KI auf den Weltmärkten

USA, China und wo steht Deutschland?

Der State of AI in the Enterprise Survey des Beratungsunternehmens Deloitte ist ein aktueller Zustandsbericht zu Entwicklung, Anwendung und Hemmnissen Künstlicher Intelligenz in deutschen Unternehmen. Er beruht auf einer Befragung von 100 AI-Experten durch das Beratungsunternehmen Deloitte in Q1 2019. Alle Befragten stammen aus Unternehmen, die bereits mindestens einen AI-Prototypen oder eine AI-Anwendung umgesetzt haben. Die Fragen richteten sich ausschließlich an Führungskräfte mit unmittelbarer Verantwortlichkeit für AI-Strategie, -Entscheidungsfindung, -Budgetierung und -Implementierung. Deloitte liefert damit eine repräsentative Schnittmenge aktueller deutscher Bemühungen auf dem internationalen Markt der KI. Wir versammeln die wichtigsten Zahlen und Ergebnisse der Befragung.

Kernprobleme deutscher Unternehmen im Bereich KI-Implementierung

Die Kernprobleme in deutschen Unternehmen wurden im Rahmen der Befragungen wie folgt definiert:

  • Statt AI aufwendig selbst zu entwickeln, verwenden zahlreiche Unternehmen AI-Lösungen „von der Stange“. AI as a Service und Unternehmenssoftware mit integrierter AI sind die verbreitetsten Implementierungsansätze
  • Erst ein Viertel der befragten Unternehmen verfügt über eine umfassende AI-Strategie. Künstliche Intelligenz wird in Deutschland überwiegend auf Abteilungsebene umgesetzt, oft fehlt eine gesamthafte Unternehmenssicht.
  • In deutschen Unternehmen fehlt es an AI-Skills. Am größten ist die Kompetenzlücke jedoch nicht etwa bei Technologie und IT. Stattdessen sind im AI-Kontext vordringlich Change-Management-und Transformations-Skills gefragt.

Nur 15 Prozent der befragten Unternehmen implementieren AI primär mit internen Ressourcen und offenbaren damit den bestehenden Mangel an internen AI-Kompetenzen. 65% der befragten Unternehmen nutzen AI as a Service aka fremde Software-Produktlösungen. Künstliche Intelligenz wird hierzulande kaum selbst entwickelt. KI ist in Deutschland auch noch lange nicht Chef-Sache, sondern mehrheitlich in kleinen Abteilungen organisiert denn als firmenweite Strategie. In allen Vergleichsmärkten sind unternehmensweite AI-Strategien weiter verbreitet. Die Qualifizierung von z.B. AI-Developern und Data Scientists wird laut der Deloitte Ergebnisse zum Standortfaktor. Am gefragtesten sind im AI-Kontext Change-Management-und Transformations-Skills, noch vor Software-Entwicklungsskills. (32% vs. 31% der befragten Unternehmen) Der gute alte Datenschutz ist die meistgenannte Herausforderung bei der Implementierung von KI-Initiativen.

Nutzungsbandbreite von KI in deutschen Unternehmen

In folgenden Bereichen in absteigender Signifikanz wird Künstliche Intelligenz aktuell in deutschen Unternehmen genutzt:

  • IT-Automation
  • Vernetzte Geräte und Produkte
  • Cyber-Sicherheit
  • Qualitätskontrolle
  • Risikomanagement
  • Workforce-Management
  • PredictiveAnalytics
  • Marketing-Unterstützung
  • Decision Support
  • Prognosen
  • Customer Service
  • Sales-Optimierung
  • Steuer - Audit und Compliance

Positive Signale für KMUs durch „Demokratisierung“ von KI

Als positiven Faktor innerhalb der deutschen KI-Landschaft sehen die Deloitte Autoren eine ihrerseits als „Demokratisierung“ Künstlicher Intelligenz wahrgenommene Nutzungsvielfalt von AI as a Service in kleinen und mittleren Unternehmen Deutschlands. Cloud-basierte Lösungen ermöglichen auch solchen Unternehmen, die nicht über die Ressourcen zur Entwicklung eigener Anwendungen verfügen, die Teilhabe an den neuen Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz und versprechen einen schnellen und kostengünstigen Zugang zu intelligenten Produkten, Services und Geschäftsmodellen.

Strohfeuer KI Strategie – Was die Bundesregierung stattdessen tun sollte

Die KI-Strategie der Bundesregierung wirkt angesichts der Investitionen und Projekte, die z.B. China in gleichen oder gar kürzeren Zeiträumen forciert, wie ein Strohfeuer. Bis einschließlich 2025 will der Bund insgesamt etwa 3 Mrd. EUR für die Umsetzung der Strategie zur Verfügung stellen. (Stand November 2018) Mehr als 10 Mrd. USD investiert Xi Jinping zum Vergleich aktuell in die komplette KI-Infrastruktur einer mittelgroßen heimischen Stadt.

In Sachen Patente läuft der Wettlauf ebenfalls bereits seit hinlänglich bekannter Zeit zwischen den beiden alten neuen Mächten USA und China. Wenn Deutschland nicht will, dass es zukünftig zum Absatzmarkt für fremde Hardware und Software-Dienste degeneriert, wird die Bundesregierung ihre finanziellen Prioritäten neu bewerten müssen.

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Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen Händel

Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitet seit ihrem Master als Redakteur u.a. in den Bereichen Tourismus, für verschiedene Stiftungen und Kommunikationsagenturen. Die Themen responsible tourism, innovative Entwicklungskonzepte und eine nachhaltige economy 4.0 bildeten ihre bisherigen redaktionellen Schwerpunkte. Im unternehmenswelt.de Team schreibt sie seit 2018 u.a. über die digitale Evolution durch Bitcoin, Blockchain und deren gesellschaftliche Bedeutungen. Seit 2019 verantwortet Kathleen Händel den Content-Bereich auf unternehmenswelt.de.

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