17.10.2017

Kleinunternehmerregel auch für Gründer

Unter bestimmten Bedingungen zwei Jahre umsatzsteuerfrei trotz Umsätzen über 17.500 Euro

Wer sich selbständig macht und ein eigenes Unternehmen gründet, braucht keine Umsatzsteuer zahlen, wenn im ersten Jahr der Gründung der Umsatz nicht größer als 17.500 EUR beträgt und im zweiten die 50.000 EUR nicht übersteigt. Die Anwendung dieser Kleinunternehmerregel bringt aber noch mehr Vorteile!

Umsatzsteuerbefreiung bis 50.000 Euro für Gründer im zweiten Jahr

Für Gründer gewährt Finanzamt Erleichterung bei Umsatzsteuer auch im zweiten Jahr

Was vielleicht vom sechsstelligen Umsatz-Raketenstart mancher Gründer und Unternehmer milde belächelt wird, ist für viele Selbstständige in den ersten beiden Jahren ihrer unternehmerischen Tätigkeit durchaus ein realistisches Szenario: Viel Arbeit, kaum Umsatz, inklusive zahlreicher Investitionen bis die Dinge ins Rollen kommen und die Einnahmen das Geschäft rentabel machen. Es ist eine schwere Zeit, wenn die Ausgaben die Einnahmen übersteigen und man dementsprechend vielen Zweifeln ausgesetzt ist. Aber: für diese Anlaufphase von Gründungen gewährt das Finanzamt eine Erleichterung bei der Umsatzsteuer.

Prinzipiell gilt die Kleinunternehmerregel: wer mit seiner selbständigen Tätigkeit pro Kalenderjahr nicht mehr als 17.500 Euro Umsatz erzielt, braucht keinen Cent Umsatzsteuer zahlen. Heißt aber auch: Ab 17.501 Euro müssen die Umsätze versteuert werden. Wie das Finanzgericht Thüringen nun entschieden hat, gilt die Umsatzsteuerfreiheit für neu gegründete Unternehmen auch für das zweite Jahr, sofern die Umsätze voraussichtlich nicht höher als 50.000 betragen werden (Aktenzeichen 3K 758/15).

Beginn eines Unternehmens auch ohne Umsätze

Das besondere an dieser Entscheidung, die sich an bisher getroffenen Fällen orientierte: Die Regel greift jetzt auch, selbst wenn im ersten Jahr der Gründung zum Beispiel durch ausschließliche Planung und intensive Vorbereitung des Geschäftes, überhaupt keine Umsätze erzielt wurden und der Gründer zur existentiellen Sicherung sogar noch als Angestellter tätig war. Der Kläger, der dem Umsatzsteuerbescheid widersprach und eine Klage vor dem Finanzgericht Thüringen anstrebte, arbeitete also in einer lohnsteuerpflichtigen Tätigkeit, während er seine unternehmerische Selbstständigkeit vorantrieb. Die im zweiten Jahr seiner Selbstständigkeit, erzielten Einnahmen, die deutlich über den 17.500 Euro der Kleinunternehmerregel lagen, aber unter 50.000 Euro blieben, mussten nicht versteuert werden, womit seiner Klage stattgebeben wurde.

Anders ausgedrückt: Trotz fehlender Umsätze kann im umsatzsteuerrechtlichen Sinne der Beginn eines Unternehmens als Gründungsjahr angesehen werden, womit das Folgejahr bei Umsätzen bis zu 50.000 Euro ebenso unter die Kleinunternehmerregel fällt - und somit auch umsatzsteuerfrei bleibt.

Einer der wichtigsten Vorteile dieser Entscheidung: Der Gründer braucht in dieser 'Warmlaufzeit' seines Unternehmens seinen Kunden keine Umsatzsteuer in Rechnung zu stellen - ein Plus im Wettbewerb mit den Waren, Angeboten und Dienstleistungen bereits etablierter Player in seinem Geschäftsfeld.

Alle Details zu diesem Fall sind in der Bekanntmachung des Thüringer Finanzgerichts nachzulesen.

Über den Autor

Marcos López

Marcos López

Der studierte Kommunikationswissenschaftler arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Redakteur und freier Autor. Er ist in Zürich geboren, wächst in Madrid und in der Nähe von Frankfurt am Main auf, bevor er vor der Wende nach Berlin kommt. Hier moderiert er im Hörfunk, schreibt für diverse Stadtmagazine und wird auch als DJ und Produzent bekannt. Von den Neuen Medien und Sozialen Netzwerken fasziniert, gestaltet er Beiträge für Print, Web und TV.

Das könnte Sie auch interessieren

Businessplan erstellen: Kostenfreie Vorlage inkl. Finanzplan
Businessplan erstellen: Kostenfreie Vorlage inkl. Finanzplan
Der Businessplan legt den Grundstein für Ihre Gründung. Mit dem kostenfreien Businessplantool erstellen Sie Ihren Businessplan einfach und sicher selbst. Schritt für Schritt begleiten wir Sie auf den folgenden Seiten auf dem Weg zu Ihrem Businessplan.
Kostenfreier Fördermittelcheck für Unternehmer
Kostenfreier Fördermittelcheck für Unternehmer
Das Angebot an Fördermitteln ist umfangreich und für viele Unternehmer kaum noch zu überblicken. Mit dem kostenfreien Fördermittelcheck von Unternehmenswelt haben Sie die Möglichkeit das passende Förderprogramm für Ihr Vorhaben zu finden - zugeschnitten auf die Bedürfnisse Ihres Unternehmens.
Ähnliche News für Gründer und Unternehmer
19.09.2019

Wenn das Finanzamt zweimal klingelt: Was Sie im Falle einer Betriebsprüfung wissen müssen

“Nahezu jede Betriebsprüfung führt zu einem Mehrergebnis.” (Dr. Arne Schnitger, PwC)

Wenn das Finanzamt zweimal klingelt: Was Sie im Falle einer Betriebsprüfung wissen müssen

Laut einer aktuellen Studie von PwC zur Praxis der Betriebsprüfungen in Deutschland mussten fast alle Unternehmen nach der letzten abgeschlossenen Betriebsprüfung erhebliche Anpassungen ihrer Steuerfestsetzungen hinnehmen. Im Schnitt waren 3 von 4 der befragten Unternehmen von einer teils deutlichen Mehranpassung betroffen. Damit Sie beim plötzlichen Anblick Ihres Prüfers weiterhin gelassen bleiben, finden Sie hier eine Checkliste der wichtigsten Fragen sowie Tipps für einen partnerschaftlichen Umgang mit den Behörden.

25.07.2019

Mythos Hitzefrei

Müssen Arbeitgeber „Hitzefrei“ geben und wenn ja, unter welchen Umständen?

Mythos Hitzefrei

Deutschland ächzt aktuell unter Temperaturen bis zu 40° C in Teilen der Republik. In Zeiten geoklimatischer Veränderungen kann dies künftig ein Regelfall werden. Unternehmer, die über keine vollklimatisierten Räumlichkeiten verfügen, sollen und müssen in Deutschland entsprechende Fürsorgemaßnahmen für Ihre Mitarbeiter treffen. Welche dies konkret sind und ob „Hitzefrei“ tatsächlich dazu gehört, fassen wir für Sie zusammen.

23.07.2019

Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Handel

Neue Anlaufstellen unterstützen ab sofort KMUs in allen Fragen der digitalen Transformation

Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Handel

Zum 1. Juli 2019 haben der Handelsverband Deutschland (HDE) und ein starkes Partnernetzwerk ihre jüngste Digitaloffensive für den deutschen Mittelstand gestartet. In deutschlandweiten Kompetenzzentren für den Handel sollen neue Geschäftsmodelle, Absatzmärkte und damit Chancen durch die digitale Transformation für KMUs nutzbar gemacht werden. Wir stellen Ihnen Themen und Formate vor, die Sie für Ihre digitale Weiterbildung nutzen können.

unternehmenswelt