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Crowdfunding: Solar Roadways stellt Rekord auf.

Die amerikanische Technolgie-Firma Solar-Roadways hat mit einem Konzept, das an Science-Fiction erinnert, geschafft mit seiner Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo einen Rekord aufzustellen. 38.000 investitionswillige Personen fanden sich, welche die Idee unterstützten, das gesamte amerikanische Straßennetz mit Solartechnik zu überziehen.

Die Vorstellung ist fantastisch: gläserne Straßen auf denen durch Autos fahren, Schnee, der auf der Straßenoberfläche von selbst schmilzt, Hinweise zur Verkehrslenkung, die im Straßenbelag aufleuchten wie auf einem Bildschirm - all das mit der Energie von im Straßenbelag eingebrachten Solarzellen: Es ist klar, dass ein solches Versprechen Zweifel an der technischen Umsetzbarkeit weckt und so schwanken die Reaktionen auf den Crowdfunding-Aufruf der Firma Solarways auch zwischen Faszination und Skepsis. Aber allein die Tatsache, dass es hier nicht um bloße Theorie geht, sondern das Erfinder-Ehepaar Julie und Scott Brusaw seine Idee schon in der Realität testet, hat etwas Elektrisierendes. Man möchte sehen, ob das tatsächlich funktionieren kann und so hat Solar Roadways schon 1,8 Millionen US-Dollar eingesammelt, zunächst, um die Funktionsfähigkeit auf einem kleinen Parkplatz in Idaho auszuprobieren.

Die Idee, welche Solar Roadways präsentiert, ist umfassend. Letzendlich wird nicht weniger versprochen als die Etablierung eines geschlossenen Kreislaufs. Die gesamte von Sonnenlicht beschienene Oberfläche des Straßennetzes soll mit wabenförmigen Glaspanelen überzogen werden, die Solarzellen enthalten. Die erzeugte Energie könnte, so die Erfinder, den gesamten Bedarf der USA decken. Die Bedingungen für das ehrgeizige Projekt würden durch die sinkenden Preise für Solartechnik geschaffen.

Zunächst könnte der erzeugte Strom zum Laden parkender Autos verwendet werden. Im Winter soll die gespeicherte Energie genutzt werden, um den Schnee zu schmelzen. Auch die Straßenbeleuchtung soll über die Solartechnik versorgt werden. Langfristig will man sogar eine Technologie entwickeln, die es den Fahrzeugen erlaubt, den Strom per Induktion direkt von der Straße abzunehmen. Das wäre tatsächlich eine Umkehrung des gesamten Verständnisses vom Straßenverkehr. Galt dieser schließlich nicht bisher eher als etwas, das Energieressourcen strapaziert? Sollte das Geschäftskonzept für das so viele bereit waren, Kapital zu investieren, funktionieren, würden Straßen zu Energiequellen. In den extrem stabilen Glaspanelen sollen zusätzlich auch noch Datenkabel verlegt werden. Man hätte dann wortwörtlich Datenautobahnen, über die man sich in seinem Auto körperlich bewegen würde, der Bewegung der Information auf der Oberfläche mit dem ganzen Körper folgend. Doch damit nicht genug, in dem neuartigen Straßenbelag sollen dank eingebrachter LED-Anzeigen Straßenmarkierungen aufleuchten und vor Hindernissen auf der Fahrbahn gewarnt werden.

Dass die Straße, dieses Symbol des Fordismus und der Industrie des 20. Jahrhunderts plötzlich mit den Oberflächen der digitalen Ökonomie amalgamiert und so mit einem Mal auch noch die zentrale Frage der Energieversorgung gelöst wird, ist wohl für viele eine schillernde Vorstellung. Internet der Dinge, Nachhaltigkeit und Old Economy verbinden sich darin. Diese Vorstellung dürfte wohl einen guten Teil der Anziehungskraft des Solar-Roadways-Konzeptes ausmachen, für die der Rekord der Crowdfunding Kampagne beredter Ausdruck ist. Insgesamt haben bisher 38.000 Investoren Geld zur Verfügung gestellt, meist handelte es sich dabei um kleinere Beträge. Es sind wohl also weniger die großen Investoren, die sich überzeugen ließen. Es dürften in der Crowd wohl weniger Kosten/Nutzen-Kalkulationen den Ausschlag gegeben haben, als eben die Kraft der Idee. So ist mancher interessante Rückschluss auf die Psychologie der investitionswilligen Personen dieser Crowdinvesting-Kampagne möglich. Denn ganz unabhängig, wie realistisch es sein mag, das gesamte Straßennetz der USA mit einer Oberfläche von Solarpanelen zu überziehen, der Erfolg der Crowdfunding-Aktion zeigt den Horizont der Vorstellung vom technisch Möglichen an.




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Stephan Leistner