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07.05.2010

Schottland reformiert seine Rechtsbranche

Der Berufsstand der Rechtsberatung ist zu eingefahren, zu unflexibel und in seiner Umsetzung nicht mehr zeitgemäß. So oder so ähnlich sehen es zumindest die Schotten. Daher plant man in Großbritannien eine Umstrukturierung der Rechtsbranche. Das sogenannte Tesco Law soll es in Zukunft ermöglichen, dass auch Supermärkte und Banken eine Rechtsberatung anbieten dürfen.

Wenn etwas nicht mehr zeitgemäß ist, dann muss es verändert werden - und das am besten mit einer Reform. Das denkt man sich zumindest in Schottland. Im Oktober 2011 wird sie starten, die Reform der Rechtsbranche. In Zukunft sollen dort nämlich auch Supermärkte, Banken oder Versicherungen Rechtsberatungen aller Art anbieten oder sich in Kanzleien einkaufen können. Tesco Law wird das Gesetz genannt. Mit dem Namen lehnt es sich an die britische Supermarktkette Tesco an und kann so einen leicht ironischen Unterton nicht leugnen.

Das Ziel des Ganzen ist einfach: das Tesco Law soll für frischen Wind in den Kanzleien sorgen, den Wettbewerbsdruck erhöhen und gleichzeitig natürlich auch das Geschäft wieder ankurbeln. Schließlich ist die Wirtschaftskrise auch an den Anwälten nicht vorbeigegangen.

Doch leider sehen die meisten schottischen Anwälte in dieser Maßnahme so gar keine Hilfe. Vorbei wäre die Unabhängigkeit, stärker jedoch der aufkommende Wettbewerb. Doch ist das nicht genau das, was man damit erreichen will? Kritiker des Tesco Law sehen in dieser Lösung jedoch vielmehr die Gefahr des Integritätsverlusts einer bedeutenden Berufsbranche. Ein großer Geldgeber im Rücken garantiere schließlich noch keine hochwertige Rechtsberatung, so Gegner der Reform.

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Kristin Lux