04.09.2021

Der Gründungszuschuss

Der Gründungszuschuss ist ein Fördermittel der Arbeitsagentur, das dich als Gründer bei der erfolgreichen Umsetzung deiner Selbständigkeit unterstützen soll. Ob du den Zuschuss beantragen kannst, was er fördert, wie hoch dieser ist, wie lang er läuft, was du bei der Beantragung und sonst beachten solltest, haben wir dir übersichtlich zusammengestellt.

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Der Gründungszuschuss

Der Gründungszuschuss ist eines der wichtigsten staatlichen Fördermittel für Gründer auf den Weg in ihre Existenzgründung. Diese Förderung ist ausgelegt für Empfänger von Arbeitslosengeld I.

Seit 2006 löst der Gründungszuschuss die ausgelaufenen Förderungsmaßnahmen Überbrückungsgeld und den Existenzgründungszuschuss in Form der Ich-AG ab. Bewilligt und beantragt wird der Gründungszuschuss bei der für dich zuständigen Arbeitsagentur.

Der Gründungszuschuss dient zur Absicherung deines Lebensunterhalts und deiner sozialen Absicherung (Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge) während deiner Existenzgründung. Denn für viele Gründer sind diese finanziellen Mittel die Voraussetzung um einen sicheren Start ins Unternehmertum hinzubekommen.

Prinzipiell zu beachten ist, dass es sich bei der Bewilligung des Gründungszuschusses um eine Ermessensleistung der Agentur für Arbeit handelt. Es gibt somit keinen Rechtsanspruch auf die Förderung. Weiterhin hat deine Vermittlung in Ausbildung und Arbeit für die Arbeitsagentur Vorrang.

Möchtest du mit dem Gründungszuschuss in die Selbständigkeit starten, musst du folgende Bedingungen erfüllen:

  • Arbeitslosigkeit. Du musst arbeitslos gemeldet sein. Personen, die ihr Arbeitsverhältnis selbst gekündigt haben sind für drei Monate (Sperrzeit) von einer Förderung ausgeschlossen. Der Gründungszuschuss kann in diesem Fall erst im unmittelbaren Anschluss an diese Sperrfrist, aber in voller Höhe, gezahlt werden.
  • Existenzgründung. Du musst gewillt sein, deine Arbeitslosigkeit durch eine hauptberufliche Selbstständigkeit zu beenden. Die wöchentliche Arbeitszeit muss dann mindestens 15 Stunden betragen. Der nach einer Anlaufphase zu erwartende Gewinn, muss dann ausreichen, um deine Existenz abzusichern. Ein Verdienst neben der Gründung ist zwar erlaubt, darf aber nicht hauptberuflich ausgeübt werden und eine Arbeitszeit von 15 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Kläre die Nebentätigkeit unbedingt mit dem für dich verantwortlichen Vermittler ab.
  • Anspruch auf Arbeitslosengeld I von mindestens 150 Tagen. Am Tag der Existenzgründung musst du noch über einen Anspruch auf das Arbeitslosengeld I von mindestens 150 Tagen verfügen. Beziehst du Arbeitslosengeld II und planst dich beruflich selbstständig zu machen, dann kannst du das Einstiegsgeld beantragen.
  • Kurze Anwartschaftszeit. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld darf nicht allein auf der kurzen Anwartschaftszeit beruhen (siehe §147 Abs. 3 SGB III). Die Regelanwartschaftszeit ist erst erfüllt, wenn du dich in den letzten zwei Jahren vor Beginn der Arbeitslosigkeit mindestens 12 Monate in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis befunden hast.
  • Fachkundige Stellungnahme. Dein zu förderndes Gründungsvorhaben soll nicht nur kurzfristig deine Arbeitslosigkeit beenden, sondern auch langfristig den Erfolg deiner Geschäftsidee sichern. Du musst daher die Tragfähigkeit deines Gründungsvorhabens durch die Stellungnahme einer "fachkundigen Stelle" nachweisen. Zu den fachkundigen Stellen gehören unter anderem die Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Fachverbände oder Banken.
  • Persönliche und fachliche Kompetenzen. Als Existenzgründer musst du gegenüber deinem Vermittler der Arbeitsagentur nachweisen, dass du über die notwendigen persönlichen und fachlichen Voraussetzungen zur Umsetzung deiner Geschäftsidee verfügst. Sind deine Kenntnisse nicht zweifelsfrei nachweisbar, kann dir die Teilnahme an einer Veranstaltung zur Eignungsfeststellung oder an einem Existenzgründungsseminar auferlegt werden. In diesem Zusammenhang werden auch die materiellen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gründung betrachtet.
  • Arbeitsmarkt. Die zuständige Arbeitsagentur berücksichtigt die aktuelle Arbeitsmarktsituation. Ist eine Vermittlung in ein neues Arbeitsverhältnis aktuell nicht erfolgversprechend, so ist die Gewährung des Gründungszuschusses wahrscheinlicher.

Die Förderung durch den Gründungszuschuss unterteilt sich in zwei Phasen und wird maximal 15 Monate gewährt.

  • In der ersten Phase wird dir der Zuschuss für sechs Monate in Höhe des individuellen monatlichen Arbeitslosengeldes und zusätzlichen 300 Euro zur sozialen Absicherung gewährt.
  • Bist du nach den ersten sechs Monaten noch erfolgreich mit deiner Geschäftsidee tätig, so hast du in der zweiten Phase für weitere neun Monate Anspruch auf Leistungen in Höhe von lediglich 300 Euro.

Die Bewilligung der Verlängerung liegt auch im Ermessen der Arbeitsagentur. Oft werden die Angaben im Businessplan zur Beurteilung herangezogen. Betrachtet werden in diesen Fällen die Angaben, die du für die ersten sechs Monate gemacht hast. Hat sich dein Unternehmenskonzept als wirklich tragfähig erwiesen, ist eine Weiterförderung sehr wahrscheinlich.

Die Kriterien für eine Verlängerung der Förderung unterscheiden sich je nach Region und Arbeitsvermittler. Grundsätzlich kannst du eine Verlängerung ab dem 4. Monat nach deiner Gründung beantragen und dir damit zwei Monate vor Ablauf der Grundförderung von sechs Monaten die Gewissheit über den Fortbestand des Zuschusses sichern.

Die gesamte Förderung ist steuerfrei und unterliegt nicht dem Progressionsvorbehalt. Da der Gründungszuschuss nicht, wie das Arbeitslosengeld als Lohnersatzleistung angesetzt wird, bedarf es auch keiner Angabe in der Einkommensteuererklärung.

Noch ein wichtiger Hinweis: Mit Erreichen des 65. Lebensjahres endet die Förderung durch den Gründungszuschuss.

Die Bewilligung des Gründungszuschuss beeinflusst auch deinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Ein noch bestehender Anspruch auf Arbeitslosengeld wird während der Förderung 1:1 aufgebraucht. Ausnahme hiervon besteht, insofern du innerhalb der ersten drei Monate der selbständigen Tätigkeit den Antrag auf eine kostenpflichtige, freiwillige Weiterversicherung in der Arbeitslosenversicherung stellst.

Einen Antrag auf Gründungszuschuss musst du entsprechend der Fristen und vor Aufnahme deiner selbstständigen Tätigkeit bei der für dich zuständigen Arbeitsagentur einreichen. Für den Antrag benötigst du folgende Unterlagen:

  • Ein ausgefüllter Antrag auf Gründungszuschuss. Den Antrag erhältst du bei deiner zuständigen Arbeitsagentur. (Lass dir den Tag der Antragstellung vermerken und bestätigen!)
  • Ein aussagekräftiger Businessplan inklusive des Kapitalbedarfs und eines realistischen Finanzplans.
  • Eine fachkundige Stellungnahme über die Tragfähigkeit deines Gründungsvorhabens. Zu den fachkundigen Stellen gehören unter anderem die Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern sowie zahlreiche Fachverbände, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Steuerberater, Fachverbände (z.B. freie Berufe), kommunale Wirtschaftsförderung, Banken oder Sparkassen.
  • Ein lückenloser Lebenslauf.
  • Gegebenenfalls eine in die Zukunft datierte Anmeldung deiner selbstständigen Tätigkeit vom Finanz- oder Gewerbeamt.

Um die Agentur für Arbeit und die Fachkundige Stelle von der Ernsthaftigkeit deines Vorhabens zu überzeugen, benötigst du einen entsprechend für den Gründungszuschuss zugeschnittenen Businessplan, der:

  • deine Geschäftsidee beschreibt,
  • deine Fähigkeiten und Qualifikationen zur erfolgreichen Umsetzung benennt,
  • Markt und Wettbewerber analysiert,
  • Investitionen und zu erwartende Umsätze kalkuliert,
  • die anfängliche Notwendigkeit des Gründungszuschusses belegt.

Nur so gelingt es dir den avisierten Gründungszuschuss als notwendige und für die Arbeitsagentur erfolgreiche Investition glaubhaft darzustellen.

Wie dein Businessplan für den Gründungszuschuss aussieht, haben wir dir in einem ausführlichen Beitrag zusammengefasst. Hier geht es zu unserem Beitrag: "Dein Businessplan für den Gründungszuschuss"

Als Bezieher von Arbeitslosengeld I kannst du dir entsprechend auch eine individuelle Beratung zu deiner Existenzgründung von der Arbeitsagentur fördern lassen. Mittels eines sogenannten Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheins, kurz AVGS, kannst du ein für dich kostenfreies, sogenanntes AVGS-Gründercoaching durchlaufen.

In diesem Gründercoaching gehst du gemeinsam mit einem professionellen Berater Schritt für Schritt alle Punkte deiner Existenzgründung durch. Dabei erhältst du wertvolle Tipps und Hiweise auch zum Thema Gründungszuschuss. So kannst du mit deinem Gründercoach gemeinsam den Businessplan für die Beantragung des Gründungszuschuss erstellen und erhältst gleichzeitig die von der Arbeitsagentur für die Bewilligung abgefragten Kenntnisse und Fähigkeiten zur Selbständigkeit.

Zum AVGS-Gründercoaching haben wir dir einen extra Beitrag erstellt, indem du detailliert alle Infos erhältst. Hier geht es zu unserem Beitrag: "AVGS-Gründercoaching"

Weiteres zum Gründungszuschuss:

So beantragst du den Gründungszuschuss

Der Gründungszuschuss ist die Startfinanzierung für eine Gründung aus der Arbeitslosigkeit heraus. Du befindest dich derzeit in unabsehbarer Kurzarbeit oder befürchtest deinen Arbeitsplatz zu verlieren? Ungeachtet dessen trägt dich schon länger der Gedanke an eine Selbstständigkeit? Mit einer Förderung durch den Gründungszuschuss erreichst du dein Ziel.

Gründungsberatung: Angebote und Kosten im Überblick

In einer Gründungsberatung erhältst du als Existenzgründer umfassende Hilfe zu verschiedenen Themen, die deine individuelle Existenzgründung betreffen. Dein Gründercoach hilft dir in beratender Form allgemeine Fragen rund um deine Existenzgründung und Unternehmensführung zu klären. Was dich dabei erwartet, haben wir für dich zusammengefasst.

Geschäftskonto für Gründer und Unternehmer

Mit einem Geschäftskonto behältst du Einnahmen und Ausgaben als Gründer und Unternehmer im Überblick, wodurch du auch eine saubere Buchhaltung gewährleistest. Wir geben dir als Gründer sowie jungem Unternehmer einen detaillierten Überblick zu relevanten Geschäftskonten öffentlich-rechtlicher sowie privater Banken und Finanzdienstleister.

Über den Autor
René Wendler

René Wendler

René hat die letzten 20 Jahre erfolgreich Geschäftsmodelle zur Betreuung von Gründern und Unternehmer aufgebaut. Damals wie heute adressiert er gemeinsam mit seinem Team Solo-Selbstständige und Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern, welche weder die mediale noch politische Aufmerksamkeit haben, obwohl sie 95% aller Unternehmen in Deutschland stellen und 60% aller Arbeitsplätze absichern. Daraus entstanden ist auch unternehmenswelt.de, die mittlerweile größte Anlaufstelle für Gründer und Unternehmer in der D/A/CH Region mit über 500.000 Mitgliedern.

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