen 21,6% Finanzierungen von einer Million Euro und mehr. Insgesamt werden 650 Millionen an Wachstumskapital benötigt. So ist auch der Zugang zu Bankkrediten das Problem Nummer eins. Etwa 43% betrachten, die Schwierigkeit an Kredite zu gelangen als größtes Hindernis für Wachstum.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Aussagen der Befragten, zur Politik. So äußerten sich auch viele der Befragten skeptisch zur Politik der Bundesregierung bei Förderung des Gründerstandorts Deutschland. für ihre Leistungen erhielt sie von den Gründern lediglich die Note "ausreichend". Was die besonderen Belange von Startups betrifft gab es sogar nur ein "mangelhaft". Offensichtlich gibt es hier reichlich Nachholbedarf.

Das trifft sich mit dem Abrutschen der Bundesrepublik im Ranking des GEM-Länderberichts, in dem Experten die Rahmenbedingungen für Existenzgründungen im internationalen Vergleich bewerten. Dort war Deutschland zuletzt deutlich zurück gefallen. Insofern ist jeder Schritt, die Rahmenbedingungen für junge Unternehmen zu verbessern, natürlich zu begrüßen. Hierzu kann auch gehören, dass bei den Akteuren gezielt nach den Voraussetzungen für Wachstum und Innovation gefragt wird.

Die gesamte Studie finden Sie auf der offiziellen Website des Startup Monitors

Über den Autor

Stephan Leistner